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West Wenig Unterstützung für Suppenküche
Hannover Aus den Stadtteilen West Wenig Unterstützung für Suppenküche
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08:57 13.12.2011
Von Mathias Klein
 In der Suppenküche in der Rampenstraße fehlt die Unterstützung durch das DRK. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Obwohl der Ortsverein West mit ehemals etwa 1800 Mitgliedern zu den größten in Hannover gehörte und jährlich rund 90.000 Euro Mitgliederbeiträge kassiert hat, blieb der Suppenküche eine Summe von unter 10.000 Euro, berichtet ein ehemals engagiertes DRK-Mitglied. Das Rote Kreuz in Hannover steht seit einiger Zeit in der Kritik; der Ortsverbandsvorstand hatte schwere Vorwürfe gegen frühere Mitarbeiter erhoben – es geht um Drogenhandel in der Lebensmittelausgabe und Unterschlagung von Spendengeld.

Nun werden nach und nach immer mehr Missstände deutlich. „Die Unterstützung vom Regionsverband hätte viel größer sein können“, sagt ein ehemaliges Mitglied und berichtet von einem Handkarren, mit dem die übrig gebliebenen Lebensmittel aus den Supermärkten mühsam abgeholt werden mussten. Geld für ein Auto habe es für die Arbeit mit Obdachlosen und Hartz-IV-Empfängern nicht gegeben.

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Unterdessen gibt es neue Hinweise, dass der Regionsverband schon lange vor der Schließung der Suppenküche von Unregelmäßigkeiten im Umgang mit Spendengeld gewusst haben muss, dem aber nicht nachgegangen ist. Im vergangenen März hatten ein Tierheilpraktiker und eine Hundephysiotherapeutin ihr Engagement in der Rampenstraße beendet. Sie hatten zuvor auf dem Gelände die Tiere von sozial schwachen Bürgern kostenlos behandelt. Die Zusammenarbeit mit dem DRK-Ortsverein sei „unzumutbar“, hieß es damals zur Begründung. Diverse Vereinbarungen seien nicht eingehalten worden, vor allem habe der Ortsverein keine Quittungen für von Sponsoren bereitgestelltes Material und Geldzuwendungen ausgestellt.

Unterdessen ist auch der vor acht Wochen neu gewählte Vorstand des Ortsvereins Hannover-West bereits in Turbulenzen geraten. Die Kassiererin ist inzwischen zurückgetreten, weil der Regionsverband kein Geld an die Kasse des Ortsvereins überwiesen habe, heißt es.

Die seit dem 1. August geschlossene Suppenküche wird vorerst nicht wieder öffnen. Das hat der Regionalvorstand des DRK jetzt mitgeteilt. „Solange die Vergangenheit nicht aufgeklärt ist, wird es in der Rampenstraße keine Anlaufstelle für bedürftige Personen geben können“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Der Regionsvorstand halte es nicht für sinnvoll, ausschließlich mit Ehrenamtlichen Angebote für Personen mit geringem Einkommen und sozialen Schwierigkeiten zu leisten, hieß es nach einem Gespräch mit dem neuen Vorstand des DRK-Ortsvereins West.

Rund um die Suppenküche hatte es eine ganze Reihe von dubiosen Vorgängen gegeben. Ein früheres DRK-Vorstandsmitglied soll dort mit Drogen gehandelt haben, auch soll Spendengeld unterschlagen worden sein. Inzwischen ermittelt die Polizei, eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft untersucht die Unterschlagungsvorwürfe. Der neu gewählte Ortsvorstand hatte die Missstände öffentlich gemacht, aber gleichwohl dafür plädiert, die Suppenküche wieder zu öffnen.

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