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West „Linden ist einfach anders“
Hannover Aus den Stadtteilen West „Linden ist einfach anders“
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06:15 10.06.2012
Von Stefanie Gollasch
Sarah Schröder vor ihrer Boutique „Ey Linda“ in der Stephanusstraße. Quelle: Gollasch
Linden-Mitte

Linden ist Hannovers Kneipenviertel – aber der Stadtteil wird auch immer mehr zum Shoppingziel für Kunden aus der ganzen Stadt und darüber hinaus. Vor allem rund um den Lindener Markt hat sich eine Boutiquenszene etabliert, die dem Stadtteil im doppelten Sinn eine ganz besondere Anziehungskraft verleiht. Eine der ersten, die im ehemaligen Arbeiterviertel junge, schicke, nicht ganz billige Mode verkauften, war Sarah Schröder. Vor zehn Jahren startete sie mit ihrem kleinen Geschäft „Ey Linda“ in der Stephanusstraße. Ein gewagtes Experiment, an dessen Gelingen anfangs außer der Gründerin kaum jemand glauben mochte – schon gar nicht die Banken, die die damals 25-Jährige um Kredite bat.

Im Gespräch mit dem Stadt-Anzeiger lässt Sarah Schröder die vergangenen zehn Jahre Revue passieren.

Sarah - ist es ok, wenn wir du sagen?

Na klar, gerne.

Also, wie bist du denn damals gestartet? Linden war ja nicht gerade das Pflaster der Wohlhabenden ...

Nein, aber ich war mir einfach so sicher, dass es hier funktionieren müsste, schöne Kleidung zu verkaufen. Bei der Bank hieß es damals allerdings, das sei eine totale Schnapsidee, denn in der Zeit wurde gerade die Gilde-Brauerei abgerissen, und der Banker meinte, in dem ganzen Dreck würde doch kein Mensch bei mir einkaufen kommen.

Und dann kam doch jemand?

Ja (lacht). Jede Menge. Meine allerersten Klamotten habe ich in Paris eingekauft, alle zwei Wochen bin ich mit Freunden oder auch mal mit Sybille (Furczyk, Inhaberin des benachbarten Schuhgeschäfts „Anne Behne“, die Red.) da hingesaust und habe das Auto vollgepackt. Das Geld für den Start habe ich mir dann im Verwandtenkreis zusammengeborgt - von der Bank gab es ja nichts. Das war schon eine sehr anstrengende Zeit, andererseits aber auch total schön, weil ich plötzlich so ein Gefühl von Freiheit hatte.

Mittlerweile ist dein Geschäft ziemlich erfolgreich - kannst du davon leben?

Absolut, und ich kann sogar mal drei Wochen Urlaub machen. Insgesamt arbeiten bei mir sieben Leute, zwei sind allein mit dem Bürokram und unserem Online-Shop beschäftigt, die anderen teilen sich die Arbeit im Laden. Ich selber bin da auch oft, habe aber zudem viel zu tun mit den Fotoshootings für unsere Homepage, Orderterminen in Hamburg und anderswo - trotzdem würde ich mich nie ganz aus dem Verkauf rausziehen, denn der Laden ist irgendwie doch immer noch mein Baby.

Die Diskussion um die sogenannte Gentrifizierung von Linden kennst du sicher auch. Hast du die Probleme mitbekommen, die Tanja Metz vor der Eröffnung ihrer Eisdiele hatte?

Natürlich, das war wirklich schlimm. Wenn ich mir vorstelle, mir wäre das kurz vor der Eröffnung passiert - ein Alptraum. Und es trifft so dermaßen die falsche Person! Ich habe Tanja bei ihrer Eröffnung kennen gelernt, die ist nun wirklich niemand, der irgend etwas Schlechtes tut oder will. Überhaupt kann ich nicht feststellen, dass Linden versnobt geworden wäre. In meinem ganzen Umfeld kenne ich genau ein einziges Miethaus, in dem kürzlich die Miete erhöht wurde. Dass hier nur noch Platz für Gutverdiener ist, ist, glaube ich, einfach Quatsch.

Aber dein Warenangebot zielt doch auch eher auf Kundinnen, die nicht auf den Cent gucken müssen...

Teils, teils. Es gibt auch günstige Teile, außerdem haben wir auch überhaupt kein Problem damit, wenn Leute einfach nur zum Gucken kommen und dann vielleicht etwas in unserem Outlet kaufen. Tatsächlich haben wir Kundinnen aus den unterschiedlichsten Schichten - eine hat sich mal bei uns ein Kleid gekauft und mich ein paar Tage später auf der Straße um Kleingeld angebettelt.

Meinst du, dass dein Geschäft in einem anderen Stadtteil auch funktionieren würde?

Ach, ich möchte gar nicht woanders sein. Hier ist die Gemeinschaft unter den Geschäftsleuten sehr nett, und auch die bunte Mischung im Stadtteil selbst mag ich unheimlich gern - sonst würde ich auch nicht hier wohnen. Kann sein, dass eine Boutique wie meine auch in der List laufen würde, eine zeitlang habe ich es ja dort auch probiert, aber Linden ist einfach anders. Und mein Konzept eines Ladens, in dem sich die Kunden, aber auch die Mitarbeiter vor allem wohl fühlen, passt hier perfekt her.

Interview: Stefanie Gollasch

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