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West Mehr Schutz für Häuser am Ricklinger Stadtweg
Hannover Aus den Stadtteilen West Mehr Schutz für Häuser am Ricklinger Stadtweg
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14:00 23.06.2018
Mehr Schutz für historische Häuser Bezirksrat stimmt Erhaltungssatzung für den ganzen Ricklinger Stadtweg zu.
Mehr Schutz für historische Häuser Bezirksrat stimmt Erhaltungssatzung für den ganzen Ricklinger Stadtweg zu. Quelle: Fotos: Schwarzenberger (2)
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Ricklingen

Das ist bislang einzigartig in Hannover: Die Stadt will mit dem Ricklinger Stadtweg erstmals einen kompletten Straßenzug unter besonderen Schutz stellen. Mit einer sogenannten Erhaltungssatzung will die Bauverwaltung das historische architektonische Ambiente bewahren. Einbezogen werden soll die gesamte Straße vom Fischerhof im Norden bis zur Beekestraße im Süden. „In Hannover ist so etwas ein Novum“, sagte Stadtplanerin Eva Ehrenberg-John in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Ricklingen. Das Gremium stimmte dem Ansinnen einhellig zu, allerdings müssen die Ratsgremien noch endgültig entscheiden. Eine solche Satzung hat erhebliche Auswirkungen auch auf die Eigentümer der Gebäude.

Gut 100 Jahre und älter sind die Gebäude, die die Stadt mit ihrem Schritt schützen will. Die städtebauliche Eigenart solle bewahrt bleiben, heißt es in der Satzung. Klassischen Denkmalschutz kann die Gemeinde damit nicht durchsetzen. Sie kann aber beispielsweise sämtliche Neubau- oder Abrissvorhaben unter einen gesonderten Genehmigungsvorbehalt stellen. Genau das ist ein wichtiger Schwerpunkt auch am Ricklinger Stadtweg.

Erhalten will die Stadt vor allem die ursprünglichen Fassaden und Dachformen. Die prägenden Eckgebäude an Straßeneinmündungen sollen genauso bewahrt bleiben wie die zahlreichen Ladenlokale in den Erdgeschossen. Anders gesagt: Wer Läden zusammenlegen, Fassaden umgestalten oder andersartige Fenster einbauen will – der braucht für diese und andere Vorhaben gesonderte Genehmigungen. Die Stadt will darauf achten, dass das klassische Straßenbild erhalten bleibt, und verschärft über die Erhaltungssatzung auch die Auflagen für Eigentümer.

Mehraufwand für Eigentümer

Gut zwei Jahre hat die Verwaltung an der Satzung gearbeitet. Der Auftrag dazu geht auf einen CDU-Antrag im Jahr 2016 zurück. Die Christdemokraten forderten damals, dass „bau- und kulturhistorisch wertvolle Gebäude“ erhalten bleiben sollen. Der Bezirksrat folgte dem Antrag einstimmig. Vor Augen hatten die Antragsteller unter anderem Umbauarbeiten an einem Haus am südlichen Stadtweg. Sie kritisierten, dass die Eigentümer eine historische Backsteinfassade unter einer neuen Wärmedämmschicht verschwinden ließen. Das sei ein Verlust, befanden die Politiker.

Für Hauseigentümer und Ladeninhaber können die neuen Vorschriften erheblichen Mehraufwand bei ihren Vorhaben bedeuten. Für die Stadt kann die Satzung ebenfalls Konsequenzen haben: Wenn Eigentümer aus wirtschaftlichen Gründen umbauen wollen, ihnen aber die Auflagen nicht zuzumuten sind, müsste die Kommune im Notfall als Käufer der Grundstücke einspringen. Auf solche Extreme wollen es die Bezirksratsfraktionen allerdings nicht ankommen lassen. Man erwarte von der Verwaltung „flexibles Handeln“, unterstrich Michael Dette (Grüne). Mit Augenmaß sollten die Vorschriften angewendet werden. „Auch die Kaufleute müssen dort ihr Auskommen finden können.“

Bisher kaum Denkmalschutz

Expressionistisch und markant – das sind Attribute für das Klinker-Torhaus am Ricklinger Stadtweg 50/52. Das 1927 erbaute Ensemble ist das einzige Gebäude, das entlang der Flaniermeile unter Denkmalschutz steht. Markant aber sind auch zahlreiche Häuser aus dem ausgehenden 19. und dem beginnenden 20. Jahrhundert. Gründerzeit und Jugendstil prägen die Wohn- und Geschäftshäuser an der Ricklinger Hauptschlagader. Diese architektonische Vielfalt soll mit der Erhaltungssatzung geschützt werden. Bislang hatte die Stadt allenfalls einzelne Ensembles – zum Beispiel am Altenbekener Damm in der Südstadt – unter eine Erhaltungssatzung gestellt.

Von Marcel Schwarzenberger