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West Eine Fahrradstraße löst Verwirrung aus
Hannover Aus den Stadtteilen West Eine Fahrradstraße löst Verwirrung aus
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10:50 15.05.2014
Ausgerechnet an der Grundschule kommt es für Radfahrer in der Straße zu Engpässen. Rechts: Trotz Markierungen nutzen Radler weiter den Fahrradweg.
Ausgerechnet an der Grundschule kommt es für Radfahrer in der Straße zu Engpässen. Rechts: Trotz Markierungen nutzen Radler weiter den Fahrradweg. Quelle: Mario Moers
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Etwas läuft gefährlich falsch in der Stammestraße. Statt, wie geboten, Rücksicht auf ihn zu nehmen, hupen Autos den Radfahrer Hartmut Reiner Schulzendorff regelmäßig wütend von der viel befahrenen Straße. Wenn der Rentner nach einem Ausflug in die Masch auf die Stammestraße einbiege, müsse er jedes Mal höllisch aufpassen, nicht umgefahren zu werden, berichtete Schulzendorff in der vergangenen Woche dem Bezirksrat Ricklingen von seinen Erfahrungen in dem Abschnitt zwischen Beeke- und Pfarrstraße. Die Politiker teilten am Donnerstagabend einvernehmlich Schulzendorffs Kritik an der undeutlichen Beschilderung der Straße. Die Stadtverwaltung dagegen sieht keinen Handlungsbedarf und beruft sich darauf, das Mindestmaß an Kennzeichnung eingehalten zu haben.

Die im April ausgewiesene Fahrradstraße in der Stammestraße soll eigentlich diejenigen schützen, die sie nun scheinbar in Gefahr bringt. SPD und Grüne hatten im Bezirksrat im vergangenen Jahr ihre Forderung nach Vorfahrt für Radfahrer gegen die Stimmen der übrigen Fraktionen durchgesetzt. Die besondere Regelung war ihrer Ansicht nach notwendig geworden, nachdem die Stadtverwaltung vorhandene sanierungsbedürftige Radwege entlang der Stammestraße teilweise rückgebaut hatte. Doch verwirrende Markierungen und ungewöhnlich platzierte Schilder verunsichern jetzt die Verkehrsteilnehmer in Ricklingen.

Beobachtet man den Radverkehr in der Stammestrasse, fällt zuerst auf, dass kaum jemand die neue Radstraße nutzt. „Wieso Fahrradstraße? Ich fahre hier immer auf dem Radweg“, wundert sich eine Radfahrerin. Denn der ehemalige Radweg wurde nur teilweise entfernt. Dort, wo er noch vorhanden ist, wird er weiterhin befahren. Weil die blauen Markierungen der neuen Fahrradstraße zudem nicht immer in Sichtabstand voneinander aufgebracht sind, scheinen Autofahrer und Radfahrer schnell zu vergessen, dass sie sich auf einer gemeinsamen Fahrbahn befinden. Manche Hinweisschilder sind nur auf einer Seite der Fahrbahn angebracht und können ebenfalls schnell übersehen werden. Besonders an Einmündungen wie dem ohnehin eng beparkten Bereich an der Klusmannstraße entstehen an der neuen Vorfahrtsstraße schnell brenzlige Situationen.

„Wir waren damals gegen die Vorfahrtstraße und haben immer noch Bedenken. Aber jetzt muss schnell eine sinnvolle Lösung her“, sagte Christian Weske (CDU) im Bezirksrat. Ungeachtet aller grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten in der Sache stimmten alle Mitglieder des Bezirksrats für einen von der CDU-Fraktion formulierten Dringlichkeitsantrag. Darin wird die Stadtverwaltung aufgefordert, die Beschilderung in der Stammestraße zu verbessern. Zusätzlich aufgestellte Schilder („Vorfahrt gewähren“ und „Vorfahrt geändert“) an den einmündenden Straßen sollen Radfahrer auf die kritischen Stellen aufmerksam machen. Bereits im Vorfeld hatte sich der Bezirksrat bei der Stadt erkundigt, ob die unklare Kennzeichnung möglicherweise ein Provisorium darstelle. Nach Ansicht der Stadtverwaltung ist die Kennzeichnung der neuen Fahrradstraße allerdings „verkehrsrechtlich nicht zu beanstanden“. Der Bereich sei nach „Hannover-Standard“ gekennzeichnet. „Da kann man nur mit dem Kopf schütteln“, kritisierte der parteilose Einzelvertreter im Bezirksrat, Albert Koch, die Einschätzung der Verwaltung.

„Selbst wenn das ,Hannover-Standard‘ ist, heißt das doch nicht, dass man es nicht verbessern könnte“, sagte Hartmut Reiner Schulzendorff verärgert. Bei seinen Radausflügen muss der Bornumer sich vorerst weiter in acht nehmen, vor den hupenden Autos, mit denen er sich die Stammestraße teilt.

Mario Moers

Nadine Wolter 15.05.2014
Tobias Morchner 16.05.2014
Rüdiger Meise 14.05.2014