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West Freund und Helfer für Migranten
Hannover Aus den Stadtteilen West Freund und Helfer für Migranten
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14:04 10.10.2013
Manche Probleme teilen Migranten lieber auf Türkisch mit. Im neu gestalteten Lindener Rathaus bietet Abdullah Mermi einmal im Monat eine Sprechstunde an. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
Linden-Mitte

Wer Abdullah Mermi in diesen Tagen in Linden-Limmer auf der Straße trifft, wird von ihm vielleicht einen Flyer bekommen. Der 47-jährige Kriminalkommissar der Polizeiinspektion West macht Werbung für seine deutsch-türkische Bürgersprechstunde. Jeden ersten Montag im Monat, das nächste Mal am 2. September, kommt der türkischstämmige Polizist ins Rathaus am Lindener Marktplatz. Dann berät Mermi von neun bis zwölf Uhr an seinem Schreibtisch im Bürgerbüro Menschen mit Migrationshintergrund, die Fragen oder Probleme haben. Zur ersten Bürgersprechstunde Anfang August kamen nur wenige. Aber offenbar spricht sich Mermis Angebot herum. In den Tagen nach der Sprechstunde meldeten sich weitere Menschen, die Fragen an den Kriminalkommissar hatten. Und sie kamen nicht nur aus Linden: Bisher ist Mermis Sprechstunde speziell für Bürger mit Migrationshintergrund nämlich die einzige ihrer Art in Hannover.

Ansprechpartner für die Bürger bei der Polizei

Abdullah Mermi, seit Oktober 2011 Kontaktbereichsbeamter für Linden-Limmer, will sich als Ansprechpartner für die Bürger bei der Polizei verstanden wissen. Mit der Einrichtung der deutsch-türkischen Sprechstunde sollen Interessierte einen festen Anlaufpunkt haben, an dem sie ohne Anmeldung und unkompliziert mit dem Polizisten in Kontakt treten können. Ob mit Themen, bei denen Mermi als Polizist helfen kann, oder mit Fragen, für die die Polizei zwar eigentlich nicht zuständig ist, Mermi aber als Mensch Ratschläge geben kann – Mermi hört zu, auf deutsch oder türkisch. Als Beispiele für Anliegen nennt Mermi die Verkehrsregeln oder Streit mit den Nachbarn.Aber auch für viele andere Probleme hat Mermi ein offenes Ohr.

Ängste aus dem Weg räumen

Mermi interessiert sich allerdings nicht erst seit Kurzem für die Sorgen der Bürger. Schon seit er 1994 bei der Polizei angefangen hat, wenden sich Menschen an ihn – vor allem solche mit Migrationshintergrund. Auf der Straße werde er immer wieder angesprochen und seine Handynummer hat er seit 19 Jahren nicht gewechselt, damit er erreichbar bleibt. „Ich habe immer den Slogan ,Polizei, dein Freund und Helfer‘ im Kopf“, erklärt Mermi. Das habe ihn auch zu der Idee geführt, seine Rolle als Ansprechpartner nun mit der Einrichtung der Sprechstunde zu institutionalisieren. „Und ich will auch dazu beitragen, dass die Menschen die Arbeit der Polizei besser verstehen und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Bürgern und Polizei entsteht“, sagt Mermi. So fühlten sich immer wieder Menschen mit Migrationshintergrund von der Polizei schlechter behandelt als andere – zum Beispiel bei Verkehrskontrollen. Ängste dieser Art will der türkischstämmige Polizist aus dem Weg räumen.

Bürgeramt als zentraler Ort

Außerdem werde, sagt Mermi, seit dem Umzug der Polizeiinspektion West von der Lindener Gartenallee in die Wunstorfer Straße in Limmer von vielen bemängelt, dass die Polizei in Linden weniger präsent sei. Deswegen hat Abdullah Mermi bewusst den Ort seiner Sprechstunde gewählt: Er sitzt deutlich für alle sichtbar im Bürgeramt im Rathaus am Lindener Marktplatz – bereit zum Gespräch, bereit für Fragen, präsent in Linden.

„Sprechen Sie mich an“

Aber Vorsicht: Allzu vertraut dürfen die Menschen mit ihm nicht umgehen. Einerseits ist Mermi Vertrauensperson und Zuhörer für Sorgen und Nöte. Andererseits bleibt er Polizist. „Ich stelle am Anfang des Gesprächs klar, dass ich Straftaten, von denen mir berichtet wird, verfolgen muss“, sagt Mermi. Damit man ihn also vor allem als Polizisten wahrnimmt, trägt er bei der Sprechstunde seine Uniform. „Ohne Uniform sehe ich ja aus wie ein ganz normaler Türke“, scherzt er. Vor dem Wochenende wird Abdullah Mermi wieder seine Flyer in Linden verteilen. Auf dem Flyer, der in deutscher und türkischer Sprache erklärt, mit Anliegen welcher Art man zu Mermi kommen kann, sieht man ein Bild des lächelnden Polizisten und die Aufforderung: „Sprechen Sie mich an! Benimle görüün!“

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