Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
West Frei.Wild wird auf Jugendgefährdung geprüft
Hannover Aus den Stadtteilen West Frei.Wild wird auf Jugendgefährdung geprüft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:46 25.11.2013
Foto: Sorgen immer wieder für Proteste: Die Musiker der südtiroler Rockband Frei.Wild.
Proteste gegen die Musiker der südtiroler Rockband Frei.Wild gibt es immer wieder, so wie im April 2013 in Aurich. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Seit langem wird der Südtiroler Deutsch-Rockband Frei.Wild vorgeworfen, mit ihren Songs völkisches und nationalistisches Gedankengut zu bedienen. Die Band weist das von sich. Jetzt lässt Thüringens Sozialministerin Heike Taubert (SPD) Songtexte der umstrittenen Deutsch-Rockband durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) überprüfen.

Anlass ist die Anfrage des Journalisten Thomas Kuban, der den Südtirolern vorwirft, in ihren Texten Hass zu verbreiten und Gewalt zu verherrlichen, wie Tauberts Sprecher Uwe Büchner sagte. Eine Bewertung der Texte durch das Ministerium sei in dem Prüfantrag aber nicht zu sehen. Frei.Wild-Sänger Philipp Burger wies die Vorwürfe als haltlos zurück.

Kuban, der seit Jahren unter diesem Pseudonym aus der rechten Szene berichtet, hat bundesweit Behörden wegen einer möglichen Jugendgefährdung durch die Band aus Brixen angefragt. Nach seinen Angaben prüfen auch das baden-württembergische Sozialministerium und die Landesjugendbehörden in Bremen, ob sie bei der Bonner Prüfstelle Indizierungsanträge stellen.

In seinen Schreiben hatte Kuban sieben Songs von Frei.Wild exemplarisch aufgeführt und analysiert, unter anderem Texte wie "Jetzt liegst du am Boden, liegst in deinem Blut. Das Blut auf meinen Fäusten, ich find das steht mir gut" aus dem Lied "Rache muss sein". Kuban kritisiert, dass die Musik schon für Kinder freigegeben sei, obwohl die Frei.Wild-Mitglieder "in ihren Liedern unter anderem Hass auf Andersdenkende verbreiten, Gewalt verherrlichen, mit geschichtsrevisionistischen Anspielungen arbeiten und antisemitische Stereotype bedienen."

Frei.Wild-Sänger: "Ein Dreckslied"

"Alle Tonträger wurden ja schon von Gutachtern überprüft und als bedenkenlos eingestuft", weist Leadsänger Burger die Anschuldigungen zurück. Zugleich gestand er Fehler bei dem Song "Rache muss sein" ein. "Ich muss sagen, der Song ist aus heutiger Sicht ein Dreckslied, mit dem wir uns überhaupt nicht mehr identifizieren wollen." Burger bekennt sich zu seiner Vergangenheit als Skinhead, die er heute als Fehler bezeichnet. Bei Konzerten werde darauf geachtet, dass keine Neonazis im Publikum sind, sagte Burger.

Wegen der angeblichen Rechtslastigkeit war die Band im März von der Echo-Nominierungsliste gestrichen worden. Zuvor hatten die Gruppe Kraftklub aus Chemnitz und die Berliner Elektro-Popgruppe MIA ihre Teilnahme an der Musikpreis-Gala aus Protest abgesagt. Auch die Band Die Ärzte protestierte.

Neuer Gegenwind auch aus Hannover

In Hannover will die Band am 29. November im Capitol auftreten, und auch von dort erhalten die Musiker Gegenwind. Der Vorsitzende des Grünen-Stadtverbandes, Tobias Leverenz, hat die Resolution des Bezirksrats Linden-Limmer gegen das Konzert der Band begrüßt. Frank Pharao, Chef der Linken in Linden-Limmer, fordert Oberbürgermeister Stefan Schostok darüber hinaus auf, sich für eine Konzertabsage einzusetzen. Gleiches gelte für den Auftritt des früheren Frontmanns der Band Böse Onkelz, Kevin Russel, am 6. Dezember in der Swiss Life Hall.

Mit dem Auftritt von Frei.Wild befasst sich zudem eine Podiumsveranstaltung am Dienstag, 26. November, in der Faust-Warenannahme, Zur Bettfedernfabrik 1. Unter dem Motto „Gefährlicher Rechtsrock? Das wird man ja wohl noch singen dürfen!“ diskutieren dort ab 19 Uhr Michael Weiß vom Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin (APABIZ) und Kalle Emter von der Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt Braunschweig (ARUG). Den Abend moderiert Daniel Gardemin, Sprecher der grünen Stadtteilgruppe Linden-Limmer.

dpa/rah

Mehr zum Thema

Das geplante Konzert der umstrittenen Band „Frei.Wild“ im Capitol wird nun auch vom Bezirksrat Linden-Limmer verurteilt. „Frei.Wild“ schüre in ihren Texten Vorurteile gegenüber Andersdenkenden und betreibe Geschichtsrevisionismus, heißt es in einer Resolution.

Rüdiger Meise 25.11.2013

Der Widerstand gegen den Auftritt der Rockband Frei.Wild im Capitol wächst. Unter dem Motto „Gegen Nationalismus und völkische Ideologie“ haben Gegner der Gruppe, die wegen ihrer Texte in rechtsradikalen Kreisen beliebt ist, für das Konzert am 29. November eine Kundgebung angemeldet.

Tobias Morchner 15.11.2013

Die Grünen aus Linden kritisieren den Auftritt von Frei.Wild im Capitol. Bei der Echo-Verleihung im März zog der Ausrichter kurz vor der Gala die Nominierung der südtiroler Rocker zurück, weil andere Künstler dagegen protestiert hatten.

25.10.2013
Christian Link 24.11.2013
West Calenberger Neustadt - Der Tod zu Gast im Atelier
25.11.2013