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West Protest gegen Asphaltierung ist erfolgreich
Hannover Aus den Stadtteilen West Protest gegen Asphaltierung ist erfolgreich
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18:54 14.05.2015
Von Juliane Kaune
Heinz Hermann Sänger wohnt seit 1948 in der Rampenstraße 10a. Nun wollte die Stadt das Pflaster gegen Asphalt austauschen – wogegen Sänger und etliche andere Anwohner sich erfolgreich gewehrt haben. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
Hannover

Seit 67 Jahren wohnt Heinz Hermann Sänger im gleichen Haus in der Rampenstraße 10a. In der Wohnung im zweiten Stock ist er aufgewachsen. Von dort aus sieht er täglich auf die alten Kastanien. Es sind immer noch die gleichen, unter denen der heute 72-Jährige als kleiner Junge gespielt hat. In den vergangenen Wochen sorgte Sänger sich sehr, dass die etwa neun Jahrzehnte alten Bäume Schaden nehmen könnten. Denn die Stadt wollte die Rampenstraße von Grund auf erneuern, das historische Kopfsteinpflaster sollte durch Asphalt ersetzt werden. Doch das ist jetzt vom Tisch: Der Bezirksrat Linden-Limmer hat in seiner jüngsten Sitzung fraktionsübergreifend gefordert, bei der Erneuerung der Rampenstraße die Pflastersteine beizubehalten. Und in diesem Fall liegt die Entscheidungsbefugnis bei dem Stadtteilgremium.

Mit seinen Sorgen stand Sänger nicht allein. Der Großteil der Grundstückseigentümer in der Rampenstraße wehrte sich gegen die 400.000 Euro teuren Sanierungspläne der Verwaltung, an denen die Hausbesitzer mit bis zu 70 Prozent der Kosten beteiligt werden. Sie hatten sich bereits Ende März gegen eine Asphaltierung in der Rampenstraße ausgesprochen. Nicht nur wegen der Kastanien. Mit einem Straßenbelag aus Bitumen, so kritisierten sie, würde das typische Erscheinungsbild der durch Häuser aus den Dreißigerjahren geprägten Straße zerstört. Diese Argumente hatten Erfolg - wie das Votum des Bezirksrats zeigt.

In der Sitzung des Gremiums machten die Eigentümer ihrem Ärger noch einmal Luft. „Die Kastanien nehmen Schaden, wenn tonnenschwere Baufahrzeuge anrücken“, erklärte Sänger. Zudem sei die offene Pflasterstruktur für die Baumwurzeln ideal, weil dadurch Regenwasser in den Boden sickere. Eine Asphaltdecke verhindere das. Peter Hoffmann-Schoenborn bekräftigte die Argumente im Namen von fünf Eigentümergemeinschaften mit 55 Mietparteien.

Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Verwaltung für Asphalt plädiere, um eine bessere Verbindung für Radfahrer zu schaffen, sagte er. Parallel zur Rampenstraße verlaufe in der nur zehn Meter entfernten Grünanlage ein Weg, der von Radlern wie von Fußgängern genutzt werde. „Vielleicht will die Stadt auch eine Billiglösung mit Bitumen, weil sie dort selbst stärker an den Kosten beteiligt wäre“, mutmaßte Hoffmann-Schoenborn. Der an die Nordseite der Rampenstraße angrenzende Park ist ein städtisches Grundstück; auf dieser Seite stehen keine Häuser, deren Eigentümer die Baukosten mittragen müssten.

Tiefbauamtsleiter Andreas Bode, der in der Bezirksratssitzung zu Gast war, ließ sich nicht beirren. Die Stadt halte den Asphalt nach wie vor für die beste Alternative, sagte er. Und er stellte klar: „Die Bäume sprechen nicht gegen eine solche Befestigung der Straße.“ Das sei geprüft worden. Sänger und Hoffmann-Schoenborn wiederum bemängelten, dass in den Unterlagen, die die Verwaltung zur Verfügung gestellt hat, eine Stellungnahme des Fachbereiches Umwelt und Stadtgrün zu einer möglichen Gefährdung der Kastanien fehle.

Mit der Entscheidung des Bezirksrats Linden-Limmer aber steht nun fest, dass die Stadt die Wünsche der Anlieger akzeptieren muss - und die Rampenstraße ihren Charakter behält. Allerdings wird das für die Grundstückseigentümer teurer: Das alte Kopfsteinpflaster zu erneuern kostet laut Bode 20 bis 30 Prozent mehr als eine Asphaltdecke.

Konkordiastraße behält Kopfsteinpflaster

In der Konkordiastraße hat die Stadt ihre ursprünglichen Pläne nach Anwohnerprotesten aus eigenem Antrieb noch einmal verändert – ohne dass der Bezirksrat sich einschalten musste. Das Kopfsteinpflaster in der durch denkmalgeschützte Arbeiterhäuser geprägten Straße wird nun erhalten, statt es durch eine Asphaltdecke auszutauschen. Auch bei der Schwalenberger Straße waren die Beschwerden der Eigentümer erfolgreich: Die Verwaltung hat die Straße jetzt als „Innerortsstraße“ klassifiziert und nicht mehr als „Anliegerstraße“. Dadurch sinken die Ausbaubeiträge, die die Grundstücksbesitzer zahlen müssen, von 75 Prozent auf eine Spanne zwischen 40 und 70 Prozent.

Insgesamt sieben Straßen in Linden-Mitte stehen im aktuellen Sanierungsprogramm. Die Dieckbornstraße, die Elsa-Brändström-Straße, die Bernhard-Caspar-Straße und die Badenstedter Straße zwischen dem Bauweg und den Häusern Nummer 54/56 sollen, wie von der Verwaltung vorgeschlagen, erneuert werden. Bei der Badenstedter Straße soll auf Wunsch der Anlieger auch der Rad- und Fußweg mit in Angriff genommen werden. Der Bezirksrat Linden-Limmer billigte die überarbeiteten Pläne und wünscht sich zudem zwei Bäume für die Dieckbornstraße.

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