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West Weil eine Parkbank kein Zuhause ist
Hannover Aus den Stadtteilen West Weil eine Parkbank kein Zuhause ist
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11:19 14.10.2013
Erst kürzlich ist die Einrichtung umgezogen, die neuen Räume können sich sehen lassen. Quelle: Mario Moers
Linden-Nord

Schulden, soziale Isolation, Drogenmissbrauch, drohende Wohnungslosigkeit – ein sozialer Absturz kann schneller geschehen, als man denkt. „Der Weg in die Notlage ist häufig eine Spirale, die mit einem kleinen Problem beginnt“, sagt Harald Bremer, Geschäftsführer des Karl-Lemmermann-Hauses. Der Verein für sozialpädagogisch betreutes Wohnen betreibt die TageswohnungTreffpunkt“ in Linden-Nord. Seit 25 Jahren finden Menschen, die ihren Lebenskompass verloren haben, hier ein Zuhause – wenigstens für eine Weile.

291 Menschen nutzten bisher in diesem Jahr das Angebot

Die beiden Sozialarbeiterinnen im Treffpunkt haben viel zu tun. Ihre Terminkalender sind voll, die 1,25 Planstellen, die sie sich teilen, reichen kaum aus, um der Nachfrage gerecht zu werden. 291 Menschen, vorwiegend aus dem Stadtteil, nutzten in diesem Jahr bereits die Angebote der Tageswohnung. Manche kommen täglich, zum Duschen, Waschen oder Kochen, andere benötigen nur eine Auskunft.

Heike F. schätzt die angenehme Atmosphäre im Treffpunkt, der für viele auch ein Ort zum Klönen ist. Als das Jobcenter ihr die Unterstützung streichen wollte, kam sie zum ersten Mal her. „Der Zusammenhalt hier ist super“, sagt sie. Eine Sozialarbeiterin begleitete sie bei den Amtsgängen und konnte die Kürzungen verhindern. Auch die ehrenamtlichen Helfer hinter dem Tresen loben die Effektivität der Hilfe: „Die Sozialarbeiter hier setzen sich wirklich durch. Wer Hilfe sucht, der bekommt sie auch,“ so einer der Helfer.

Niedrigschwelliges Hilfsangebot

Die Tageswohnung ist ein besonders niedrigschwelliges Hilfsangebot. Hierher kommen Menschen, die von den Maschen des sozialen Netzes nicht gehalten werden. Viele Besucher der Nothilfe-Einrichtungen, wie es die Tageswohnungen, Tafeln oder Kleiderkammern darstellen, nutzen aus unterschiedlichen Gründen nicht die staatlichen Hilfsangebote. Einige schämen sich, Hilfe zu beantragen, andere haben nach schlechten Erfahrungen den Kontakt zu den Ämtern abgebrochen. Wieder andere, wie zum Beispiel Asylbewerber, suchen hier Hilfe, um überhaupt in das soziale Netz zu gelangen.

Klientel hat sich verändert

Die Klientel habe sich in den letzten 25 Jahren stark verändert, so Bremer. Heute kämen mehr Besucher direkt aus dem Stadtteil. Durch Mietpreiserhöhungen verlören gerade Empfänger von Hartz-IV-Leistungen immer häufiger die Wohnung. Hier zeigen sich die Schattenseiten der zunehmenden Beliebtheit Lindens. Dazu kämen Gruppen, die es früher so nicht gab. Drogensüchtige im Rentenalter zum Beispiel. „Die nimmt kein Altersheim auf“, so Bremer. Außerdem könne man einen Anstieg bei den Besuchern feststellen, die auffällig starke psychische Probleme haben.

Vergrößerung nach 24 Jahren

Nach 24 Jahren an der Ecke Dalemstrasse ist der Treffpunkt in diesem Jahr in das Nachbarhaus umgezogen. In den Räumlichkeiten eines ehemaligen Restaurants hat man nun deutlich mehr Platz zur Verfügung. Duschen und Waschmöglichkeiten sind dort genauso vorhanden wie ein Ruheraum, eine Waschmaschine oder ein Computer. In einer vollständig eingerichteten Küche können die Besucher Mitgebrachtes kochen.

Mittwochs ist es immer besonders voll. An dem Tag werden von der Tafel Lebensmittel verteilt und die Straßenambulanz ist vor Ort. Stadtweit gibt es vier Tagesaufenthalte wie den Treffpunkt. Aktuell gibt es in Hannover rund 1.500 Menschen ohne eigene Wohnung. 300 davon leben auf der Straße. Die erste Anlaufstelle für Obdachlose in Hannover ist der Kontaktladen Mecki am Raschplatz. Aktuell entwickelt die Region Hannover ein neues Gesamtkonzept für die Wohnungslosenhilfe. Im Treffpunkt hofft man, dass man dann wenigstens eine Viertelstelle mehr bekommt. Die kalten Monate stehen bevor. „Und im Winter sieht die Welt hier ganz anders aus“, so eine der Helferinnen.

Mario Moers

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