Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
West Kleine Banden bevölkern den Schulhof
Hannover Aus den Stadtteilen West Kleine Banden bevölkern den Schulhof
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:05 05.12.2014
Von Juliane Kaune
Echte Abenteurer: Leonie, ihr Bruder Luca und Elwin (v. r.) haben „ihren“ Bauwagen in Beschlag genommen. Quelle: Kaune
Hannover

Auf dem Schulhof der Grundschule Kastanienhof ist viel los. Kinder spielen Fußball und Fangen, sie klettern und schaukeln oder düsen mit Dreirädern umher. Und inmitten des grünen, hügeligen Geländes gibt es seit Kurzem noch eine weitere Attraktion: Mehrere Bauwagen laden dort zum Spielen ein - sie sind das Zentrum des neuen Ganztagsprogramms der Grundschule in Limmer. Seit Beginn des Schuljahres ist der Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) Partner des Schulprojekts. Mit drei halben Erzieherstellen und einer Verwaltungsstelle gestalten die Pfadfinder die Nachmittagsbetreuung an der offenen Ganztagsschule.

Einer der Bauwagen ist bereits kunterbunt bemalt. Die drei anderen sind noch schlicht weiß. Das werde sich bald ändern, kündigt Sebastian Dymala an. Er ist der Koordinator des Projekts, das der VCP gemeinsam mit der Schulleitung und dem Hort der Schule erarbeitet hat. Die Kinder dürfen die Wagen, in denen ein großer Teil des Nachmittagsangebot läuft, demnächst selbst mit Pinsel und Farbe verschönern - und sie so unverwechselbar machen.

Von den 166 Kastanienhofschülern nehmen im Schnitt täglich bereits 64 an dem neuen Nachmittagsprogramm teil. Etwa die Hälfte sind Erstklässler, die anderen sind Zweit- bis Viertklässler. „Uns war es wichtig, die Gruppen altersübergreifend zu gestalten“, sagt Dymala. „So lernen die Älteren, Verantwortung zu übernehmen - und die Jüngeren lernen, sich Hilfe zu holen, wenn sie etwas noch nicht auf Anhieb können.“ In dem Projekt werden die Kinder in vier Gruppen eingeteilt. So sollen sie ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln. „Wie in einer kleinen Familie“, sagt Dymala.

Jede „Bande“ hat einen eigenen Namen und ein Symbol

Die Gruppen heißen beim VCP „Banden“. Das klingt so richtig nach Abenteuer. Jede „Bande“ hat einen eigenen Namen und ein Symbol. Und natürlich einen eigenen Bauwagen. Darin bieten die Betreuer Bastel- und Malutensilien, Lesematerial, Werkzeug und Spielsachen, Springseile, Federballschläger oder Bälle an. „Je nach Wetterlage können die Kinder auch auf dem Schulhof spielen, oder es werden Aktionen in der Natur geplant“, erklärt Dymala. „Die Pfadfinderpraxis, die wir ihnen nahebringen möchten, findet ja nun mal überwiegend draußen statt.“ Weil die Witterung im Herbst und Winter das aber nicht immer zulässt, gibt es die Rückzugsmöglichkeiten in den Bauwagen.

Darin haben es sich einige Kinder bereits gemütlich gemacht. In den bunt eingerichteten Räumen sitzen sie auf Bänken, basteln und malen oder sind mit Gesellschaftsspielen beschäftigt. „Ich baue so gerne Türme“, schwärmt der neunjährige Elwin. Außerdem tobe er gern herum. „Am liebsten quatsche ich mit meinen Freundinnen und Freunden“, verrät die zehnjährige Leonie - was sie in ihrem Bauwagen auch ausgiebig tut. Andere „Bandenmitglieder“ klettern gern oder mögen Fußball.

„Uns ist sehr wichtig, das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken und mit ihnen zu entscheiden, was sie am Nachmittag gerne tun möchten“, erklärt Dymala. Die Kinder hätten ein großes Mitspracherecht. Neben den offenen Spielnachmittagen sind auch gemeinsame Aktionen und Themenprojekte wie etwa eine „Tier-Olympiade“ im Angebot, bei der Sport und Wissen kombiniert werden. Oder ein Projekt zum Bogenschießen. Auch das Basteln von Papierbooten für kleine Rennen auf dem nahen Kanal gehört zum Programm.

Natürlich sollten die Kinder auch die typischen Pfadfinderangebote kennenlernen, sagt VCP-Mitarbeiterin Myriam Schotzki. Dazu gehört es, Lieder zu singen, Holz zu schnitzen oder unter Anleitung der Betreuer ein Feuer zu machen. Wichtig sei es, dass die Kinder sich austoben können, doch zugleich auch lernen, in einer Gruppe zu teilen, sich zu vertragen, sich selbst zu organisieren und gemeinsam Entscheidungen zu treffen, sagt Schotzki. Zudem sollten sie an die Natur herangeführt werden. „Die Reaktionen der Kinder sind bisher sehr positiv“, freut sich Schulleiterin Cornelia Aschmutat-Hesse.

Die Stadt Hannover und das Niedersächsische Kultusministerium unterstützen das Projekt zunächst mit 150 000 Euro. Von den Kürzungen der Stadt im Kinder- und Jugendbereich sei es bisher nicht betroffen, sagt Dymala. Das bereitgestellte Geld werde jedoch fast vollständig für die Personalkosten benötigt, für Sachmittel sei nur noch sehr wenig übrig - die Bauwagen hat eine Stiftung finanziert. Die Eltern müssen für das offene Ganztagsangebot, außer für das Mittagessen, nichts zahlen. Sie können selbst entscheiden, ob und an welchen Tagen ihr Kind teilnehmen soll. Der VCP hat die Betreuung nach dem Mittagessen und der Hausaufgabenbetreuung bis um 16 Uhr übernommen. Zudem gibt es für Kinder berufstätiger Eltern noch eine Frühbetreuung, die die Pfadfinder von 7 bis 8 Uhr vor dem Unterricht gewährleisten, sowie die Spätbetreuung, die sich bis 17 Uhr an das eigentliche Nachmittagsprogramm anschließt.

Wegen der unerwartet großen Zahl der teilnehmenden Kinder solle nun bereits ein weiterer Erzieher eingestellt werden, sagt Dymala. Auch in den Herbstferien werde es eine Ferienbetreuung geben, versichert er. In welchem Rahmen - ob für eine oder beide Ferienwochen und möglicherweise mit begrenzter Teilnehmerzahl - steht noch nicht genau fest. Zunächst für ein Jahr ist das Kooperationsprojekt von der Stadt bewilligt worden. Dymala ist aber optimistisch, dass es danach weitergeht mit den Banden auf dem Schulgelände.

Beim Thema Fössebad lässt der Bezirksrat Linden-Limmer nicht locker. Die Stadt soll „möglichst kurzfristig“ 1,5 Millionen Euro in den Haushaltplan einsetzen, um das Außenbecken des beliebten Bades zu sanieren.

Juliane Kaune 05.12.2014

Das Lindener Kulturzentrum investiert 80.000 Euro in das Café Siesta und in die Toiletten – und die Macher blicken zuversichtlich nach vorn.

05.12.2014

Ehrenamtliche engagieren sich in Ahlem für die Notunterkunft für Flüchtlinge im Schulzentrum – gegen das geplante Wohnheim Am Bahndamm indes gibt es Widerstand.

05.12.2014