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West Wer rettet Lindens Industriedenkmal?
Hannover Aus den Stadtteilen West Wer rettet Lindens Industriedenkmal?
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12:37 28.01.2015
Wahrzeichen mit Wert: Das Kesselhaus wurde 1927 erbaut, der Schornstein ist noch älter. Walther Engel ( l.) und Peter Hoffmann-Schoenborn werben mit Fotos der denkmalgeschützten Kesselanlage um Spenden für die Sanierung. Quelle: Marcel Schwarzenberger
Hannover

Das Kulturzentrum Faust verfügt über einen Schatz, den viele Besucher kaum wahrnehmen: Das historische Kesselhaus ist wegen Baufälligkeit, Asbestbelastung und Taubendreck seit Jahrzehnten gesperrt. Aus diesem Dornröschenschlaf will eine Initiative aus Lindenern, der Faust-Stiftung und des Faust-Vereins das denkmalgeschützte Ensemble wecken. Seit dieser Woche sammelt die eigens gegründete Kesselhaus-Initiative Geld für einen ersten Sanierungsabschnitt. Schon 2016 soll es damit losgehen. Dabei geht es um nichts weniger als die Rettung eines der letzten Zeugnisse der einstigen Industriestadt Linden.

Schon 1989 - die Bettfedernfabrik Werner & Ehlers hatte eben erst den Betrieb eingestellt - gab es Ideen, wie sich das Kesselhaus nutzen ließe. Als Industriemuseum zum Beispiel. Aber es mangelte an Geld. Lediglich der 51 Meter hohe Schornstein wurde 1997 restauriert. Ansonsten verfielen das Kesselhaus und sein Herzstück, ein sogenannter Drei-Trommel-Steilrohrkessel. Von 1927 bis Ende der dreißiger Jahre trieb er Turbinen und damit den Maschinenpark der Fabrik an, die für die Reinigung von Bettfedern aus aller Welt sorgte. 2011 schrieb Eberhard Lantz, fränkischer Denkmalschützer und „Kessel-Papst“ Deutschlands, mit wachsender Begeisterung ein Gutachten. Sein Fazit: Die Anlage sei einmalig.

Ensemble aus Kesselhaus und Schornstein

„Sie ist damit ein wichtiges technisches Dokument“, sagt Peter Hoffmann-Schoenborn von der Faust-Stiftung. Am Ihmeufer sei das Ensemble aus Kesselhaus und Schornstein der letzte noch existierende Zeuge der einstigen Lindener Industriearchitektur. „Noch in den 1950er Jahren gab es dort 21 Schornsteine von Fabriken“, berichtet Walther Engel von der Kesselhaus-Initiative. Nur der Schlot der Bettfedernfabrik sei noch übrig, bedauert der pensionierte Lehrer, der sich in der Initiative engagiert. Die Modernisierung Lindens ließ Zeugnisse der Vergangenheit rasant schwinden. Die Faust-Stiftung, der die Gebäude des Kulturzentrums gehören, kümmert sich um das verbliebene Erbe von Werner & Ehlers. Nur für das Kesselhaus wurde noch kein Konzept gefunden. Das soll sich jetzt ändern.

Ein Museum, das die historische Technik des Kesselhauses mit Lindens Industriegeschichte verknüpft, ist weiterhin im Gespräch. Aber wie sich das Ensemble am besten nutzen lässt, will die Kesselhaus-Initiative mit Bürgern und Interessierten diskutieren. Dafür soll das Gebäude erst einmal begehbar gemacht werden. Der Zeitplan sieht eine Eröffnung zum Tag des offenen Denkmals im September 2016 vor. Dafür ist weit mehr als eine Grundreinigung nötig: Kniehoch lagert der Kot von vielen Taubengenerationen, hinzu kommen Asbestbelastung, kaputte Fenster und ein morsches Dach. All das muss in Ordnung gebracht werden. Ein Gutachten des Lindener Agsta-Architekten Jan Habermann veranschlagt dafür rund 230.000 Euro. Der größte Teil soll aus Zuschüssen finanziert werden, etwa von der Europäischen Union und von der niedersächsischen Denkmalpflege. „Wir erörtern eine Kofinanzierung“, sagt der hannoversche Denkmalpfleger Jan-Felix Bartels. Bedingung sei aber ein Eigenanteil der Stiftung - der liegt bei 80.000 Euro. Dieses Geld will die Initiative um Hoffmann-Schoenborn über Spenden zusammenbringen. Der Stiftungschef leitet auch das Wirtschaftsforum im Verein Lebendiges Linden und hat einen guten Draht zu den Gewerbetreibenden. „Nicht nur im Kulturzentrum selbst, sondern auch in vielen Geschäften werden wir sogenannte Bausteine zu 10, 50 und 100 Euro verkaufen“, kündigt er an. Diese „Bausteine“ sind Zertifikate mit einer historischen Ansicht der Bettfedernfabrik. Wer sie erwirbt, unterstützt die Sanierung.

Bereits im Februar dieses Jahres startet die Reparatur des Daches der Faust-Kita; rund 120.000 Euro sind veranschlagt. Weitere 210.000 Euro sollen für die Ausstattung der Kunsthalle mit einer Tanzbühne gesammelt werden. Nun kommt noch das Kesselhausprojekt dazu. „Wir überheben uns nicht. Es wird kein Projekt begonnen, wenn die Finanzierung nicht hundertprozentig gesichert ist“, betont Hoffmann-Schoenborn. Mit der Rettung des Kesselhauses könne man angesichts des Zustands aber nicht mehr lange warten.

Von Marcel Schwarzenberger

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