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West Naturschützer in Sorge um Fledermäuse
Hannover Aus den Stadtteilen West Naturschützer in Sorge um Fledermäuse
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10:42 05.12.2014
Von Juliane Kaune
Noch wurde in den Ricklinger Baumhöhlen keine Fledermaus gefunden, die – wie hier im Bild – Unterschlupf sucht. Doch der BUND fordert weitere Untersuchungen. Quelle: Archivbild
Hannover

Ricklingen. Grundsätzlich sind die Planungen abgeschlossen: Für die Ortsumgehung Hemmingen (B3), die auch durch Ricklinger Gebiet führt, müssen dort rund 600 Bäume fallen. Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr will bereits am ersten Dezemberwochenende mit den Fällungen entlang der Frankfurter Allee zwischen Landwehrkreisel und der Straße In der Rehre beginnen. Doch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) protestiert dagegen - aus Sorge um möglicherweise in den Bäumen nistende Fledermäuse. „Wir haben Hinweise darauf gefunden, dass in den Bäumen Fledermäuse waren oder noch sind“, sagt Armin Steiner vom BUND. Der Verband forderte Nachbesserungen - und die Landesbehörde reagierte. Von dem Amt beauftragte Gutachter haben die Bäume noch einmal genauer in den Blick genommen. Dabei haben sie bisher keine Tiere entdeckt.

Dem 50 Millionen Euro teuren Straßenbauvorhaben im Verlauf der B3 müssen insgesamt rund 77 000 Quadratmeter bewachsene Grünfläche weichen. Verhindern können die Naturschützer das Projekt zwar nicht mehr. Aber sie wollen retten, was noch zu retten ist. Dabei sind vor allem die streng geschützten Fledermäuse in den Blick geraten. Mit dem kleinen Wäldchen in Ricklingen werde auch der Lebensraum der gefährdeten Tierart vernichtet, kritisiert Renate Keil, Leiterin des BUND-Fledermauszentrums, das im Bunker am Welfenplatz seinen Sitz hat. „Jedes Jahr kommen zwischen 50 und 100 tote oder schwerverletzte Tiere zu uns, die Opfer von unachtsamen Baumfällungen geworden sind - und die Dunkelziffer ist sicher noch viel höher“, sagt die Tierärztin. Es müsse verhindert werden, dass in Ricklingen erneut Tiere zu Schaden kommen.

Das Straßenbauamt hatte bereits vor der Intervention durch den BUND ein Gutachterbüro eingesetzt, das die zur Fällung vorgesehenen Bäume auf mögliche Fledermaushöhlen hin untersucht hat. „Die von uns beauftragte Biologin hat dabei fünf Höhlen gefunden, die auf Fledermäuse hindeuten“, erklärt Joachim Ernst, Leiter des regionalen Geschäftsbereichs der Landesbehörde. Allerdings seien keine Tiere in den Baumstämmen entdeckt worden. Damit dort nicht kurz vor der Fällung wieder Fledermäuse Unterschlupf suchen, seien die Höhlen vorsorglich versiegelt worden.

Die Fledermausschützer machen eine andere Rechnung auf: „Wir haben in nur vier Stunden bereits 27 Bäume identifiziert, die auf Fledermausquartiere in vier bis zehn Metern Höhe hindeuten“, erklärt Armin Steiner, der mit zehn Ehrenamtlichen, Fernglas und Leiter in dem Gelände in Ricklingen unterwegs war. Auch sie haben zwar keine nistenden Tiere, aber deren Kot und Urin gefunden. Steiner ist überzeugt, dass es noch mehr potenzielle Höhlen gibt. Um auch höhere Regionen der Bäume in den Blick nehmen zu können, sei ein Hubsteiger nötig, von dem aus mit einem Spezialgerät nach Lebenszeichen von Fledermäusen gesucht werden müsse. Diese hielten noch nach Winterquartieren Ausschau, sagt Tierärztin Keil. Selbst, wenn sich herausstellen sollte, dass im Ricklinger Gebiet vorhandene Höhlen nur als Sommerquartiere genutzt werden, müsse laut Naturschutzgesetz Ersatz geschaffen werden. „Das ist aber vor Ort kaum möglich, wenn so viele Bäume gefällt werden.“

Das Gesetz ermögliche auch Ausweichquartiere an anderer Stelle, erklärt dagegen Bereichsleiter Ernst von der Straßenbaubehörde. Gleichwohl zeigt er Verständnis für die Argumente des BUND. Grundsätzlich stehe ein Straßenbauprojekt im Widerspruch zu den Interessen des Naturschutzes. Ernst versichert: „Wir werden nicht ohne Rücksicht auf Verluste eine Schneise in den Wald schlagen.“ Dass die Bäume ausgerechnet in einer Zeit fallen sollen, in der Fledermäuse in den Winterschlaf gehen, liegt wiederum im Naturschutz begründet: Laut Gesetz sind Baumfällungen nur außerhalb der Brut- und Setzzeit für Vögel erlaubt, die in Niedersachsen vom 1. April bis zum 15. Juli dauert.

Die jüngsten Untersuchungen, die die Behörde nach der Kritik des BUND in Auftrag gegeben hat, bezogen sich nur auf rund 100 Bäume. Das Amt begründet das damit, dass die Stammumfänge der anderen Bäume zu gering seien, um als potenzielle Nistplätze infrage zu kommen. Gleichwohl sollen nun weitere Bäume mit einem Hubsteiger und einem Endoskop in den Blick genommen werden - wie es der BUND fordert. „Wird in einem Baum eine nistende Fledermaus entdeckt, bleibt dieser in der Winterzeit stehen“, betont Behördenvertreter Ernst. Vor dem nächsten Frühjahr würden die Bagger für das B3-Projekt ohnehin nicht anrücken.

„Unsere Argumente sind ernst genommen worden“, sagt Sibylle Maurer-Wohlatz vom BUND. Den großflächigen Fällungen, die für die Sonntage am 7. und 14. Dezember geplant sind, steht nun offenbar nichts mehr im Wege. Selbst wenn einzelne Bäume vorerst stehenblieben.

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