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West Streit um Bauprojekt in der Velberstraße
Hannover Aus den Stadtteilen West Streit um Bauprojekt in der Velberstraße
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10:15 05.12.2014
Von Juliane Kaune
 Die Lücke in der Velberstrasse in Linden-Nord soll bebaut werden. Quelle: Jan Philipp Eberstein
Hannover

Über die künftige Bebauung des städtischen Grundstücks in der Velberstraße 4 ist ein heftiger Streit entbrannt. Bisher wird die Baulücke als provisorischer Parkplatz für den Stadtteil genutzt. Nun will die Wohnungsgenossenschaft Ostland, Sieger einer von der Stadt gestarteten Ausschreibung, auf dem Areal ein Wohnhaus mit Tiefgarage errichten. Und diese Pläne haben in der vergangenen Sitzung des Bezirksrats Linden-Limmer einen Eklat ausgelöst. „Mit der Entscheidung der Verwaltung für das Ostland-Projekt wird das Votum des Bezirksrats missachtet“, wetterte SPD-Fraktionschef Eike Geffers. Er stellte klar, dass seine Fraktion den Plänen so nicht zustimmen werde. Die Sozialdemokraten ließen die eigentlich zu dem Thema vorgesehene Anhörung platzen - und die Vertreter der Genossenschaft konnten ihr Vorhaben nicht vorstellen.

Schon seit Jahren wird in Linden-Nord über die Baulücke in der Velberstraße kontrovers diskutiert. Lange hatte der Bezirksrat daran festgehalten, auf dem Gelände ein Stadtteilparkhaus zu errichten - und dabei auch die Geschäftsleute in der Limmerstraße im Blick gehabt, die sich mehr Stellflächen für ihre Kunden wünschten. Doch dieses Ansinnen musste schließlich zu den Akten gelegt werden, weil sich kein Investor für ein solches Projekt fand.

Anfang 2013 schwenkten die Politiker um und stimmten einer Änderung des Bebauungsplans zu, die eine kombinierte Lösung aus Wohnen und Parken vorsieht - wobei die Stellplätze für den Stadtteil nicht mehr kostenfrei geblieben wären. Entsprechend hatte die Stadt ihre an Baugruppen und Wohnungsgenossenschaften gerichtete Ausschreibung formuliert, mit der das Gelände in der Velberstraße zum Kauf angeboten wurde. Ziel der Planungen: ein fünfgeschossiges Wohnhaus mit Stadtteilparkplätzen in zwei möglichen Varianten.

Variante eins sieht im Erdgeschoss Gewerbe vor. In einer Tiefgarage sollen etwa 40 Stellflächen für den Stadtteil sowie die Parkplätze für die Hausbewohner untergebracht werden. Diese würden überwiegend an die Nutzer vermietet. In Variante zwei dagegen ist das gesamte Erdgeschoss für öffentliche, stundenweise nutzbare Kurzzeitstellplätze reserviert; nur die Parkplätze für die Bewohner sollen in einer Garage verschwinden. Dieses Konzept, das machte SPD-Mann Geffers deutlich, hätte am ehesten dem Bezirksratsbeschluss aus dem vergangenen Jahr entsprochen. Offenbar war diese Alternative für Investoren aber nicht attraktiv, bautechnisch zu komplex oder zu kostspielig. Keiner der sieben Bewerber der Ausschreibung habe eine Planung für die zweite Variante abgegeben, sagte Stadtsprecher Dennis Dix auf Anfrage des Stadt-Anzeigers.

Das Ostland-Konzept sieht eine Kinderkrippe im Erdgeschoss vor, einen begrünten Innenhof ohne Parkplätze und eine Anbindung an die nicht erschlossene Tiefgarage auf dem Nachbargrundstück in der Velberstraße 2. Unterirdisch sind Car-Sharing-Plätze geplant, optional in Verbindung mit Elektrofahrzeugen. Einziehen soll in den Komplex eine sogenannte Wohngruppe mit mehreren Mietparteien, die sich gemeinsam für das Projekt entschieden hat. Weitere Details wollte Ostland-Vorstand Andreas Wahl auf Anfrage nicht preisgeben. Er verwies darauf, dass erst der Bezirksrat ausführlich informiert werden müsse - was wegen der geplatzten Anhörung noch nicht geschehen ist. Mit Blick auf die Kritik der SPD konnte er sich eine Bemerkung nicht verkneifen: „Laut Ausschreibung sollte kein Parkhaus mit Wohnungen gebaut werden, sondern ein Wohnhaus mit Parkplätzen.“

SPD-Fraktionschef Geffers warf der Stadt in der jüngsten Bezirksratssitzung vor, das Vergabeverfahren nicht transparent genug gestaltet zu haben. So sei nicht ersichtlich, warum die Ostland den Zuschlag erhalten habe und nicht die Genossenschaft Selbsthilfe Linden, die ebenfalls ein Angebot abgegeben hat. Enttäuscht von der Entscheidung der Stadt zeigte sich in der Bürgerfragestunde auch Kurt Stieglitz von der Projektgruppe „Wohnidee“, die sich zusammen mit der Selbsthilfe Linden für den Neubau in der Velberstraße beworben hatte und die Wohnungen mieten wollte. „Verglichen mit der Ostland beinhaltet unser Konzept zehn Stellplätze mehr für den Stadtteil“, sagte Stieglitz. Weil die Bewohner des Hauses im Innenhof parken sollten, sei in der Garage mehr Platz für Stellflächen, die dem Quartier zugute kämen.

Architekt Gerd Nord, Vorstand der Selbsthilfe Linden, erklärte auf Anfrage des Stadt-Anzeigers: „Offenbar wurde unser Konzept bei der Stadt nicht richtig verstanden.“ So sei unter anderem nicht berücksichtigt worden, dass die Selbsthilfe ein Drittel öffentlich geförderten Wohnungsbau vorgesehen habe. Die Gründe für die Ablehnung habe die Verwaltung bisher nicht deutlich gemacht: „Die Transparenz ist nicht gegeben.“ Auch Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube (Grüne) kritisierte die Informationspolitik der Stadt. „Nicht mal ein Stück Papier“ habe zur vergangenen Sitzung vorgelegen. Was nicht ganz stimmt: Eine Kurzfassung des Ostland-Projekts war den Drucksachen beigeheftet. Grube findet es „bedauerlich, dass nun zwei Baugruppen und Genossenschaften gegeneinander ausgespielt werden.“

Bis zur Bezirksratsitzung am 26. November will die Stadt zur Klärung beitragen: Die Politiker sollen rechtzeitig alle Unterlagen zum Vergabeverfahren erhalten. Das beruhigte Geffers nicht. „Die Verwaltung wollte das Grundstück schnellstmöglich verkaufen, ohne den Bezirksrat hinreichend einzubinden“, sagte er. Stadtsprecher Dix kontert: „Der Wert der Immobilie liegt auf dem Niveau, das der Rat für Geschäfte der laufenden Verwaltung festgelegt hat. Eine Beteiligung war daher nicht notwendig.“ Die Stadt hätte sogar auf einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan verzichten können. Der Bezirksrat sei allein „aus Gründen der Transparenz“ beteiligt worden.

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