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West Polizei verhängt Verwarngeld gegen Tischtennisspieler
Hannover Aus den Stadtteilen West Polizei verhängt Verwarngeld gegen Tischtennisspieler
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02:16 15.04.2018
Tischtennisspieler wie Aydin Erdem (links) und Thomas Hildebrand (rechts) fühlen sich von der Polizei diskriminiert. Bei Kontrollen gegen Trinker und Drogensüchtige im Bereich der Spielfläche verhängten die Ordnungshüter auch gegen die Hobbyspielern Ordnungsgelder.  Quelle: Mario Moers
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 Spritzen im Sandkasten und Dealer auf dem Spielplatz: Eine ausufernde Drogenszene verdrängt auf der Faustwiese Familien und Freizeitnutzer, die üblicherweise die attraktive Fläche am Flussufer bevölkern. Bei ihrem Vorgehen gegen die Szene setzt die Polizei auf rigide Kontrollen und Verwarngelder – die allerdings nicht ausschließlich ihre Zielgruppe treffen. Wer über 18 Jahre alt ist, muss beim Tischtennisspielen möglicherweise mit Strafen rechnen.

Pauschalverdacht?

Hobbyspieler, die seit zehn Jahren die Platten auf der Wiese nutzen, beklagen nun, dass die Ordnungshüter nicht ausreichend zwischen den verschiedenen Besuchern unterscheiden. „Die Probleme kamen mit den Drogenhändlern“, klagt Aydin Erdem. Der Taxifahrer aus Ahlem trifft sich seit fast zehn Jahren regelmäßig mit Freunden an zwei Tischtennisplatten auf der Wiese. „Wir sind eine lockere Gruppe mit ganz unterschiedlichen Hintergründen“, sagt er.  „Mit den Jahren ist das hier ein wichtiger sozialer Treffpunkt für uns geworden“, pfichtet ihm sein Mitspieler Thomas Hildebrand bei. Der Ergotherapeuth hat meistens einen Schläger im Gepäck, wenn er seine Tochter vom angrenzenden Kinderladen abholt.

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Die grauen Steinplatten, neben denen auch ein paar Sitzbänke stehen, liegen etwas Abseits des Spielplatzes Stärkestraße-Nord. Eine dichte Hecke schützt vor Wind und schafft so eine kleine Nische. Die zieht in den letzten Jahren immer mehr Alkoholiker, Dealer und Junkies an. „In Ruhe zu Spielen ist dann manchmal kaum mehr möglich“, sagt Erdem. Er und seine Freunde hatten deshalb auch Verständnis, wenn Parkranger bei ihren Kontrollen nach dem rechten sahen. Kein Verständnis haben sie dagegen für die Ausweiskontrollen und das Verwarngeld (30 Euro), das die Polizei gegen sie verhängte, als sie zwischen den Trinkern und Junkies Tischtennis spielten. Der Flächennutzungsplan weist die Platten als Teil des Platzes aus. Laut Spielplatzordnung ist Erwachsenen der Aufenthalt demnach ausschließlich gestattet, wenn sie Eltern oder Betreuer sind. 

„Wenn den Beamten bei der Kontrolle ein Verstoß auffällt, müssen wir das aufgreifen“, sagt Polizeisprecher André Puiu. Ein Argument, dass nicht nur aus Sicht der Hobbyspieler nicht greift. „Das eigentliche Problem sind die Dealer und dass bei den Kontrollen nicht Unterschieden wird“, findet Kathrin H., deren Tochter in den angrenzenden Kinderladen geht. 

„Das kleinste Problem“

Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube (Die Grünen) findet die Kritik unangebracht. „Ich bin froh, dass dort kontrolliert wird. Die Tischtennisplatten sind das kleinste Problem, was wir dort haben“, verteidigt er energisch das Vorgehen gegen die Dealer. 

Erdem hat gegen sein Verwarngeld Widerspruch bei der Stadt eingelegt. Die Ordnungswidrigkeit wurde zurückgenommen. Er musste nicht zahlen. Als Lösung empfinden er und seine Mitspieler diese Entscheidung nicht. „Die Tischtennisplatten sind öffentlich. Es kann nicht sein, dass man sich dort von Dealern und nun auch der Polizei verdängen lassen muss“.

Von Mario Moers