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West Sorge um das Ohnesorg
Hannover Aus den Stadtteilen West Sorge um das Ohnesorg
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12:05 06.02.2014
Von Rüdiger Meise
Versteckt: Im Erdgeschoss des Hauses liegt das Café Ohnesorg, im ersten Stock das Fotoatelier Fricke. Beide sind von der Gerüstplane verhüllt.Meise
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Linden-Süd

Linden-Süd. Seit März 2013 ist das Haus am Schwarzen Bär verhüllt. Die Stadt hatte vor knapp einem Jahr das Gebäude einrüsten lassen, weil faustgroße Steinbrocken von der Fassade auf den Gehweg gestürzt waren. Passanten hatten damals die Feuerwehr alarmiert. „Es war Gefahr im Verzug“, sagt Stadtsprecher Alexis Demos. Der Eigentümer des Hauses war damals nicht zu erreichen gewesen.

Inzwischen hat die Stadt den Besitzer ermittelt. Dem Vernehmen nach handelt es sich um einen Privatmann im Ausland. Die Stadt verhandele mit dem Eigentümer darüber, wie die Fassade zu sichern ist, sagt Demos - und offenbar gestalten sich die Gespräche zäh und langwierig. Weil die Fassade unter Denkmalschutz steht, stellt die Stadt besondere Anforderungen an die Sanierung. Ein Ende der Verhandlungen sei derzeit nicht abzusehen, sagt Demos.

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Für Kadir Elveren, Betreiber des Café Ohnesorg im Erdgeschoss des Gebäudes, ist das keine gute Nachricht. Im Februar 2013 hat er das Café eröffnet, wenige Wochen später war es von Fangnetzen und Planen verhüllt. Seitdem verdecken Gerüstpfosten den Eingang, und Laufböden in gut zwei Metern Höhe schlucken einen guten Teil des Lichts, das eigentlich durch die Panorama-Schaufenster fallen sollte. „Kaum jemand hat bislang gesehen, wie der Laden wirklich aussieht“, sagt Elveren.

Direkt nach der Aufstellung des Gerüsts sei der Umsatz in dem innovativ gestalteten Café stark zurückgegangen. „Wir hatten keine Gelegenheit, uns zu etablieren und haben daher keine treuen Stammgäste, die uns durch diese Durststrecke helfen“, sagt Elveren. Den Verlust des Cafés beziffert der Gastronom, der auch das Restaurant Mio Mio in der Deisterstraße betreibt, auf rund 20 000 Euro. „Das Gerüst macht mich fertig“, sagt er.

Besonders schmerzhaft war für Elveren die schwache Außengastronomie in den warmen Monaten. Das Gerüst verdüsterte die Atmosphäre vor dem Ohnesorg, Tische und Stühle standen im Schatten und waren von flatternden Planen umgeben. „Ständig läuft Wasser am Gerüst und an der Fassade hinab.“ Sollte das Gerüst auch im kommenden Sommer noch stehen, habe er „ein echtes Problem“, sagt Elveren.

Umsatzeinbußen verzeichnet auch Klaus Fricke, der seit 35 Jahren im ersten Stock ein Fotostudio betreibt. Sein Geschäft ist praktisch nur noch an der Werbung im Hauseingang zu erkennen. Vom Tageslicht dringt nicht mehr viel in seine Atelierräume - Planen verdecken den Ausblick auf den Schwarzen Bär. Manche Leute rieten ihm bereits, umzuziehen, sagt Fricke. Aber er bleibt dem Haus mit der Nummer 7 treu. „Ende der siebziger Jahre wurde ich auch gedrängt, ins Ihmezentrum zu ziehen“, sagt er mit stoischer Ruhe. „Das wäre ein Fehler gewesen.“

Rüdiger Meise 05.02.2014
Rüdiger Meise 08.02.2014