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West Die Nikolaistraße lebt
Hannover Aus den Stadtteilen West Die Nikolaistraße lebt
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00:15 26.02.2014
Von Michael Zgoll
Nikolaistraße: In den Kneipen wie „Piccoli’s Roadhouse“ laufen die Geschäfte nicht schlecht.
Nikolaistraße: In den Kneipen wie „Piccoli’s Roadhouse“ laufen die Geschäfte nicht schlecht. Quelle: Kleinschmidt
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Hannover

Es war der 31. Juli 2013, als im Cinemaxx Nikolaistraße der letzte Abspann lief. Viele Beobachter dachten damals, dass mit der Schließung des prominenten Kinos auch das Ende der umliegenden Gastronomiebetriebe eingeläutet sei. Doch das Viertel neben dem Klagesmarkt lebt. Der Puls der Bars und Restaurants schlägt zwar unterschiedlich schnell, aber er schlägt. Die Insolvenz des mexikanisch-mediterranen Restaurants „Bolero“ im September, die nach Ansicht von Szenekennern auch nicht unbedingt mit der Schließung des Multiplex-Tempels zusammenhing, scheint die Ausnahme gewesen zu sein.

„Ich hätte nicht gedacht, dass es ohne Kino so gut läuft“, sagt Uwe Dahms. Der Geschäftsführer von „Piccoli’s Roadhouse“ erzählt, dass einige seiner Stammkunden sogar froh seien, Bar und Restaurant zwischen 19 und 20.30 Uhr nicht mehr mit den einfallenden Heerscharen von Kinoguckern teilen zu müssen. Er setzt auf sein spezielles Angebot mit 15 verschiedenen Burgern und Cocktails, garniert mit Billard- und Krökeltischen sowie Fußballgucken auf diversen TV-Bildschirmen. Dahms kennt auch etliche Kinofans, die wie früher vor der Abendvorstellung im Roadhouse einkehren - und sich dann auf den Weg zum Cinemaxx am Raschplatz machen. Sushi satt, Happy Hour, Special Hour: Die Bar „Su-shin“ in der Nikolaistraße versucht schon immer, potenziellen Kunden ihr Angebot mit ausgesuchten Häppchen schmackhaft zu machen. Nur das Kino Special - einen Cocktail zum Happy-Hour-Preis - gibt es seit gut einem halben Jahr nicht mehr. „Wir waren nie allzu sehr auf das Cinemaxx angewiesen“, berichtet Geschäftsführer Özgür Kaya. Die ersten zwei Monate nach der Kinoschließung habe es zwar eine leichte Umsatzdelle gegeben, aber die sei inzwischen wieder ausgebügelt.

Zukunft des Kinos im Dunkeln

Was aus dem früheren Kinopalast in der Nikolaistraße wird, ist immer noch ungewiss. Hans-Joachim Flebbe, Eigentümer der Immobilie, hält sich unverändert bedeckt. „In zwei bis drei Monaten“ werde sich entscheiden, was mit dem ehemaligen Cinemaxx passiert, sagt er. Mehrere Projektentwickler arbeiteten derzeit an Konzepten für eine neue Nutzung des Gebäudes; diese Pläne müssten sich als inhaltlich und wirtschaftlich tragfähig erweisen. Denkbar sei, aus dem ehemaligen Cinemaxx ein Wohn- oder Bürogebäude zu machen – angesichts der vielen schrägen Ebenen ein ambitioniertes Unterfangen. Auch einen Umbau zum Kultur- und Veranstaltungszentrum hält Flebbe für möglich.

Am unwahrscheinlichsten ist es nach den Worten des Unternehmers, an gleicher Stelle – aber in kleineren Dimensionen als bisher – wieder ein Kino zu eröffnen. So träumen die Gastronomen in der Nachbarschaft von einem Luxuskino wie in Berlin. Doch Hans-Joachim Flebbe spekuliert eher über eine gänzlich gegenteilige Lösung: den Abriss der Immobilie mit dem markanten Eingangsrund.

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Am ehesten bemerkbar macht sich das Kino-Aus im Nikolaiviertel bei der Parkplatzsuche an einem Wochenendnachmittag: Man findet einen Stellplatz, sofort. Doch abends, wenn die Cocktailbar „Pancho“ oder die Wasserpfeifen- und Cocktailbar „Barracuda“ wieder einmal brechend voll sind, darf das Auto im Karree spazierengefahren werden, wie zu besten Cinemaxx-Zeiten. „Natürlich wäre es schön, wenn das Kino wiederkäme“, sagt Barmann Ali Duran. Aber dem „Barracuda“ seien die Stammgäste stets treu geblieben - und zum Glück gebe es ziemlich viele von ihnen.

Für eine andere Gruppe von Gastronomen gibt es allerdings nach dem Abschied des Kinos einstweilen kein Happy End: Es sind die Schnellimbiss-Läden wie das „Liebling Falafel“, denen das Zehn-Minuten-Publikum abhanden gekommen ist. „Der Mittagstisch läuft immer noch gut, aber unter dem Strich reichen die Umsätze nur noch zum Überleben“, bestätigt Piotr Mikolajczak, Chef des Mini-Italieners „Piccoli“. Aber wenigstens sehe es vor der tristen Kinoglasfront inzwischen sauber aus. Es türme sich hier kein Müll mehr wie noch im vergangenen Herbst. Und noch etwas stimmt den Wirt zuversichtlich - dass es bald wieder Sommer wird: „Wenn die Leute draußen sitzen können, laufen die Geschäfte auch wieder besser.“

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