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West Lichtpunkt hat wieder geöffnet
Hannover Aus den Stadtteilen West Lichtpunkt hat wieder geöffnet
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10:13 05.12.2014
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Hannover

Die Tür steht immer offen. Das sei ihm wichtig, sagt Olaf Wolf. Der Sozialarbeiter des Lichtpunkts hat gerade sein Domizil in der Deisterstraße 77 bezogen. Auch am neuen Standort gilt für ihn unverändert das Leitmotto: „Wer sagt, ich brauche Hilfe, der bekommt sie.“ Die Menschen in Linden-Süd wissen das. Sonst wären sie wohl kaum schon am ersten Tag der Wiedereröffnung der Beratungstelle mit ihren Sorgen und Nöten an Wolf herangetreten.

Zeitgleich hat am vergangenen Freitag in den Räumen in der Deisterstraße auch ein neuer Stadtteiladen mit Second­handartikeln eröffnet. Betreiber ist die Genossenschaft Fairkauf. Der Caritasverband wiederum ist für die Sozialberatung zuständig. So gibt es nun auf 130 Quadratmetern unter einem Dach eine Neuauflage des bewährten Lichtpunkt-Konzepts. Zuvor hatte dieses in den Händen der evangelischen Erlösergemeinde gelegen. Doch die verkündete im April überraschend das Aus - aus Kostengründen. Ein breites Bündnis im Stadtteil setzte sich daraufhin für einen Fortbestand des Projekts ein. Mit Erfolg. Und mit neuen Betreibern.

„Ich habe über Mundpropaganda davon gehört“, sagt Elkana Stöckel. Der 27-Jährige ist mit seiner Freundin zur Ladeneröffnung gekommen, um sich umzusehen. Das neue Secondhandgeschäft mit dem breiten Sortiment von Haushaltswaren über Kleidung bis zu Büchern gefällt ihnen. „Der Laden ist ganz nett, aber sehr klein“, sagt Stöckel, der schon öfter im Fairkauf-Kaufhaus in der City gewesen ist. Damit sei die neue Filiale in Linden-Süd nicht zu vergleichen, stellt Mitarbeiter Marco Kruppa klar. „Hier haben wir nicht so viel Laufkundschaft.“ Vielmehr stehe der soziale Aspekt im Vordergrund. Es herrsche ein herzliches Klima, sagt Richard Kreimeyer, der für das neue Geschäft verantwortlich ist. „Uns wurde von vielen Seiten viel Glück gewünscht.“

Etliche Neugierige kamen schon am ersten Tag vorbei. Wie der 31-jährige Mubarek Beshara, der gleich um die Ecke wohnt. Dem gebürtigen Sudanesen gefällt das Konzept des Sozialladens: „Das ist eine sehr gute Idee.“ Er schaut sich nach Winterkleidung um. Einen hellen Strickpulli hat er sich schon ausgesucht, nur anprobieren muss er ihn noch. Peter Kunigk will sich erst mal einen Überblick verschaffen. Er kannte schon den ersten Sozialladen: „Die Mitarbeiterin dort wusste immer, was ich brauche, und hat mir das zurückgelegt.“ Nun bedauert er, dass sie nicht mehr dabei ist.

Sozialpädagoge Wolf ist froh, dass er sich fortan ganz auf die soziale Beratung konzentrieren kann. „Früher musste ich immer mal im Laden aushelfen.“ Durch die getrennten Zuständigkeiten der beiden neuen Betreiber sei das nicht mehr nötig. So könne er sich als Ratgeber bei Behördengängen, Streitschlichter und Lebenshelfer noch intensiver mit den Betroffenen beschäftigen. „Man kriegt hier nicht nur irgendeinen Flyer in die Hand gedrückt“, sagt Wolf. „Es geht darum, sich wirklich zu kümmern.“

Tobias Morchner 05.12.2014
Juliane Kaune 05.12.2014