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West Ein neues Aushängeschild für Faust
Hannover Aus den Stadtteilen West Ein neues Aushängeschild für Faust
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10:02 05.12.2014
Mit hell getünchten Wänden, einem frisch gemauerten Tresen, einem gemütlichen Gastraum und einem neuen Sanitärtrakt im Keller hat sich das Siesta zur guten Stube des gesamten Faust-Komplexes gemausert. Quelle: Marcel Schwarzenberger
Hannover

Es ist noch nicht lange her. Wenn Gäste, die den Verwaltungstrakt des Kulturzentrums Faust besuchen wollten, durch die Eingangstür traten, standen sie erst einmal vor den Toiletten. Im Café Siesta nebenan war es eng und ein bisschen düster, geöffnet war dort meist nur zu Veranstaltungen. Kurz: Ein Aushängeschild war dieser Trakt von Faust wirklich nicht. Das hat sich sichtlich geändert - rund 80.000 Euro sind in den Umbau des Bereiches geflossen. Am vergangenen Sonnabend wurde der umgestaltete Gebäudeteil mit einem Empfang offiziell eröffnet.

Mit hell getünchten Wänden, einem frisch gemauerten Tresen, einem gemütlichen Gastraum und einem neuen Sanitärtrakt im Keller hat sich das Siesta zur guten Stube des gesamten Faust-Komplexes gemausert. „Wir haben hier jetzt auch behindertengerechte WCs. Wir sind auf dem Weg zu einem inklusiven Kulturzentrum“, erklärte Faust-Geschäftsführer Hans-Michael Krüger. Und spätestens Anfang 2015 soll das Siesta in den Tagesbetrieb übergehen. Als Café samt Bar, als Informationsbörse und als Vorverkaufsstelle für Veranstaltungstickets.

Bereits 2012 habe es erste Pläne für den Umbau gegeben, berichtete Krüger. Die Bausubstanz habe sich aber als problematisch erwiesen. Die Folge: Die Kosten stiegen stärker als geplant. Eine Finanzierungslücke von 20 000 Euro musste durch Spenden und Förderer geschlossen werden. Eine Aufgabe für den langjährigen Faust-Unterstützer Jürgen Liedtke. Er holte bei seiner Sammeltour auf der Suche nach Geldgebern unter anderem Stiftungen und öffentliche Institutionen ins Boot.

Sichtlich wohl im neuen Siesta fühlte sich auch SPD-Kulturpolitikerin Belgin Zaman. Was sich dort verändert habe, sei „sehr positiv“, sagte die Ratsfrau. Die Betreiber des Kulturzentrums sieht sie aber auch weiter in der Pflicht. Es gebe einen Investitionsstau bei der Unterhaltung der Gebäude, bemerkte sie. Tatsächlich bildet Faust derzeit Rücklagen für ein weiteres Renovierungsvorhaben - das Dach eines Gebäudetraktes soll saniert werden. Zaman wünscht sich zudem einen größeren Bezug des Kulturzentrums zu Linden. „Neue inhaltliche Schwerpunkte sind nötig“, befand sie. Anders gesagt: alles eine Nummer kleiner und weniger Partys sowie überregional beworbene Konzerte.

„Wir sind eines der größten soziokulturellen Zentren der Region“, erwiderte Krüger. Natürlich ziehe Faust durch seine Veranstaltungen auch aus anderen Stadtteilen und über Hannovers Grenzen hinaus Publikum an. Und gerade für die Finanzierung sei das wichtig. Trotzdem wirke das Kulturzentrum auch in Linden, betonte Krüger. Damit meint er unter anderem die 30 Vereine, die auf dem Gelände ansässig sind und auch lokale Stadtteilarbeit anbieten. Mit Lindener Schulen und Anwohnerinitiativen laufen zudem verschiedene Projekte.

Umsatzbringer aber sind die großen Veranstaltungshallen von Faust, allen voran die 60er-Jahre-Halle. Dort investiert das Kulturzentrum auch regelmäßig in die Gebäude- und Unterhaltungstechnik. Was in der Vergangenheit etwas auf der Strecke blieb, war neben dem Café Siesta die benachbarte Warenannahme. Dieser Saal ist das soziokulturelle Herz des Kulturzentrums. Dort blüht das Improvisationstheater, dort gibt es Lesungen, dort wuchs das Poetry-Slam-Projekt „Macht Worte!“ - das in diesen Wochen sein zehnjähriges Bestehen feiert - zur hannoverschen Szenegröße. Darüber hinaus nutzen die Vereine und Migrantenverbände im Kulturzentrum den Saal der Warenannahme für Feiern und Debatten. Dieser Bereich arbeitet eher kostendeckend denn gewinnorientiert. „Und es wurde weniger investiert als in den Konzertbetrieb“, bilanzierte Rainer-Jörg Grube, Faust-Gründungsmitglied und Bezirksbürgermeister in Linden-Limmer. Der Umbau des Siesta sei darum ein wichtiger erster Schritt.

Aus der Ratspolitik gab es zuletzt viel Kritik an der wirtschaftlichen Bilanz des Kulturzentrums. Die Stimmung im Faust-Team ist dennoch gut. Bei jungen Leuten gilt der Verein als attraktiver Arbeitgeber. Luna Jurado etwa kam im vergangenen Jahr aus Oldenburg nach Linden, zunächst für ein Praktikum bei Faust. Ihr gefiel es so gut, dass sie bei dem Betreiberverein inzwischen eine Lehre zur Veranstaltungskauffrau macht. „Das Team ist engagiert, die Atmosphäre toll“, lobte sie.

Von Marcel Schwarzenberger

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