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West Flüchtlinge nicht überall willkommen
Hannover Aus den Stadtteilen West Flüchtlinge nicht überall willkommen
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10:00 05.12.2014
Etwas Abwechslung im Zuhause auf Zeit: Junge Männer aus Eritrea und dem Sudan spielen vor der Flüchtlingsunterkunft im alten Ahlemer Schulgebäude Fußball. Quelle: Moers
Hannover

Der Saal im Ahlemer Bürgergemeinschaftshaus war bis auf den letzten Platz besetzt. Sogar auf dem Flur saßen mehrere der rund 50 Zuhörer, die zur jüngsten Sitzung des Bezirksrats Ahlem-Badenstedt-Davenstedt gekommen waren. Das Interesse hatte einen Grund: Auf der Tagesordnung standen die beiden Flüchtlingsunterkünfte, die derzeit in Ahlem entstehen oder geplant sind. Zum einen stellte ein Vertreter der Stadt die weiteren Pläne für die Unterbringung von bis zu 200 Flüchtlingen im früheren Schulzentrum vor. Zum anderen machte der Bezirksrat den Weg frei für einen künftigen Wohnheimneubau an der Straße Am Bahndamm mit 50 Plätzen. Und dort, am Ortsrand, formiert sich bereits Widerstand gegen die geplante Unterkunft - während in das verlassene Schulzentrum auf dem Ahlemer Holz das Leben zurückkehrt.

Die Szenerie vor dem Siebziger-Jahre-Bau erinnert wieder an den Betrieb auf einem Schulhof. Junge Männer kicken einen Fußball über den Platz vor der gelben Eingangstür. Drinnen hört man das Klackern von Tischtennisbällen. Die meisten der 49 Flüchtlinge, die bereits in dem Schulgebäude untergekommen sind, stammen aus Eritrea und dem Sudan. In der Notunterkunft hat die Stadt vor zwei Wochen vorwiegend junge Männer aus afrikanischen Staaten einquartiert. Zurzeit wird der Komplex umgebaut, um noch mehr Menschen ein vorübergehendes Zuhause bieten zu können. Eigentlich sollte das Gebäude abgerissen werden, weil dort ein Wohngebiet geplant ist.

„Das Schulzentrum soll nicht langfristig ein Wohnheim bleiben“, erläuterte Marc Schalow, städtischer Bereichsleiter Stadterneuerung und Wohnen, dem Bezirksrat das Sofortprogramm zur Unterbringung von Flüchtlingen. Binnen sechs Monaten sollen in Hannover 1000 neue Unterkunftsplätze entstehen. Für das Schulzentrum wurden 200 als Maximum festgelegt. „Das ist eine Grenze, um sicherzustellen, dass es dort menschenwürdig und geordnet abläuft.“

„Es ist okay hier, wie in einem Camp eben“, sagt ein junger Mann aus dem Sudan etwas schüchtern. Man spürt vor Ort die Ausnahmesituation, in der sich alle befinden - die Bewohner, die Mitarbeiter des Roten Kreuzes und der Angestellte einer Sicherheitsfirma, der im Eingangsbereich eine Liste über die Besucher führt. Im „Raum 14“, einer improvisierten Zentrale, bemühen sich sechs Sozialarbeiter, die Unterkunft einzurichten. In Kooperation mit dem Katastrophenschutz wurden Duschen aufgestellt und eine Küche eingebaut.

„Aktuell gibt es noch zu wenig Duschen für zu viele Menschen“, erklärte Schalow im Bezirksrat. In den kommenden Tagen sollen weitere Waschcontainer aufgestellt werden. Ein Sprecher der Ahlemer Ortsgruppe des Roten Kreuzes rief in der Sitzung zu Spenden auf. Benötigt werden auch ehrenamtliche Helfer, etwa Lehrkräfte für den Deutschunterricht. Bezirksbürgermeisterin Brigitte Schlienkamp (SPD) bedankte sich bei allen Bürgern, die bereits Spenden abgegeben haben oder sich engagieren.

An anderer Stelle im Stadtteil gibt es dagegen Vorbehalte gegen ein geplantes Flüchtlingswohnheim in der Nachbarschaft. „Ich habe Kinder und Familie und muss auf deren Sicherheit achten“, sagte Anwohner Bayram Silay. Er und seine Nachbarn kritisieren die städtischen Pläne, eine Unterkunft in ihr Wohngebiet Am Bahndamm zu bauen. Vorgesehen ist, ein Gebäude für 50 Personen zu errichten, das langfristig als Obdachlosenheim genutzt werden soll. Mit einer Änderung des Bebauungsplans billigte der Bezirksrat die Bebauung des 2300 Quadratmeter großen Grundstücks an der Ecke Ziegelstraße. Dort befinden sich sechs Kleingärten, die weichen müssten. Das Areal am Ortsrand wurde im vergangenen Jahr in die Liste möglicher Wohnheimstandorte aufgenommen. Wann und wie der Neubau realisiert wird, ist noch offen.

„Nichts gegen die Flüchtlinge, aber sind 200 für einen Stadtteil wie Ahlem nicht genug?“, wandte sich Anlieger Klaus Henze an den Bezirksrat. Stadtvertreter Schalow entgegnete, dass in einigen Stadtbezirken mehr als 250 Flüchtlinge untergebracht seien. „Wir versuchen, das zu steuern“, erklärte er. „Sollten hier später Obdachlose untergebracht werden, kann das ein deutlicher Einschnitt in unsere Lebensqualität bedeuten“, kritisierte Anwohner Stefan Hoops. Er hatte Anfang 2013 in direkter Nachbarschaft gebaut. Nun sorgt er sich um den Wert seines Eigentums. „Das ist ein Griff in mein Portemonnaie, die Grundstückswerte werden sinken.“

Bezirksbürgermeisterin Schlienkamp hatte mitunter Probleme, die Bürger zu beruhigen. Rainer Göbel, Chef der SPD-Fraktion, kritisierte manche Wortbeiträge als latent fremdenfeindlich. Das erboste Hoops: „Wir sind nicht gegen die Flüchtlinge. Uns geht es um konkrete Fragen, und dabei fühlen uns nicht ernst genommen.“ Laut wurde es, als der parteilose Kai Orak ausführte, warum er sich als einziges Bezirksratsmitglied bei der Änderung des Bebauungsplans enthalten hatte: „Es müsste zuerst abgeschoben werden, dann wäre genügend Platz da.“ Dafür erntete er scharfe Kritik von SPD, Grünen und dem Vertreter der Linkspartei.

Schlienkamp kündigte für Anfang November eine Informationsveranstaltung zu dem Wohnheimbau Am Bahndamm an. „Wir arbeiten außerdem daran, im Stadtteil eine Willkommenskultur ins Leben zu rufen“, sagte sie. Die Termine sollen bald bekanntgegeben werden.

Spenden für die Flüchtlinge im Schulzentrum nimmt das Rote Kreuz entgegen; um einen Anruf unter 3 67 12 66 wird gebeten. Besonderen Bedarf gibt es an Männerschuhen und Winterkleidung. Auch ausrangierte Fahrräder oder Fernseher werden benötigt.

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