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West Neue Ideen für die Integration
Hannover Aus den Stadtteilen West Neue Ideen für die Integration
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13:09 07.05.2015
Ein Team: Fußball-Spartenleiter Walter Schötteler (l.) vom SV Ahlem bemüht sich, Flüchtlingen eine neue sportliche Heimat zu geben – und wünscht sich wie Mustafa Türktekin (r.), Trainer der zweiten Mannschaft, mehr Unterstützung bei der Integrationsarbeit.
Ein Team: Fußball-Spartenleiter Walter Schötteler (links) vom SV Ahlem bemüht sich, Flüchtlingen eine neue sportliche Heimat zu geben – und wünscht sich wie Mustafa Türktekin (rechts), Trainer der zweiten Mannschaft, mehr Unterstützung bei der Integrationsarbeit.
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Hülya Feise fehlt eine Springform, seit sie die Flüchtlinge in Ahlem in deren Notunterkunft im früheren Schulzentrum besucht hat. Die Kuchenform hat sie nach dem gemeinsamen Kaffeetrinken absichtlich zurückgelassen. „Um den Bewohnern zu beweisen, dass wir wiederkommen wollen“, sagt die Vorsitzende des auf Integration spezialisierten Vereins Gemide. Seit sie mit einer Gruppe Jugendlicher die Flüchtlinge besucht hat, haben sich viele von den Bewohnern über das Internet für den Besuch bedankt und Freundschaftsanfragen in den sozialen Netzwerken geschickt. Die freundschaftliche Geste, sagt Feise, sollte den Neuankömmlingen in Hannover das ehrliche Interesse an einem Miteinander signalisieren. Die Botschaft ist angekommen, die persönliche Begegnung ein erster Schritt in Richtung Integration.

Bei diesem Thema ist Hülya Feise Expertin. Sie wurde bereits mit dem Integrationsorden des Bundespräsidenten ausgezeichnet, und ihr Verein Gemide versteht sich in besonderer Weise darauf, Migranten anzusprechen. Besonders Traditionsvereinen gelingt es häufig nicht, Zuwanderer als neue Mitglieder zu gewinnen oder sie für gemeinsame Projekte zu begeistern. Die Arbeitsgemeinschaft Lindener Vereine (AGLV) etwa bemühte sich redlich, aber vergeblich, eine nennenswerte Anzahl an Migrantenvereinen zur Beteiligung an dem Jahresprogramm zum 900-jährigen Jubiläum des Stadtteils zu motivieren. Nun gibt es zwar ein sehr vielfältiges, aber eben wenig multikulturell anmutendes Festprogramm - ausgerechnet in Linden. „Wir haben uns gefragt, warum wir die Migranten nicht erreicht haben“, berichtet die AGLV-Vorsitzende Gabriele Steingrube von der Ratlosigkeit der Vereine. Darum suchte sie Kontakt zu Hülya Feise. Auch ihr Verein Gemide beschäftigt sich mit der Frage, warum sich Vereine und Zuwanderer häufig fremd bleiben.

„Die verbindlichen Strukturen, Protokolle und Jahreshauptversammlungen, das gibt es in den Heimatländern vieler Migranten nicht“, erklärt Feise die vielleicht größte Hürde. Förmliche Einladungen, etwa zu Planungstreffen oder Gruppenabenden, seien darum kein geeignetes Mittel, um Menschen aus anderen Kulturen für die eignen Vereinsaktivitäten zu begeistern. Auch das bierselige Vereinstreffen in der urigen Gaststätte oder dem Vereinsheim entspreche nicht unbedingt den Gepflogenheiten der Zuwanderer. „Eine Einladung am Telefon, das Gespräch mit den Müttern am Spielplatz oder der Besuch des Ladenbesitzers in seinem Geschäft versprechen viel mehr Erfolg“, weiß Feise. Wichtig sei es zudem, die einmal aufgebauten Kontakte auch zu pflegen. „Wir können natürlich kein Patentrezept anbieten, aber der persönliche Kontakt ist immer wichtig.“

Nicht nur die Vereine der AGLV stehen vor der Herausforderung, auf den Wandel in der Bevölkerungsstruktur reagieren zu müssen. Vor allem Sportvereine spielen eine herausragende Rolle im Integrationsprozess. Walter Schötteler, Spartenleiter Fußball des SV Ahlem, etwa würde gern mehr Flüchtlingen aus der benachbarten Unterkunft ermöglichen, in seinem Verein mitzuspielen. Es fehlen ihm jedoch die Kapazitäten, die Spielerpässe - und die Mitgliedsbeiträge. „Ich würde mir mehr Unterstützung vom Landessportbund wünschen. Es ist nicht leicht, das alles selbst zu organisieren“, betont er. Der Platzwart der Ahlemer ärgert sich derweil darüber, dass einige Flüchtlinge, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen, einen Trainingsplatz benutzen. Die Kommunikation ist schwierig, auf professionelle Hilfe bei der Vermittlung kann der Verein nicht zurückgreifen.

Schöttler begrüßt daher ausdrücklich das Vorhaben des Vereins Gemide, ein gezieltes Beratungsangebot für Vereine auf die Beine zu stellen. „Wir brauchen Kulturvermittler“, erklärt Feise. Einen ersten Schritt in diese Richtung haben die Vereine bereits gemacht, als sie die Integrationsexperten von Gemide um Hilfe baten. „Frau Steingrube hat mich persönlich angerufen und angefragt, darüber habe ich mich wirklich gefreut“, sagt Feise mit einem Lächeln. Die Einladung und die daran anschließende Diskussion hätten verdeutlicht, wie dringend Austausch und Beratung nötig sind.

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