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West Bezirksrat richtet Roma-Beratungsstelle ein
Hannover Aus den Stadtteilen West Bezirksrat richtet Roma-Beratungsstelle ein
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14:12 10.10.2013
Von Conrad von Meding
„Menschen leben auf engstem Raum zusammen, es gibt Krankheiten, vor allem die Kinder leiden“: Caritasverbandsvorstand Schubert will den Roma in Hannover helfen.
„Menschen leben auf engstem Raum zusammen, es gibt Krankheiten, vor allem die Kinder leiden“: Caritasverbandsvorstand Schubert will den Roma in Hannover helfen.
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Calenberger Neustadt

Weil die Stadt kurzfristig kein Geld zur Verfügung stellt, hat der Bezirksrat Mitte jetzt eine Anschubfinanzierung für eine Art Elterncafé beschlossen. Die katholische Familienbildungsstätte (FaBi) und der Caritasverband wollen sich zunächst um den Betrieb kümmern. Alle Beteiligten hoffen aber, dass die Stadt sich in Kürze an dem Hilfsprojekt beteiligt. „Wir erleben größte menschliche Not“, sagte Andreas Schubert vom Caritasverband in der Bezirksratssitzung.

Durch die EU-weite Freizügigkeit sind auch Großfamilien aus Südosteuropa nach Hannover gekommen, die vor Armut und Vertreibung fliehen. Formal ist keine öffentliche Stelle für sie zuständig – wer in Europa reist, ist in der Regel entweder Tourist oder arbeitssuchend. Diese Familien aber, die zumeist den Volksgruppen von Sinti oder Roma angehören, fallen durch das Raster. Das Problem war jüngst öffentlich geworden, weil ein Haus in der Goethestraße geräumt worden war und die Stadt die Familien in einer Turnhalle unterbringen musste. In zahlreichen anderen Häusern soll es aber nicht viel besser aussehen. „Menschen leben auf engstem Raum zusammen, es gibt Krankheiten, vor allem die Kinder leiden“, sagt Caritasverbandsvorstand Schubert. Es gehe jetzt um akute Krisenhilfe, aber langfristig auch um gesellschaftliche Integration.

Der Bezirksrat hatte vor Monatsfrist fraktionsübergreifend einer rot-grünen Forderung zugestimmt, dass die Stadt in der Calenberger Neustadt einen Elterntreff mit Schwerpunkt für diese Familien einrichten solle. Dass die Verwaltung das jetzt abgelehnt hat, löste in der jüngsten Sitzung Empörung aus. Allerdings hatte der Bezirksrat mit „Elterntreff“ offenbar den falschen Begriff gewählt. Solche Treffs existieren zweimal in der Stadt, sie werden vom Land gefördert. Die Stadt sehe sich nicht in der Lage, diese kurzfristig in der Calenberger Neutadt einzurichten, erklärte Stadtsprecherin Konstanze Kalmus gestern. Der Bezirksrat hat nun aber den zuständigen Sozialdezernenten Thomas Walter zum Gespräch eingeladen, um das weitere Prozedere zu klären.

Um die Hilfe jetzt in Gang zu bringen, hat das Gremium 5000 Euro zur Anschubfinanzierung aus seinem Budget bereitgestellt. Mit dem Geld soll die Miete für die ehemaligen Räume des Straßenmagazins „Asphalt“ in der Calenberger Straße bezahlt werden. Die FaBi wolle als Trägerin des Treffs fungieren, sagte Leiterin Anne Korte-Polier zu. Stiftungen sind wegen der Einrichtung angefragt worden. Grünen-Politikerin Freya Markowis berichtete, dass sich Ehrenamtliche an dem Projekt beteiligen wollten. Caritasverbandschef Schubert allerdings dringt auf klare Aussagen der Stadt: „Projekt und Planung liegen auf dem Tisch – alle Beteiligten brauchen jetzt Verbindlichkeit.“

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