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West Michaelisgemeinde eröffnet neues Zentrum
Hannover Aus den Stadtteilen West Michaelisgemeinde eröffnet neues Zentrum
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15:54 09.05.2015
Neue Räume: Kirchenvorstand Jürgen Walter und Pastorin Marlies Ahlers in ihrem Büro.
Neue Räume: Kirchenvorstand Jürgen Walter und Pastorin Marlies Ahlers in ihrem Büro.
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Hannover

Aber nur scheinbar, denn das Gotteshaus ist seit Ostern 2014 Kirche und Gemeindedomizil zugleich. Viele Gruppen sind dort untergekommen, seit das Zentrum zur Baustelle wurde. Im Juni aber soll nun alles fertig sein. Mit einem Festakt wird das frisch umgebaute Gebäude dann wieder geöffnet. 1,3 Millionen Euro kostet der Umbau - und mit 900.000 Euro bringt die Gemeinde den größten Teil der Summe selbst auf. Den restlichen Betrag trägt der evangelische Stadtkirchenverband.

Jürgen Walter, Rentner und Vize-Vorsitzender des Kirchenvorstands, schaut fast jeden Tag auf der Baustelle an der Pfarrstraße vorbei. Er führt durch die Räume, die sich deutlich verändert haben. Im zweiten Stock sind gerade die Maler im Einsatz. Die neuen Heizungen sind schon da, aus einem Schaltschrank ragen Kabelbündel. Zwei große Büros richtet die Gemeinde in der oberen Etage ein. „Das wird ein abgetrennter Trakt mit eigener Teeküche und Toiletten“, erklärt Walter. Noch in diesem Jahr zieht dort die Diakoniestation West ein. Von dem Stützpunkt im Gemeindehaus aus werden künftig ambulante Pflegeangebote koordiniert.

Der Kirchenvorstand muss mit den Mieteinnahmen kalkulieren. Ohne diese Erlöse bekäme die Gemeinde ein finanzielles Problem. Denn durch die Sparauflagen des evangelischen Stadtkirchenverbandes hat diese weniger Geld zur Bauunterhaltung in der Kasse (siehe Beitext). Daher stellten sich vor dem Umbau zwei Alternativen - entweder die bestehenden Flächen zu verkleinern oder Teile davon zu vermieten. „Wir hätten abreißen und ein kleineres Haus bauen müssen“, sagt Walter. Aber das wollte kaum einer, weil das Gebäude noch in Ordnung war. Daher entschied man sich für die zweite Lösung.

Noch 2013 stand nicht fest, wer der neue Mieter sein könnte, der hilft, das Gemeindezentrum zu erhalten. Ein Kandidat war zunächst der Stadtjugenddienst, der gemeinsam mit der Stadt überlegte, dort ein größeres Jugendzentrum einzurichten. Schließlich hatte schon der evangelische Jugendtreff Factorix ein Domizil in den Räumen der Michaelisgemeinde. Die finanziellen Zusagen für das Jugendprojekt aber waren der Gemeinde zu unsicher, daher entschied man sich am Ende für die Diakoniestation. Das Factorix wiederum hat bereits im vergangenen Jahr neue Räume an der Stammestraße bezogen.

Hausmeister Gerd Bühren testet in dem Gebäudetrakt der Diakonie gerade die Lichtschalter. „Klappt alles richtig gut“, sagt er. Noch im Laufe des Mai könne die Gemeinde, deren Möbel derzeit in drei Containern lagern, mit dem Wiedereinzug starten, kündigt er an. Platzbedarf gibt es reichlich: Das Angebot reicht von der Arbeit mit Jugendlichen und Senioren über den Konfirmandenunterricht bis zu mehreren Arbeitsgruppen und Chören. Spätestens im September will die Gemeinde auch ihren wöchentlichen Mittagstisch für Bedürftige wieder anbieten. Während der Bauphase war das im Ausweichquartier in der Kirche nicht möglich. Dort sind derzeit noch alle anderen Gruppen untergebracht, auch Dienstbesprechungen der Gemeindemitarbeiter fanden dort statt.

Jürgen Walter führt durch das Foyer. Vor Kurzem wurde auf dieser Ebene eine neue Küche eingebaut. Küsterin Christiane Hellmann prüft die Geräte. „Der ganze Küchenraum ist jetzt neu“, freut sie sich. Früher mussten die Mitarbeiter Treppen steigen, um Essen und Getränke in den Gemeindesaal zu bringen - nun liegen Saal und Küche fast Tür an Tür. Das Foyer soll noch eine kleine Cafeteria bekommen. Der große Saal selbst ist ein Stück kleiner geworden, weil für den neuen Lift eine Wand etwas versetzt werden musste. Fortan sind die Gebäude barrierefrei. Neben der energetischen Sanierung und einer neuen Fassade samt Fenstern war auch dies ein Wunsch der Gemeinde. Neu sind zudem Akustikdecke und Fluchttüren. Auch viele Gemeindemitglieder haben sich finanziell engagiert: Sie spendeten für Stühle, die im Saal aufgestellt werden sollen.

Pastorin Marlies Ahlers ist von der oberen Etage in den Keller gezogen, wo sie nun ihr Büro hat. Die Mitarbeiter der Gemeinde müssen in zwei Räumen enger zusammenrücken, als es vor dem Umbau nötig war. Aber das Raumangebot für die anderen Nutzergruppen soll erhalten bleiben, obwohl ein Teil des Hauses vermietet wird. „Alle kommen wieder zu uns“, betont Ahlers. Der Saal und die Gruppenräume sollen auch von Vereinen und Einrichtungen im Stadtteil genutzt werden. Der Ricklinger Chor Euterpe etwa werde dort auftreten, und Schulen könnten das Zentrum nutzen, sagt Ahlers. Auch darum habe man im Zuge des Umbaus für den Erhalt des Saales gekämpft. „Wir wollen ein offenes Haus sein“, sagt die Pastorin.

Am Sonntag, 21. Juni, feiert die Michaelisgemeinde, Pfarrstraße 72, die Wiedereröffnung ihres Zentrums mit einem Tag der offenen Tür. Der Festgottesdienst beginnt um 10 Uhr.

Der Weg zum Umbau

Mit dem Umbau des Zentrums der Michaelisgemeinde kommt eine Geschichte zum Abschluss, die 1962 begann. Seinerzeit war die Ricklinger Gemeinde zu groß geworden, mit der Gemeinde Maria Magdalena entstand am Bangemannweg eine Tochtergemeinde. Doch später folgte ein Mitgliederschwund bei der evangelischen Landeskirche, was sinkende Kirchensteuereinnahmen und Sparauflagen des Stadtkirchenverbandes mit sich brachte. 2009 fusionierten beide Gemeinden; der Standort Bangemannweg wurde aufgegeben. 2011 verkaufte die Michaelisgemeinde schließlich die frühere Maria-Magdalenen-Kirche samt Gemeindehaus an die jüdisch-sefardisch-bucharische Religionsgemeinde. Ein Großteil der Summe, die die Michaelisgemeinde nun in den Umbau des Gemeindezentrums investiert, stammt aus diesem Verkauf. Mit seinen rund 700 Quadratmetern galt das Gebäude als zu groß. Der Stadtkirchenverband senkte daher seine Zuschüsse zur Bauunterhaltung – nur 400 Quadratmeter standen den Ricklingern noch zu. Es gab die Option, das Zentrum abzureißen und in einer kleineren Variante neu zu bauen. Die Gemeinde aber wählte den Weg, das Gebäude von 1965 umzubauen und einige Flächen zu vermieten. Nach Ende der Arbeiten steht das Haus den rund 4300 Mitgliedern der Michaelisgemeinde ebenso zur Verfügung wie den 1500 früheren Mitgliedern der Maria-Magdalenen-Gemeinde.

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