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West Ökosiedlung zero:e wächst stetig
Hannover Aus den Stadtteilen West Ökosiedlung zero:e wächst stetig
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10:41 05.12.2014
Markant: Alle Häuser im zero:e-Park sind zweistöckig – diese Bauweise gilt als besonders energieeffizient. Quelle: Marcel Schwarzenberger
Hannover

Wettbergen. Es ist ein sonniger Novembertag. Nahe dem Spielplatz in der Südwestecke der Ökosiedlung zero:e übt der Nachwuchs der Ortsfeuerwehr. Ansonsten herrscht auf den Straßen des Neubaugebiets weitgehend Ruhe. Allerdings sind deutlich mehr Besucher als an anderen Wochenenden in dem Wohnviertel unterwegs: Die Gäste nutzen den Passivhaustag der Klimaschutzagentur der Region Hannover, um einmal einen Blick hinter die Kulissen des Projekts zu werfen, das als Gipfel der energieschonenden Bauweise gilt. Einige Baufirmen haben ihre Musterhäuser geöffnet. Aber auch Bewohner wie Robert Kauth und Thorsten Wiggers sind auf interessierte Gäste eingestellt.

Bei Familie Wiggers herrscht seit dem Vormittag Betrieb. Mehr als 25 Besucher werden Wiggers, seine Frau Saskia und sein Vater Jürgen an diesem Tag durch das zweistöckige Haus lotsen. Oben hat der Vater eine Einliegerwohnung. Die drei Generationen lebten vorher in zwei Mietwohnungen. Im Mai 2013 legte Thorsten Wiggers, ein Informatiker, den Grundstein für den Neubau in der Wettberger Ökosiedlung. Seit Februar dieses Jahres leben sie nun zu viert in dem neuen Heim.

Über Passivhäuser schwirren Legenden durch die Szene der Bauwilligen. Eine besagt, dass die Bewohner nicht richtig lüften könnten und im Sommer mit aufgeheizten Räumen zu tun hätten. „Wir regeln das Klima über eine Lüftungsanlage. Mit der sollte man sich schon etwas auskennen“, erklärt Wiggers. Aber sonst? Kein Problem, meint der Hausherr. Er könne jederzeit die Fenster öffnen. Aber er muss es nicht. Allenfalls versprüht die Familie dann und wann feine Wassertropfen - der besseren Luftfeuchte wegen. Nur im Sommer, das sei korrekt, müsse man mit der Sonne etwas aufpassen. Die Häuser im zero:e-Wohnpark sind nach Süden ausgerichtet und verfügen über große Fenster. Jalousien mildern dann die Sonneneinstrahlung. „Aber über Nacht verliert unser Haus kaum Wärme“, betont Wiggers. Bei Bedarf könne er in einigen Räumen am Morgen und im Winter eine Fußbodenheizung hinzuschalten. Seit Februar hat er das aber noch nie machen müssen. Auch jetzt, im November, heizt er noch nicht.

Wiggers - barfuß und im T-Shirt - steht im oberen Wohnzimmer, zusammen mit seinem Vater und Michael Link, einem Besucher. Link ist neugierig, will irgendwann vielleicht selbst bauen. Gern ein Passivhaus. „In einem normalen Haus musst du doch vieles manuell machen“, sagt er. Fenster auf, Fenster zu, Stoßlüften oder Dauerlüften, die Heizung nachregulieren. Im Vergleich dazu gehe es im Passivhaus letztlich auch nicht komplizierter zu.

Wiggers führt den Besuch in den Technikraum. Dicke Rohre ziehen sich über die Decke. Zwischen Regalen mit Vorräten sind technische Anlagen eingepasst. Dort liegt die Steuerzentrale für Lüftung und Strom. Die Luft wird über ein im Gartenboden verlegtes Rohr erwärmt oder gekühlt - je nach Außentemperatur. Es gibt Filter und Leistungsregler für den Luftstrom. Einmal eingestellt, regelt das Haus sein Klima praktisch allein. Strom produziert Familie Wiggers über eine Photovoltaikanlage auf dem Dach selbst. Was sie nicht selbst verbrauchen, lassen sie gegen ein Entgelt ins Stadtwerkenetz einspeisen. Nur für die sonnenfreien Stunden muss die Familie etwas Strom dazukaufen. Gefragt, ob sie noch einmal dort einziehen würde, sagt Saskia Wiggers: „Immer wieder. Ich liebe es hier.“

Ein paar Häuser weiter wohnt Robert Kauth, ein Softwareentwickler, mit seiner Frau Claudia und einer Tochter. „Sie findet problemlos Spielkameraden hier“, sagt die Mutter. Dann schweigt sie ganz bewusst für einen Moment. Es ist still im Haus. Keine schnarrende Technik, keine Pumpen. Nichts. Die Lüftung arbeitet leise. Im Inneren des Hauses - der Novembertag geht draußen in eine kühle Dämmerung über - herrschen gemütliche 25 Grad Celsius. Geheizt haben Kauths bisher auch noch nicht.

Während Familie Wiggers für ihr Haus Fertigteile aus Schaumstoff eingesetzt hat, wurden hier Holzrahmen, Lehmflächen und Dämmmaterial aus Hanf verbaut. Eine Solaranlage auf dem Dach sorgt nicht für Strom, sondern auch für warmes Wasser und für die Heizung. „Vorher wohnten wir in einem Haus zur Miete und hatten monatliche Heizkosten von rund 80 Euro - das fällt jetzt weg“, freut sich Kauth. Nur einen bestimmten Anteil an Strom müssten sie noch dazukaufen. Seit dem vergangenen Jahr wohnen Kauths im zero:e-Park und fühlen sich dort rundum wohl.

Eine Sorge haben sie dennoch, aber die hat nichts mit Passivhausstandards oder mit der Nachbarschaft zu tun - sondern mit dem zu erwartenden Autolärm von der geplanten Ortsumgehung für Hemmingen. Denn die neue Trasse für die Bundesstraße 3 wird in Hörweite an der Siedlung entlangführen.

Kasten 1:

Körperwärme der Bewohner, Sonneneinstrahlung, Abwärme von technischen Geräten: Solche passiven Wärmequellen haben Passivhäusern ihren Namen gegeben. Sie sollen weitgehend unabhängig von Energieträgern wie Kohle oder Gas sein. Der Name zero:e bedeutet „Null Energie“. Wer im zero:e-Park wohnen will, muss energieeffizienter bauen, als es die Energieeinsparverordnung (EnEV) sonst für Wohnhäuser vorsieht. „In Passivhäusern wird der Heizwärmebedarf um etwa 75 Prozent gegenüber einem EnEV-Haus reduziert“, erläutert Stadtsprecher Alexis Demos. Die Energieeinsparung ergibt sich durch den Einsatz von Photovoltaikanlagen (für Stromerzeugung), Solarthermie (für Warmwasser) und bestmögliche Wärmedämmung. Doch ganz ohne Energiezufuhr geht es nicht – die Häuser benötigen dann und wann eine zusätzliche Heizung. Und sie brauchen Strom, der nicht allein durch Sonnenkraft produziert werden kann. Für das gesamte Wohngebiet zero:e wurde mit einem jährlichen Bedarf von 1300 Megawattstunden für Heiz- und Stromenergie kalkuliert. Rein rechnerisch soll eine Kohlendioxid-Neutralität erreicht werden – dafür soll ein Ausgleichsprojekt jenseits des Wettberger Baugebiets geschaffen werden. Zu diesem Zweck wird an der Leine in Döhren ein Wasserkraftwerk geplant. mas

Kasten 2:

Gut 300 Wohneinheiten wird es im Neubaugebiet zero:e geben. Der Wohnpark gilt mit einer Fläche von rund 25 Hektar und seinen Energiestandards europaweit als Pionierprojekt. Die Stadt Hannover, das Bauunternehmen Meravis und die Niedersächsische Landgesellschaft entwickeln die drei Bauabschnitte. Sie sorgen im Verbund mit dem enercity-Fonds proKlima für die Einhaltung der Auflagen. Seit 2010 läuft die Vermarktung der Wohngebäude. Jeder Bauherr, der sich für den Wohnpark entscheidet, muss sich zuvor von der städtischen Klimaschutzleitstelle beraten lassen. Passivhäuser können im Vergleich zu herkömmlichen Häusern gut zehn Prozent mehr kosten. Dafür, so kalkuliert proKlima, erspart ein Passivhaus seinen Bewohnern im Schnitt rund 1000 Euro Energiekosten pro Jahr. Hinzu kommen weitere finanzielle Förderungen: Zusätzlich zum Kinder-Bauland-Bonus gewähren proKlima und die Kreditanstalt für Wiederaufbau insgesamt eine Summe von 10?000 Euro. Das Konzept kommt an. Bis 2018 wird das Wohngebiet weiter wachsen – es wird sogar einige Jahre früher fertig als geplant. Die ersten beiden Bauabschnitte sind fast vollständig bebaut. Die Arbeiten für den dritten Abschnitt mit 80 Einfamilienhäusern, 43 Reihenhäusern und zwei Doppelhaushälften haben bereits begonnen. mas

Von Marcel Schwarzenberg

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