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West Kleingärtner dulden Bauwägler nur für kurze Zeit
Hannover Aus den Stadtteilen West Kleingärtner dulden Bauwägler nur für kurze Zeit
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12:29 13.03.2013
Von Susanna Bauch
Die Bauwägler packen in Bothfeld zusammen. Nun sind sie zunächst in einer Kleingartenkolonie in Linden-Mitte untergekommen. Quelle: Schwarzenberger
Linden

Die Bauwagenbewohner am Fuße des Lindener Berges sorgen weiter für Gesprächsstoff bei den Kleingärtnern der angrenzenden Kolonien. Die meisten Laubenpieper nehmen die bunten Wagen und ihre Insassen zwar gelassen hin, doch mehren sich nun auch die kritischen Stimmen. Eine direkte Anliegerin etwa arwöhnt, dass der Wert ihres Gartens sinken könnte, sollten sich die zwölf jungen Leute mit ihren Gefährten länger auf dem Gelände am Rande des Kleingartenvereins Linden niederlassen. Ein weiterer Kleingärtner fürchtet sowohl Vermüllung als auch den Missbrauch des Areals als öffentliche Toilette.

„Nachdem ich mich von meinem Schreck erholt habe und wir uns den Stein des Anstoßes angesehen haben, fürchten wir doch Belästigungen, schon allein durch die Hunde“, sagt der Kleingärtner. Da es weder Wasser noch Kanalisation gebe, werde vermutlich der Grünstreifen als Freilufttoilette benutzt. „Obwohl im Pflegeplan festgelegt werde ich ihn nicht mehr sauber halten“, betont der Anlieger.

Der Leiter der Kolonie Ihlpol 1, Andreas Ackermann, hat etliche Rückmeldungen von seinen Mitgliedern bekommen, „von denen die meisten den moderaten Umgang mit der Situation unterstützen“. Die städtische Fläche am Lindener Berg werde ohnehin nur ein Provisorium für die Bauwägler bleiben können. „Es gibt hier keine Ver- oder Entsorgung für Trink- und Abwasser, und Leitungen können ebenfalls nicht gelegt werden“, betont Ackermann. Des Weiteren gebe es keine Toilette, die Bewohner behelfen sich derweil mit einem Kompost-WC.

Offiziell wird die Gruppe, die Ende Februar ein Kasernengelände in Bothfeld verlassen musste, bis zum 25. März geduldet. Dann müssen die Bauwägler einen neuen Platz mit Pachtvertrag gefunden haben. „Es laufen Gespräche mit der Bezirksbürgermeisterin und der Stadt wegen einer Alternative“, so Ackermann. Die jungen Leute möchten gerne ein Gelände pachten - vorzugsweise in Linden.

Sollte bis zum 25. März keine Lösung gefunden sein, sind zumindest viele Kleingärtner mit einer weiteren Duldung von zwei oder drei Wochen einverstanden. Dass vor allem die Kolonie Ihlpol 1 sehr moderat mit dem Thema umgeht, liegt nach Ansicht Ackermanns an der besonderen Mischung der Pächter. „Bei uns hat im letzten Jahrzehnt ein Generationswechsel stattgefunden, rund die Hälfte der Parzellen haben den Besitzer gewechselt.“ Viele Familien mit Kindern hätten Pachtverträge unterschrieben, „so eine bunte Sache wie die Bauwägler passt bei uns schon rein“.

Trotzdem werden die Kleingärtner über den Stand der Dinge auf dem Laufenden gehalten. So haben sie in Rundmails erfahren, dass sowohl die Komposttoilette als auch die Wasserversorgung seitens der Stadt geprüft wird. Zudem werde den Bauwäglern klar gemacht, dass sie die Mittagsruhe respektieren und ihre Hunde beaufsichtigen müssen. „Die jungen Leute sind da sehr verständnisvoll.“ Bezirksbürgermeisterin Brigitte Schlienkamp (SPD) war ebenfalls schon vor Ort bei den bunten Bauwagen. „Ich habe festgestellt, dass die Gruppe gut organisiert ist und sich bestens zu helfen weiß.“

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