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West „Ein Ort des Lernens und der Zukunft“
Hannover Aus den Stadtteilen West „Ein Ort des Lernens und der Zukunft“
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12:42 03.12.2014
Michael Fürst, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Hannover.Foto: von Ditfurth
Michael Fürst, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Hannover.Foto: von Ditfurth Quelle: Philipp von Ditfurth
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Ahlem

Auch Überlebende und Angehörige von getöteten Juden waren gekommen. Es sollte ein bewegender Tag werden.

„Nach sieben Jahren der Planung ist die Gedenkstätte jetzt fertig“, sagte Regionspräsident Hauke Jagau in seiner Rede. 6,3 Millionen Euro wurden in das Projekt investiert. Jagau betonte, wie wichtig Gedenkstätten sind: „Wir müssen deutlich machen, was passiert ist, und dafür sorgen, dass der Terror nicht vergessen wird.“ Das sagte auch Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok. Alle an dem Projekt Beteiligten hätten etwas Großes geschaffen. Durch die Unterstützung der Zeitzeugen sei Ahlem zu einem Bildungs- und Erinnerungsort geworden. Die jüdische Bevölkerung reiche den Deutschen damit die Hand zur Versöhnung, sagte Schostok. Als Rednerin stand auch Barbara Traub vor den Gästen: „Das Schicksal der Internierten gleicht dem meiner Familie.“ Sie sei immer wieder erschüttert über die Taten der Nazis. Doch Ahlem sei jetzt zu einem Ort des Lernens und der Zukunft geworden.

Am Freitag wurde die Gedenkstätte Ahlem eröffnet. Auch Hauke Hagau und Stefan Schostok nahmen an der Veranstaltung teil.

Gerda Steinfeld, Überlebende des KZ Theresienstadt, sprach über ihr Leben in Hannover und ihre Erinnerungen an die israelitische Gartenbauschule, an deren Stelle jetzt die Gedenkstätte steht. Es war im Winter 1940, als die damals Achtjährige zum ersten Mal zum Schuluntericht nach Ahlem kam. Juden hatten es zu der Zeit bereits schwer in Deutschland. Sie sei aber einfach nur froh gewesen, lernen zu dürfen.

Viele verbinden mit Ahlem den Ort der Deportation und der Hinrichtungen. Ernest Wertheim kennt eine andere Seite. Er war Schüler der israelitischen Gartenbauschule. Alles, was der in die USA ausgewanderte im Leben erreicht habe, verdanke er seiner Ausbildung in Ahlem. „Es war hart, aber ich habe viel gelernt.“ Beide Gesichter Ahlems haben einen Platz in der Ausstellung gefunden. Eine Etage widmet sich der Gartenbauschule, eine andere den Taten der Nazis. Für Michael Fürst von der Jüdischen Gemeinde Hannover ist die Gedenkstelle wichtig und richtig. Was ihm noch fehle, sei eine Städtepartnerschaft Hannovers mit einer Stadt in Israel.

In der Gedenkstätte Ahlem gibt es am heutigen Sonnabend von 10 bis 16 Uhr einen Tag der offenen Tür. Um 14 Uhr spricht Hans-Dieter Schmid im Geron-Saal zum Thema „Ahlem - Bilder und Geschichten“. Der Eintritt ist frei.

03.12.2014
Juliane Kaune 03.12.2014
Juliane Kaune 03.12.2014