Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
West Lindener debattieren über Gentrifizierung
Hannover Aus den Stadtteilen West Lindener debattieren über Gentrifizierung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:00 08.12.2011
Linden

Kaum ein Thema wird in Linden derzeit so heiß diskutiert wie die Verteuerung des Wohnraums. Wie ein Gespenst geht das sperrige Wortungetüm „Gentrifizierung“ in den drei Stadtteilen um. Gibt es in Linden eine schleichende Verdrängung alteingesessener Bürger – weil der Stadtteil ein so zugkräftiges Image hat, dass es immer mehr Besserverdienende hierher verschlägt? Werden die von den Bewohnern so lieb gewonnenen Strukturen durch ein neues Preisgefüge verschwinden? Und sind diese Sorgen berechtigt überhaupt? Der Stadtverband der Grünen hatte zu einer öffentlichen Debatte darüber in den Verein „kargah e.V.“ auf das Faust-Gelände eingeladen. Mehr als 60 Lindener drängen sich in den Raum und wollten wissen, wie real das Gespenst der „Gentrifizierung“ wirklich ist.

Daniel Gardemin, der an der Leibniz Universität über soziale Ungleichheiten forscht, sieht Indizien für einen Wandel. „In Linden-Nord ist Wohnraum knapp und die Mietpreise steigen deutlich höher als anderswo“, sagt er. So sei die Nettokaltmiete je Quadratmeter in den vergangenen drei Jahren im hannoverschen Durchschnitt um 2,4 Prozent gestiegen. „In Linden-Nord waren es hingegen 6,4 Prozent.“ In Linden-Mitte verzeichnete er einen Anstieg von 5,5 Prozent. Ein Prozess, den Bürger mit geringen Einkommen oder Empfänger staatlicher Transferleistungen fürchten.

„Die Menschen haben Angst, dass sie sich nicht mehr auf Dauer in Linden halten können“, sagt Florian Grajetzki von der „Kampagne Ahoi“, die in Linden mehrere Gebäude besetzt hatte – zuletzt die leere Polizeiinspektion in der Gartenallee. Grajetzki fordert Mietobergrenzen und sozialen Wohnungsbau. Doch Mietpreisbindung ist kaum möglich, weil es vorrangig private Bauprojekte gibt, sagt Michael Dette, Baupolitiker der Grünen. „Aber bezahlbarer und guter Wohnraum ist wichtig für alle Menschen“, sagt Dette.

Der Soziologe Jonny Peter vom Verein Quartier e.V. erinnerte an das in den 1970er Jahren gestartete Sanierungsprogramm für den damals maroden Stadtteil – inklusive Schutzrechten für die einheimische Bevölkerung. „Die Ansage war damals, dass durch eine Sanierung kein Lindener vertrieben werden soll“, berichtet Peter. Aber aus anderen Stadtteilen zogen Menschen nach Linden, junge Familien ließen sich nieder, Studenten auch viele Einwandererfamilien. Es entstand das heute so bekannte Lindener Milieu. Dieses Milieu macht den Stadtteil seit einigen Jahren auch bei Menschen mit höheren Einkommen beliebt, die auf Wohneigentum Wert legen und entsprechende Bauvorhaben initiieren. Peter prägte kürzlich bei einer Diskussion des Forums Linden-Nord zum gleichen Thema den Begriff „Schickimickisierung“.

Das aus Hamburger oder Berliner Vierteln bekannte Ausmaß sei in Linden zwar noch nicht zu verzeichnen, aber Bauvorhaben müssten stärker kontrolliert werden. Nicht jede Modernisierung sei ein negatives Zeichen, sagt Peter, „aber es muss bei vernünftigen Mieten bleiben.“ Und es müsse erforscht werden, was genau in Linden passiert, fordert Wissenschaftler Gardemin. Denn befinde sich der Stadtteil erst einmal tief im Umwälzungsprozess, sei es zum Gegensteuern zu spät. „Es werden jetzt schon Entscheidungen ohne Rücksicht auf den Lindener Mikrokosmos getroffen“, sagt er mit Blick auf Entmietungen von Wohnungen und kleinen Ladengeschäften an der Limmerstraße.

Schwarzenberger

Das vorweihnachtliche Stadtteilfest hat die Lindener am vergangenen Sonnabend trotz Regens aus den Häusern gelockt. Beim „Himmlischen Vergnügen“ am Schwarzen Bären gab es viel zu entdecken.

08.12.2011

Mehr Schulanfänger und volle Bolzplätze – Oberricklingen wird jünger und ist bei Familien längst kein Geheimtipp mehr. Große Grundstücke zu niedrigen Preisen und die gute Anbindung zur Innenstadt zieht viele in den westlichen Stadtbezirk.

Felix Klabe 08.12.2011
West Seniorenanlage Ricklingen - Altersgerechte Wohnungen sind begehrt

Für die elf Wohnungen in der neuen Seniorenanlage im Kreipeweg gab es mehr als 100 Bewerber - ab heute können die ersten Mieter einziehen. Das barrierefreie Haus ist wegen seiner Nähe zum Pflegeheim der Johanniter besonders attraktiv.

08.12.2011