Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
West Das Glück der Galloways
Hannover Aus den Stadtteilen West Das Glück der Galloways
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:13 10.10.2013
Foto: Die Galloway-Rinder von Landwirt Matthias Brennecke sind für Spaziergänger bald nicht mehr zu sehen.
Die Galloway-Rinder von Landwirt Matthias Brennecke sind für Spaziergänger bald nicht mehr zu sehen. Quelle: Julia Wolffson
Anzeige
Wettbergen

Am Ende der Weidefläche haben es sich die elf Galloway-Rinder gemütlich gemacht. Die struppigen Tiere aus dem rauhen Schottland gehören dem Wettberger Matthias Brennecke. Der Landwirt ruft „Hey, kommt her!“, und plötzlich setzt sich die Herde in Bewegung. Einige eher gemächlich, einige kommen ganz schön schnell angerannt. Vor allem als es Brötchen zu fressen gibt, wirken die Tiere nicht unglücklich.

Doch diesen Eindruck hatten nicht alle in Wettbergen. Um das Wohlergehen von Brenneckes Galloways hat es in den vergangenen Jahren viel Ärger gegeben. So viel, dass sich der 35-Jährige jetzt entschlossen hat, seine Rinder den Blicken von Spaziergängern zu entziehen. Das wiederum finden viele Familien in Wettbergen schade – denn die wuscheligen Galloways waren oft das Ziel, wenn Eltern mit ihren Kindern spazieren gingen.

Vermehrte Klagen über die Tierhaltung

„Vor zwei oder drei Jahren ging es mit den Beschwerden los“, erzählt der Landwirt. Beim Veterinäramt und Polizei seien immer mehr Klagen über den Umgang mit den Rindern eingegangen, beispielsweise wenn die Tiere im Winter auf der Weide standen. Dabei seien die robusten und genügsamen Tiere doch dazu geboren, bei jeder Witterung draußen zu sein.

Natürlich müsse ihnen genug Futter und unvereistes Wasser zur Verfügung stehen, aber das sei immer der Fall gewesen, versichert Matthias Brennecke. Ihm ist anzumerken, dass ihn die Vorwürfe treffen. Schließlich liebt er seine Rinder und sie scheinen ihn zu mögen: „Sonst würden sie bestimmt nicht so angerannt kommen, wenn ich sie rufe.“ Doch die jahrelange Kritik hat ihn mürbe gemacht – er hat sich entschieden, mehr als die Hälfte seiner Rinder zu verkaufen.

Dass es viele Beschwerden über eine vermutete nicht artgerechte Haltung der Galloway-Rinder gegeben hat, bestätigt Stadtsprecher Udo Möller. „Der Landwirt wird von einigen Damen aus Wettbergen sehr kritisch beäugt. Das ist sicherlich gut gemeint, aber die Beschwerden haben wenig Grundlage“, sagt Möller. Den Tieren gehe es gut, sie würden umfassend versorgt und der Landwirt habe den nötigen Sachverstand zur Haltung der Rinder. Da das Amt jedem Hinweis nachgehen müsse, sei der Betrieb „einer der bestkontrollierten in Hannover“, sagt Udo Möller.

Nachbesserungen lediglich bei Einzelfällen nötig

Lediglich in Einzelfällen hätte nachgebessert werden müssen. „Aber besser machen kann man immer irgendetwas“, sagt Möller. Das Veterinäramt habe beispielsweise beim Witterungsschutz Verbesserungsbedarf gesehen. Hier habe Brennecke jedoch mit einem mobilen Unterstand reagiert und alles funktioniere gut.

Von der Sommerweide etwas abseits von Wettbergen ziehen Brenneckes Rinder Anfang November wieder auf die Winterweide in der Nähe des Hofes der Familie. Dort grasten die „Gallos“ in den vergangenen Jahren direkt an der Deveser Straße, wo viele Spaziergänger unterwegs sind. Die wuscheligen Rinder waren bei den Wettberger Kindern und Erwachsenen ein beliebter Anblick. „Der Kreis, der sich über die Galloway-Rinder gefreut hat, ist auf jeden Fall größer als der Kreis, der sich beschwert hat“, sagt Brennecke. In diesem Jahr wird er seine Tiere aber nicht mehr für alle sichtbar weiden lassen. Das bringt ihm einfach zu viel Ärger ein, sagt er – zumal die Tiere für ihn eigentlich eher ein Hobby sind.

Während der Vater dreier Kinder redet, futtern ihm die Galloways die mitgebrachten Brötchen aus der Hand, der Bulle Johnny lässt sich von Brennecke kraulen. Zurzeit tragen die Rinder noch ihr dünnes Sommerfell, wenn es kälter wird, werden sie sich jedoch ihr „Teddyfell“ zulegen, erklärt Brennecke. Damit, mit einem trockenen Unterstand, ausreichend Wasser und dem richtigen Futter sind sie dann gut gerüstet für den kalten norddeutschen Winter.

Julia Wolffson

Conrad von Meding 10.10.2013
West Unfall nach Betriebsfeier in Anderten - Tödlicher Sturz von der Bahnbrücke
10.10.2013