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West Der doppelte Geburtstag
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10:17 05.12.2014
Von Gabriele Schulte
„Ich habe offensichtlich gute Gene“: Günter Lomberg ist dankbar, dass er trotz seiner Erkrankung das Leben genießen kann. Quelle: Emine Akbaba
Linden-Mitte

Der frühere Textilkaufmann aus Linden-Mitte ist ein sogenannter Langzeitüberlebender. Vor 25 Jahren wurde bei ihm das HI-Virus festgestellt. Jetzt feiert das Vorstandsmitglied der Lazaruslegion in guter gesundheitlicher Verfassung seinen 70. Geburtstag - und Lomberg ist so dankbar dafür, dass er zu einer öffentlichen Andacht einlädt. Vermutlich, meint er, habe auch seine lebensbejahende Einstellung dazu beigetragen, dass es so kommen konnte.

Nicht zuletzt hat Lomberg sein langes Überleben dem Umstand zu verdanken, dass im Laufe der Zeit immer bessere Medikamente gegen das eigentlich tödliche HI-Virus entwickelt wurden. „Da stehen die Namen von Freunden, die an Aids gestorben sind“, sagt er und zeigt im Versammlungsraum der christlichen Aids-Beratungsstelle Lazaruslegion an der Podbielskistraße auf „Karin“, „Mike“ und die vielen anderen Namen auf einem Wandteppich.

Dann erzählt der 69-Jährige sehr offen seine eigene Geschichte. Wie er sich vor 25 Jahren bei einem langjährigen Sexualpartner ansteckte, der sich das Virus bei einem nicht gebeichteten Seitensprung geholt hatte. Gleich nachdem die Infektion des Freundes bekannt wurde, ließ Lomberg sich testen. Doch trotz des Ergebnisses „HIV-positiv“ konnte er jahrelang beschwerdefrei ohne Medikamente leben - und ersparte sich damit die oft heftigen Nebenwirkungen der Tabletten. Neun Jahre nach der Ansteckung allerdings traf die Immunschwäche den Filialleiter eines Herrenausstatters in der Innenstadt dann so lebensbedrohlich, dass er ein halbes Jahr stationär in der Medizinischen Hochschule behandelt werden musste und anschließend vorzeitig verrentet wurde.

„Meine frühere Chefin sagte vor Kurzem zu mir, es sei ein Wunder, dass ich noch lebe“, erzählt Lomberg. Es hat ihn gefreut. Er weiß, dass andere mit einer weniger guten Konstitution trotz der verbesserten Behandlungsmöglichkeiten viel mehr zu leiden haben. Doch zwischendurch wird auch er immer wieder an sein geschwächtes Immunsystem erinnert. „Da denke ich lange, bei mir ist alles toll“, sagt der 69-Jährige. Doch dann erschrecke ihn plötzlich eine ungewohnte Reaktion seines Körpers - wie in diesem Jahr eine sehr langwierige Durchfallerkrankung.

Schon als die Infektion bekannt wurde, habe er viel Zuspruch bekommen. Sowohl seine Mutter als auch seine beiden Lebenspartner hätten ihn stets unterstützt. „Seit 36 Jahren bin ich mit Fritz zusammen, seit 30 Jahren mit Jürgen“, sagt Lomberg, der allein in einer kleinen Wohnung hoch oben im Ihme-Zentrum lebt. Seine „beiden Männer“ seien nicht HIV-positiv und könnten sich bei ihm als nicht aidskrankem Langzeitinfizierten nun auch nicht mehr anstecken, erklärt er. Von der Dreierbeziehung berichtet der zierliche Mann ebenso selbstverständlich und in ruhigen Worten wie von seiner Krankheit.

Lomberg will sich nicht verstecken. Um gegen Klischees anzugehen, zeigt er Gesicht: 2011 ein halbes Jahr lang großformatig auf einer hannoverschen Stadtbahn - sein Bild war Teil einer Aids-Präventionskampagne. Im kommenden Jahr wird er auf einem Wandkalender des von ihm mitgegründeten Netzwerks Pro+Positiv in Niedersachsen zu sehen sein. „Mit HIV fit bleiben“ steht unter dem Foto, das ihn beim regelmäßigen Fitnesstraining zeigt. Zugleich hat Lomberg Verständnis für alle, die sich nicht so mutig bekennen. Immer noch hafte HIV-Infizierten das Vorurteil an, wegen homosexueller Praktiken oder Drogenabhängigkeit selbst Schuld zu sein. Dabei seien auch „ganz normale Familienväter“ vor dem Risiko nicht gefeit. Trotzdem müsse natürlich jede Möglichkeit genutzt werden, sich zu schützen, etwa mit Kondomen. Im Rahmen seiner Ehrenämter bemüht sich Lomberg um Aufklärung. Er engagiert sich beim Besuchsdienst für HIV-Infizierte in der MHH, beim Regenbogencafé in der dortigen Ambulanz, bei der Schulung von angehenden Alten- und Krankenpflegern und als Vize-Vorsitzender der Lazaruslegion, mit der ihn sein christlicher Glaube verbindet.

Besonders erschreckend findet Lomberg, dass selbst medizinisches Fachpersonal sich aus unbegründeter Ansteckungsangst bis heute oft weigere, HIV-Infizierte überhaupt zu behandeln. Doch sein Humor scheint auch hier wieder durch: „Da kriege ich Stehhaare“, sagt er. Und streicht sich schmunzelnd über die Halbglatze.

HIV im Alter

Am Sonnabend, 8. November, lädt Günter Lomberg ab 15 Uhr zur Taizé-Andacht in die Altkatholische Gemeinde, Brabeckstraße 24, in Kirchrode ein. Zudem wird Aids-Seelsorger Pastor Ernst-Friedrich Heider über „HIV im Alter“ sprechen. Besucher sind auch zum Empfang mit Imbiss eingeladen. Statt Geschenken ist eine Spende für eine Ferienfreizeit der Lazaruslegion für mittellose Infizierte erbeten, Konto DE05 5206 0410 0500 6168 18 bei der EKK Kassel.

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