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West Ein Kita-Platz mit Handicap
Hannover Aus den Stadtteilen West Ein Kita-Platz mit Handicap
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12:17 02.08.2012
Von Juliane Kaune
Foto: Marek wird dank Einsatz seines Vaters ab August die gleiche Kita besuchen wie sein älterer Bruder.
Marek wird dank Einsatz seines Vaters ab August die gleiche Kita besuchen wie sein älterer Bruder. Quelle: Gabriel Poblete Young
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Linden-Mitte

Wo sein Bruder Jannis tagsüber spielen geht, weiß Marek genau. Schon oft war der Zweijährige dabei, wenn sein Vater Matthias Möhle Jannis aus der Kindertagesstätte Hohe Straße abgeholt hat. Und jedes Mal freut er sich riesig auf das Wiedersehen. Bald wird Marek ganz in der Nähe seines älteren Bruders betreut. Vom 1. August an hat er einen Kindergartenplatz in der gleichen Kita bekommen. Es ist der erste integrative Betreuungsplatz dieser Einrichtung - und der erste überhaupt in einer städtischen Kindertagesstätte in Linden.

Dass Marek, der an dem Down Syndrom leidet, demnächst in der Hohen Straße gefördert wird, hat er nicht zuletzt dem Engagement seiner Eltern zu verdanken. Matthias und Ina Möhle haben sich seit Sommer vergangenen Jahres vehement dafür eingesetzt, ihren Sohn in der Einrichtung unterzubringen, in der es bereits dem fünfjährigen Bruder so gut gefällt. „Wir fanden einfach, dass das eine optimale Lösung wäre“, sagt Matthias Möhle. Zumal die Suche nach einem geeigneten Platz in einem der integrativen Kinderläden im Stadtteil sich schwierig gestaltete.

Bei der Kita-Leitung stieß der Vorschlag auf offene Ohren, auch das städtische Jugendamt signalisierte Bereitschaft. Allerdings galt es, jede Menge Vorschriften zu beachten. So muss die Zahl der Plätze in einer Kindergartengruppe je nach Größe um eine bestimmte Zahl von Plätzen reduziert werden, wenn ein behindertes Kind aufgenommen wird. Auch dass kein Rechtsanspruch auf einen integrativen Kita-Platz besteht, teilte die Behörde der Familie vorsichtshalber mit.

Der in den folgenden Wochen geführte Schriftwechsel mit dem Amt fiel üppig aus. „Ehrlich gesagt, hatten wir nicht damit gerechnet, dass so viel beachtet werden muss“, sagt Möhle. Ende November 2011 schickte er auch einen Brief an Oberbürgermeister Stephan Weil, unterstützt vom Elternbeirat der Kita. Weil nur die Antwort kam, der Vorgang werde von den zuständigen Stellen bearbeitet, schaute Möhle Ende Januar dann persönlich in der Bürgerfragestunde des OB im Rathaus vorbei.

Offenbar mit Erfolg: Anfang März gab es grünes Licht für Mareks Kita-Platz. Vorgesehen ist, den Jungen in eine Gruppe mit 19 weiteren Kindern aufzunehmen; eine vom Land finanzierte heilpädagogische Fachkraft wird ihn begleitend zum Kita-Personal betreuen. Die Gruppe befindet sich jedoch in der Außenstelle der Kita Hohe Straße, einige Häuser vom Hauptgebäude und damit auch von Bruder Jannis entfernt. „Das ist nicht hundertprozentig, was wir uns vorgestellt haben, aber damit können wir uns arrangieren“, sagt Möhle. Grundsätzlich habe die Stadt bei der Platzsuche für Marek Entgegenkommen gezeigt. „Aber ich würde mir wünschen, dass Eltern behinderter Kinder künftig noch unbürokratischer geholfen wird“. Es müsse wohnortnah mehr Integrationsplätze in Kitas geben, damit Eltern zwischen mehreren Einrichtungen im Stadtteil wählen könnten.

Grundsätzlich gelte Linden mit 18 integrativen Kita-Plätzen im Stadtvergleich als gut versorgt, sagt Stefan Rauhaus, Bereichsleiter im Jugendamt. Längere Wartelisten gebe es nicht. Dass Marek in der Außenstelle betreut wird, sei eine Übergangslösung. Aus Platzgründen ist die dortige Gruppe mit 21 Kindern kleiner als eine übliche Gruppe mit 25 Plätzen - gemäß der Vorschriften musste so nur einer statt fünf regulärer Plätze für das Integrationsprojekt aufgegeben werden. Im Frühsommer 2013, wenn die neue Kita in der Posthornstraße bezugsfertig ist, zögen alle Gruppen aus der Hohen Straße dorthin um, sagt Rauhaus. In dem Kita-Neubau werde es dauerhaft eine eigene Integrationsgruppe mit drei bis vier behinderten Kindern geben. Und dann könnten Marek und sein Bruder Jannis auch tatsächlich unter einem Dach spielen.

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