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West Skatehalle muss zum Monatsende schließen
Hannover Aus den Stadtteilen West Skatehalle muss zum Monatsende schließen
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17:34 04.12.2014
Von Juliane Kaune
Jan-Philipp Taticek springt mit seinem Roller über ein Hindernis in der Yard Skatehalle. Quelle: Tobias Kleinschmidt
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Hannover

Badenstedt. Schlechte Nachricht für viele Skateboard-, BMX- und Scooter-Fahrer in Hannover: Eine Rettung der letzten überdachten Skatehalle der Stadt ist gescheitert - die Halle Yard in Badenstedt muss zum Monatsende schließen. Der Vermieter hat dem Betreiberverein gekündigt, weil dieser Mietschulden von 26 000 Euro angehäuft hatte.

Zuletzt hatten die Nutzer noch Hoffnung, dass eine Lösung gefunden wird. Durch eine Spendenaktion und externe Sponsoren hätten die Schulden beglichen werden können. Doch auf dieses Angebot ließ sich der Vermieter, der dem Verein schon mehrfach finanziell entgegengekommen war, nicht mehr ein. „Das ist ein Schock für uns. In der Halle hat viel, viel Arbeit gesteckt. Jetzt müssen wir erst mal gucken, wie es weitergeht“, sagt Nils Schmeling, Vorsitzender des Vereins zur Förderung von Jugendkultur und Sport, der die Halle bisher betrieben hat.

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Seit der Schließung der Campo-Arena in Anderten 2009 war die Yard Skatehall die letzte Halle in der Stadt, in der junge Leute mit Skateboards, BMX-Rädern oder den Tretrollern Scooter fahren konnten. Im kommenden Winter wird es somit keinen überdachten Platz mehr für die Freizeitsportler geben, an dem sie sich treffen können - die nächstgelegene Halle steht in Braunschweig. Schmeling geht davon aus, dass es mindestens zwei Jahre dauern wird, bis in Hannover neue Räume gefunden sind und ein neues wirtschaftliches Konzept für eine Halle vorliegt.

Seit 2002 hatte der Verein die Halle fast ausschließlich mit ehrenamtlichen Helfern betrieben - und daraus ergaben sich Probleme. „Im vergangenen Sommer hatte ein Großteil der Ehrenamtlichen einen Durchhänger“, sagt Schmeling. Mit der Folge, dass die Halle häufig geschlossen bleiben musste und die dringend benötigten Einnahmen aus dem Verlauf der Tagestickets ausblieben. Der Betrieb der Halle finanzierte sich überwiegend aus diesen 5 Euro teuren Tickets sowie den Monatsbeiträgen der rund 60 Mitglieder des Vereins.

Fünf Monatsmieten konnte der Verein nicht zahlen - und bat schließlich die Stadt um Hilfe. Die Verwaltung stellte eine Hilfskraft ein, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolviert. Die FSJ-Kraft sorgte fortan dafür, dass die Skatehalle tatsächlich täglich öffnen konnte. Die Schulden blieben trotzdem. Als dann noch eine größere Steuernachzahlung hinzukam und eine seit 2009 vereinbarte, aber vom Verein vergessene Mieterhöhung wirksam wurde, wurde es immer enger für die Yard Skatehall. Anfang des Monats kündigte der Vermieter dem Verein schließlich. Im vergangenen Jahr hatte er diesem bereits alle Schulden erlassen, die vor dem Jahr 2013 entstanden waren - nach seinen Angaben eine Summe von rund 80 000 Euro. Bis zum Ende des Monats hat der Verein nun Zeit, die Halle zu räumen.

„Die Reaktion des Vermieters ist nicht unverständlich“, sagt Schmeling. „Zu uns war er immer kulant. Mündlich haben wir die Zusage, dass er es dabei belässt und keine weiteren Ansprüche erhebt.“ Schmeling hat sich seit vier Jahren in dem Verein engagiert, Rampen und andere Sprungelemente gebaut; in diesem Januar wurde er zum ersten Vorsitzenden gewählt. Bereits 2010 hatte der Verein mit Problemen zu kämpfen: Im Herbst wurde die Halle nach einem Skaterunfall für mehrere Monate geschlossen und konnte erst nach einem Umbau nach neuen sicherheitstechnischen Standarts im Februar 2011 wiedereröffnet werden.

Das sofortige Aus bedeutet für den Verein nun einen großen wirtschaftlichen Schaden. Die Rampen und Hindernisse sind individuell an die Halle angepasst; sie könnten an einem neuen Ort kaum genutzt werden. Auch für die junge Besucher - nach Angaben des Vereins sind es bis zu 8000 im Jahr - ist die Schließung schwer zu verkraften. „Ich weiß gar nicht, was ich jetzt im Winter machen soll“, sagt etwa Genabe Diallo. Die 13-jährige Schülerin verbringt in den Sommerferien jede freie Minute in der Halle - wie viele andere Jugendliche auch. „Wahrscheinlich muss ich dann mein ganzes Taschengeld zusammenkratzen, um in eine andere Halle außerhalb der Stadt zu kommen. So häufig wie jetzt kann ich dann aber nicht mehr fahren“, meint die Schülerin.

Auch Schmeling bedauert das Ende der Halle. „Man muss aber auch sehen, dass eine Skatehalle für einen Verein so nicht tragbar ist. Ohne finanzielle Unterstützung würde ich das nicht noch einmal machen“, bilanziert der Vorsitzende, der selber BMX-Fahrer ist. Lust und Energie, etwas Neues aufzubauen und noch einmal bei Null anzufangen, hat er trotzdem. Dafür will Schmeling unter anderem Gespräche mit der Stadt führen. Die Verwaltung wollte sich auf Anfrage des Stadt-Anzeigers aktuell nicht zu der Schließung der Halle äußern.

Jörn Kießler 04.12.2014
04.12.2014
04.12.2014