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West Stadt erkennt keine Gentrifizierung
Hannover Aus den Stadtteilen West Stadt erkennt keine Gentrifizierung
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11:55 02.02.2012
„Eine bessere Welt für alle“, lautet ein verblichener Spruch an der Tür des Hauses in der Limmerstraße 98. In einer Protestaktion gegen Veränderungen im Stadtteil war es im Juni 2011 von Linksaktivisten besetzt worden. Quelle: Schwarzenberger
Linden-Nord

Stehen Geringverdiener in Linden vor einer Verdrängungswelle, weil immer mehr Besserverdiener in die drei Stadtteile ziehen? Vor allem für Linden-Nord sagen kritische Beobachter einen Wandel voraus, der sich unter anderem in einem teureren Wohnumfeld bemerkbar machen könnte. „Nun ist also auch Hannover-Linden bedroht“, schreibt der Holzmindener Sozialwissenschaftler Andreas Thiesen in der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Die Stadt sieht das anders: „Auf Grundlage der Fakten können wir eine Gentrifizierung nicht feststellen“, sagte Magdalena Kaiser vom städtischen Fachbereich Stadtentwicklung jüngst beim Neujahrsfest des Vereins „Lebendiges Linden“. Sie zog unter anderem die Ende 2011 erschienene Erhebung „Wohnen in Hannover“ heran. Bei einer repräsentativen Umfrage hatte die Stadt rund 34 000 Bürger befragt.

Für Hannoveraner auf Wohnungssuche seien Stadtteile wie die List (neun Prozent der Suchenden) oder die Südstadt (acht Prozent) weitaus gefragter als etwa Linden-Nord (zwei Prozent), sagte Kaiser. Zudem sei die Bevölkerungsstruktur in großen Teilen stabil: In Linden-Nord leben 25 Prozent der Bewohner länger als 20 Jahre in ihrem Viertel; ähnlich hoch sind die Zahlen für Linden-Mitte und Linden-Süd.

Für jene, die eine Gentrifizierung fürchten, ist der Anteil leer stehender Wohnungen ein wichtiges Indiz: Ein geringer Leerstand bedeutet eine hohe Nachfrage, was sich negativ auf Mietpreise auswirken kann. Aber auch hier sieht die Stadt wenig Grund zur Sorge. Die Leerstandsquote – also der Anteil der Wohnungen, die mindestens drei Monate lang unbewohnt sind – beträgt stadtweit 2,9 Prozent. In Linden-Nord liegt sie mit 2,2 Prozent etwas darunter; in Linden-Mitte und Linden-Süd ist der Leerstand sogar noch etwas höher als der Durchschnitt.

Bleibt die Entwicklung der Kaltmiete je Quadratmeter: „Ein Mietanstieg bei Neuvermietungen ist in gewissem Umfang gegeben, liegt aber in einem durchschnittlichen Niveau“, sagte Kaiser. Im Schnitt müssten Hannovers Bürger 6,19 Euro je Quadratmeter ausgeben. Den gleichen Preis erzielen auch Vermieter in Linden-Nord. Die durchschnittlichen Kaltmieten liegen in Linden-Mitte (6,12 Euro) und Linden-Süd (5,98 Euro) sogar etwas unter dem Durchschnitt. In Einzelfällen seien negative Entwicklungen nicht auszuschließen, sagte Kaiser. „Sie sind aber nicht charakteristisch für die Lindener Stadtteilentwicklung.“

Der Soziologe Daniel Gardemin ist Sprecher der Lindener Grünen, die im vergangenen Herbst eine Bürgerversammlung zum Thema Gentrifizierung organisierten. Er hat sich die Zahlen angeschaut und zieht ganz andere Schlüsse. Nach wie vor sieht er für Linden-Nord und Linden-Süd die Gefahr einer „bevölkerungsverdrängenden Gentrifizierungsbewegung“, bei der Menschen mit niedrigeren Einkommen das Nachsehen hätten. Immerhin zählen die Lindener Stadtteile zu den Wohngebieten mit den meisten Empfängern staatlicher Sozialleistungen.

Anzeichen für diese Entwicklung sieht Gardemin unter anderem in der von ihm als „stark unterdurchschnittlich“ bewerteten Leerstandsquote. „Die hohe Wohnungsnachfrage zieht eine überdurchschnittliche Mietentwicklung nach sich.“ Tatsächlich stiegen in Linden-Nord die Kaltmieten laut Erhebung seit 2007 um 9,6 Prozent (Linden-Süd: 8,7 Prozent); der städtische Durchschnitt liegt mit einer Steigerung um 6,7 Prozent deutlich niedriger. Das sind sogar höhere Zahlen als jene, die Gardemin noch im Herbst vorgelegt hatte. Einem solchen Mietpreisdruck könne ein großer Teil der Bevölkerung auf Dauer kaum standhalten. „Insofern sehe ich keine Entwarnung, sondern eher eine Bestätigung“, sagte Gardemin.

Marcel Schwarzenberger

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