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West Pfandkisten verschwinden aus Linden
Hannover Aus den Stadtteilen West Pfandkisten verschwinden aus Linden
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14:26 21.05.2014
Von Christian Link
„Kaum hat man eine Flasche reingestellt, ist sie schon wieder weg“: David Egbers findet das Projekt Pfandkiste gut.
„Kaum hat man eine Flasche reingestellt, ist sie schon wieder weg“: David Egbers findet das Projekt Pfandkiste gut. Quelle: Christian Link
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Hannover

Nach nur drei Wochen ist Schluss: Der Hamburger Limonadenhersteller Lemonaid hat die sogenannten Pfandkisten in Linden wieder abgehängt. Damit kam die Firma einer entsprechender Anordnung der Stadtverwaltung nach, die ansonsten die Getränkekisten kostenpflichtig entfernt hätte. Die Unterstützer der Aktion „Pfand gehört daneben“ wollen trotzdem weiter für das Projekt kämpfen. Schützenhilfe dazu gibt es aus der Politik.

Die etwa 20 Kisten waren Ende April im Bereich Limmerstraße, Küchengarten, Lindener Markt und Schwarzer Bär aufgehängt worden. Dort sollten sie den zahlreichen Pfandflaschensammlern die Arbeit erleichtern. „Denn Mülleimer nach Flaschen zu durchsuchen, ist gefährlich und erniedrigend“, sagt Theo Haustein von Lemonaid. Für die Pfandkistenaktion in Hannover hatte sie sich mit der Trinkwasserinitiative Viva con Agua und dem Verein Kumpanei zusammengetan.

Das Anbringen der Pfandkisten war allerdings bei der Stadt nicht angemeldet worden. „Eine ähnliche Aktion wurde 2012 schon mal an die Stadt herangetragen - und musste abgelehnt werden“, berichtet Stadtsprecher Dennis Dix. Die Gründe, die damals gegen das Projekt sprachen, würden auch heute noch gelten: Verletzungs- und Unfallgefahren durch Glasflaschen, „Einladung“ zum Vandalismus sowie mögliche Zweckentfremdung der Behälter für Abfall.

Die Grünen-Fraktion im Stadtbezirksrat Linden-Limmer hat auf das Verbot umgehend reagiert und bereits einen Antrag zur Legalisierung der Pfandkisten eingereicht. „Ich gehe davon aus, dass es eine Mehrheit dafür geben wird“, sagte Bezirksbürgermeister Rainer Grube vor der gestrigen Bezirksratssitzung. Bei Redaktionsschluss stand das Ergebnis der Abstimmung noch nicht fest.

Bei den Grünen ist die Aktion allerdings nicht ganz unumstritten, berichtet Grube. Einige Mitglieder stören sich an dem Lemonaid-Schriftzug auf den Pfandkisten. Deswegen will sich die Fraktion für neutrale Pfandkisten oder Pfandringe aussprechen, um die Initiative „Pfand gehört daneben“ in Hannover zu unterstützen. „Es ist eine willkommende Aktion für Menschen in Not, die an vielen Stellen hilft und niemandem schadet“, sagt Grube.

Linken-Ratsherr Oliver Förste und CDU-Fraktionschef Jens Seidel kündigten an, das Thema Pfandkiste im Rat erneut zur Sprache zu bringen. Dort war es 2012 auf Initiative der Linkspartei schon einmal behandelt worden. Ein entsprechender Antrag sowie ein CDU-Änderungsantrag scheiterten jedoch an der rot-grünen Mehrheit. Beide Ratspolitiker können die Argumente der Stadt gegen die Pfandringe nicht nachvollziehen. „Die Stadt hätte zumindest prüfen können, welche positiven und negativen Effekte das Projekt hat, bevor sie es verbietet“, kritisiert Seidel.

Die SPD-Ratsfraktion ist jedoch wohl nicht zu einem Sinneswandel bereit. „Das ist keine Maßnahme, um Armut zu bekämpfen“, sagt die sozialpolitische Sprecherin der Rats-SPD, Gudrun Koch. Das sei auch weiterhin die Meinung der SPD-Fraktion. „Die Nachteile überwiegen die Vorteile“, sagt Koch.

Christian Link 21.05.2014
Rüdiger Meise 21.05.2014
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