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West Hannover erhält ein Bunkermuseum
Hannover Aus den Stadtteilen West Hannover erhält ein Bunkermuseum
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20:30 08.01.2013
Der Ricklinger Bunker verfügt über hydraulische Schleusen. Vereinssprecher Lars Knauer kann sie bedienen. Quelle: Vorbei e.V.
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Ricklingen

In den drei Sanitätsräumen könnten sofort die Notoperationen beginnen. Fließendes Wasser, Sauerstoff, Strom – alles ist da. Auch das Zentrallager ist gut gefüllt: Von Toilettenpapier bis Wärmflaschen, von Wolldecken bis Abfalltüten sind genug Vorräte vorhanden, um im Katastrophenfall 2400 Menschen bis zu 14 Tage lang autark zu versorgen. Und das bleibt auch so. Hannovers letzter voll ausgestatteter Luftschutzbunker wird zum Museum. Der gemeinnützige Verein Vorbei e. V. hat für das Bauwerk in der Ricklinger Torstenssonstraße einen unbefristeten Nutzungsvertrag von der Stadt erhalten.

„Wir werden alles in ehrenamtlicher Arbeit herrichten und öffentlich zugänglich machen“, verspricht Vereinssprecher Lars Knauer. So bald wie möglich soll es dann Führungen geben – nach Anmeldung oder an Wochenenden. Wann der Publikumsbetrieb startet, ist noch unklar. Bis Jahresende wird es aber wohl dauern, sagt Knauer. „Wir machen ja alles in der Freizeit.“

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Seit die sogenannte Zivilschutzbindung für Hannovers Bunker ausläuft, weil keine akute Kriegsgefahr mehr besteht, werden immer mehr der monströsen Bauwerke neu genutzt. Zuletzt war es der Bunker Am Listholze, den der Bund verkauft hat. Jetzt verfügt er über ein schickes Penthouse und große Fensteröffnungen. Auch der  Bunker in der Kleefelder Brentano-straße ist an einen Privatmann verkauft. Umbaupläne gibt es ebenfalls für die Bunker im Heideviertel und in der Ricklinger Straße, dort haben sich die Investoren aber noch nicht entschieden. Auch die Stadt, der mehrere Bunker gehören, trennt sich von den Schutzräumen. Am Klagesmarkt soll in Kürze der Abriss des unterirdischen Großbunkers starten, der am Herrenhäuser Markt ist schon leer geräumt. In etlichen anderen proben Musikkapellen oder werkeln Künstler.

Der mit seinem Inventar (außer den Lebensmittelvorräten, die waren schlecht geworden) erhaltene Ricklinger Bunker ist jetzt ein Unikum. Besucher sollen ihn bald über eine der sechs Zugangsschleusen mit den schweren, hydraulischen Türen betreten können. Zwei zwölfzylindrige Dieselmotoren liefern Strom, sie werden von einer 65 000 Liter großen Tankanlage gespeist. Zwei Wasservorratstanks mit zusammen 18 000 Litern Fassungsvermögen stehen bereit, eine mehrstufige Luftfilteranlage ist installiert, die Küche mit Tellern, Tassen und Besteck ist für große Menschenmengen ausgestattet, in den Räumen warten Betten und Stühle auf Gäste. „Der Bunker ist in den sechziger Jahren komplett modernisiert worden und seitdem erhalten“, freut sich Knauer.

Der etwa 20-köpfige Verein, der sich dem Erhalt historischer Bauwerke verschrieben hat, erstattet der Stadt alle Betriebskosten. Er kann  Erfahrung mit derartigen Projekten vorweisen. 2007 restaurierten die Aktivisten im Springer Ortsteil Lüdersen eine der bundesweit nur 32 vorhandenen, ehemals streng geheimen Fernmeldeanlagen der Bundeswehr und machten das technische Denkmal der Öffentlichkeit zugänglich. Zwar verkaufte der Bund die Immobilie nach gut einem Jahr, inzwischen hat Vorbei e. V. aber eine identische Anlage bei Cuxhaven als Museum hergerichtet – vor wenigen Wochen wurde sie mit der Denkmalplakette des dortigen Landkreises ausgezeichnet. Jetzt wollen die Vereinsmitglieder, alles Handwerker und Technikinteressierte, in Ricklingen Hand anlegen.

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