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West Hannovers jüngste Hundertjährige
Hannover Aus den Stadtteilen West Hannovers jüngste Hundertjährige
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07:35 13.02.2014
Dreimal Marie Gey: Das Bild oben zeigt sie im Alter von 100 Jahren. Quelle: Moers
Ahlem

Dabei steckte die Moderne selbst noch in den Kinderschuhen, als sie geboren wurde. In dieser Woche feiert die Ahlemerin ihren einhundertsten Geburtstag. Und ist dabei wahrscheinlich die fitteste Hannoveranerin ihrer Altersklasse. Im Rückblick auf ihr langes Leben wird klar, dass vor allem die schweren Zeiten aus ihr eine moderne, selbstständige Frau gemacht haben.

Als Marie Gey (geborene Riechers) 1914 auf die Welt kam, regierte in Deutschland noch Kaiser Wilhelm II, und der erste Weltkrieg hatte noch nicht begonnen. Ihr Geburtshaus im Geveker Kamp befand sich mitten in dem 600 Einwohner großen Bauerndorf, das Ahlem damals war. Marie kam als zweitjüngstes von acht Geschwistern zur Welt. Ihr Vater war bei der benachbarten Conti als Werkmeister angestellt. „Er hat das rote Gummi erfunden, das man früher als Schwamm zum Waschen benutzte und das man heute noch bei der Post in den Briefmarkenbefeuchtern findet“, sagt sie. Die gute Anstellung des Vaters sicherte der Familie einen recht ordentlichen Lebensstandard. „Wir hatten damals Hausmädchen, modische Kleidung und mein Vater kaufte immer die neueste Technik“, so Gey.

Sie erinnert sich noch gut daran, wie sie das erste Mal mit der großen Schwester zur Schule ins Alte Dorf nach Limmer aufbrach. Die Mutter hatte sie in ein feines Sonntagskleid gesteckt und ihre große Schwester nahm sie an die Hand. Auf dem Weg begegneten den Mädchen Pferdekutschen - Autos waren noch extrem selten. In der Schule gab es nur einen Klassenraum, in dem alle Schüler zugleich unterrichtet wurden. Für die kleine Marie war - wie typisch in der Kaiserzeit - keine berufliche Karriere vorgesehen. Als einer ihrer Brüder in Linden eine Bäckerei übernahm, fragte der ihre Eltern: „Kann Mariechen nicht als Verkäuferin anfangen?“ 20 Pfennig hat sie damals verdient.

An ihre Kindheit und Jugend denkt sie gerne zurück. In einem abgegriffenen braunen Fotoalbum zeigt sie Fotos beim Baden im Fössebad oder mit den Nachbarskindern auf der Straße. An Sonntagen ging sie gerne tanzen. Zum Beispiel auf den Bergterrassen am Benther Berg. Sie kann die Schlager von damals noch heute mitsingen: „Da küsste ich Marie, Marie ...“. Erst vor zwei Monaten schwang sie mit 99 Jahren bei einer Rhein-Mosel-Schiffsfahrt noch einmal das Tanzbein. Der Kapitän hatte sie aufgefordert.

Beim Tanz hat sie damals auch ihren späteren Ehemann Paul Gey getroffen, den sie mit 19 Jahren heiratete. Der war in jungen Jahren Boxer im Verein Sparta Linden. Fotos im Familienalbum zeigen ihn neben Bildern des späteren Deutschen Meisters Johann „Rukeli“ Trollmann, der 1944 im KZ Wittenberge ermordet wurde.

1943 änderte sich Marie Geys Leben drastisch. Als der Krieg näher rückte, wurde sie mit ihren zwei Söhnen aus Ahlem evakuiert. Im Krieg verlor sie drei Brüder. „Wir waren am Boden zerstört“, erinnert sie sich an die späten Kriegsjahre. In den zwei Jahren, in denen sie im ländlichen Bodenfelde bei Northeim ihre Kinder allein erziehen musste, habe sie sich zu einer selbstbewussten Frau entwickelt, sagt sie. Nach dem Krieg zog die Familie wieder nach Ahlem. Marie Gey zog die Söhne groß und arbeitete unter anderem als Filialleiterin einer Stichweh-Wäscherei in der Richard-Lattorf Straße. „Nach dem Krieg war ich eine andere Frau“, sagt sie, „auch mein Mann musste damals lernen, dass mein Ja- und Amen-sagen vorbei war.“

Nach dem Tod ihres Mannes 1988 suchte sie neuen Anschluss, wurde mit über 70 Jahren Mitglied im Sportverein, unternahm Reisen und kümmerte sich um drei Enkel und zwei Urenkel. „Das rate ich jedem, “ sagt sie. Auch mit hundert Jahren geht sie noch regelmäßig zur Sitzgymnastik. In der Sportvereinigung Ahlem ist sie Ehrenmitglied.

Marie Gey wirkt, als sei sie nicht 100, sondern vielleicht 80 Jahre alt. Unterstützt durch die Familie, führt sie den Haushalt in ihrer Wohnung noch weitestgehend allein. Manchmal wundert sich sich, wie sie so alt werden konnte. „Irgendwie bin ich immer mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt sie lächelnd. Ihr Rezept für ein langes Leben ist einfach. „Gesellig sein, für Abwechslung sorgen und nicht immer alles so schwarz sehen“, sagt sie selbstbewusst. Besondere Ernährung sei im Übrigen nicht notwendig: „Ich esse alles, was vorkommt.“

Mit einem Hubschrauber hat die Polizei am Sonntagabend in Linden-Mitte nach einem Räuber gesucht. Der Mann hatte zuvor einen Kiosk an der Badenstedter Straße überfallen. Trotz der Fahndung aus der Luft flüchtete er unerkannt.

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