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West Gemeinde reist 3000 Kilometer durch Iran
Hannover Aus den Stadtteilen West Gemeinde reist 3000 Kilometer durch Iran
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02:15 07.06.2014
Von Anne Grüneberg
Viele Sehenswürdigkeiten haben die Mitglieder der Johannes-der-Täufer-Gemeinde aus Wettbergen bei ihrer Reise gesehen. Quelle: r
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Hannover

Bevor er da war, hat sich Bezirksbürgermeister Andreas Markurth den Iran in etwa so vorgestellt: Ein totalitär geführter Staat, in dem es die Todesstrafe gibt und überall strenggläubige Mullahs zum Gebet rufen. Trotzdem hat er sich entschlossen, die zehntägige Kulturreise anzutreten, die der Wettberger Pastor Friedhelm Harms für eine Gruppe von insgesamt 25 Teilnehmern organisiert hat. Und er wurde positiv überrascht: „Wenn man vor Ort ist, erlebt man eine junge, gebildete Gesellschaft, die sehr offen und sprachgewandt ist“, sagt Markurth. Trotz aller gesellschaftlicher Beschränkungen habe er sehr lebensfrohe Menschen erlebt.

Rund 3000 Kilometer ist die Gruppe mit dem Bus durch den Iran gereist und hat dabei Wüste und fruchtbare Ebenen, Gebirgszüge und Großstädte gesehen. „Teheran ist ein Moloch, eine Blechwüste“, sagt Harms über die iranische Hauptstadt. Das Verkehrsaufkommen sei für uns Deutsche unfassbar. „Bei uns würde es ein Hupkonzert geben, in Teheran gibt es das nicht, trotz des vielen Verkehrs fügt sich alles organisch ineinander“, ergänzt Bezirksbürgermeister Markurth.

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Er ist das erste Mal bei einer Reise der Wettberger Gemeinde mitgefahren. Schon seit rund 30 Jahren organisiert der Pastor der Johannes-der-Täufer-Gemeinde die Fahrten zu ganz unterschiedlichen Zielen: im vergangenen Jahr ging es nach Usbekistan, davor nach Syrien - aber auch New York und Israel standen schon auf dem Programm. Mitfahren kann jeder, der mag - natürlich auf eigene Kosten. „Die letzte Reise haben wir in Zusammenarbeit mit einem iranischen Reisebüro geplant“, sagt Harms. Es habe besondere Vorsichtsmaßnahmen gegeben. „Die Sicherheitskräfte haben zu jedem Zeitpunkt gewusst, wo der Bus langfährt“, so der Pastor.

Bedenken hatten die Teilnehmer trotzdem: „Ich habe mich vorher tatsächlich gefragt, ob zwei Männer zusammen in einem Doppelzimmer schlafen dürfen“, sagt Harms. Und Bezirksbürgermeister Markurth war unsicher, ob man einfach so alles fotografieren dürfe. Beides war letztendlich kein Problem. „Wir durften sogar in den Moscheen Fotos machen“, sagt Markurth. An eine Regel mussten sich aber zumindest die Frauen der Gruppe halten: Im Iran wird Kopftuch getragen. „Das legen die Iranerinnen selbst aber manchmal großzügig aus, da beginnt das Kopftuch dann erst weit hinter dem Haaransatz“, berichtet Harms.

Eine kopftuchfreie Zone gab es nur in der evangelischen Gemeinde in Teheran. Dort wurde die Gruppe aus Deutschland von der Pfarrerin Almut Birkenstock-Koll empfangen. Zusammen mit ihrem Mann Pfarrer Ingo Koll betreut sie die deutschsprachige Gemeinde im Iran. Bevor das Ehepaar vor fünf Jahren in den Iran ging, war es im nördlichen Niedersachsen zuhause. Der Besuch aus Hannover war also quasi ein Heimspiel.

Die Reisegruppe aus Wettbergen lädt am 3. Juli zu der Fotoshow „Iran - islamischer Staat, jahrtausendealte Kultur“ ein. Beginn ist um 19 Uhr in der Katakombe der Wettberger Gemeinde, An der Kirche 23. Der Eintritt ist frei. Anmeldung unter Telefon 43 44 60.

06.06.2014
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