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Wettbergen Gehrdener Sommercup: Tennisvereine klagen über Nachwuchsprobleme
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Gehrdener Sommercup: Tennisvereine suchen Nachwuchs

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18:01 11.08.2019
Ist der Tennissport über seinen Zenit hinaus? Quelle: Patrick Schiller
Gehrden

Elke Holsten begleitet ihren Sohn Kenneth seit 14 Jahren zum Sport. Der 20-Jährige vom TuS Wettbergen misst sich beim Gehrdener Sommercup an diesem zweiten Augustwochenende mit hochklassigen Tennisspielern aus ganz Deutschland. „Als Elternteil ist es großartig zu sehen, wie gut die werden“, sagt Holsten. Auch Kenneths Bruder Lennart spielt Tennis. Deshalb weiß die Mutter um die Besonderheiten dieser Sportart: „Tennis ist sehr zeit- und kostenintensiv. Besonders wenn Turniere und Meisterschaften anstehen.“

Zeit, die viele Eltern heute neben ihrer Berufstätigkeit häufig nicht haben, um ihre Kinder bei ihrem Sport zu unterstützen. „Ob Kinder und Jugendliche beim Tennis bleiben, steht und fällt mit der Unterstützung der Eltern“, sagt Anke Hippen, Jugendwartin der Tennissparte des SV Gehrden.

Weil vielerorts Turniere sind, müssten die Kinder oft gefahren werden. Da komme es auf die Ehrenamtlichen an, die sich in den Vereinen ihrer Kinder engagieren. Zusätzlich stellten die Ganztagsschulen die Kinder vor Herausforderungen. „Wenn die Kinder lange in der Schule sind, bleibt wenig Zeit für Hobbys“, sagt die Jugendwartin.

Ohne Ehrenamt geht gar nichts

Turnier-Favorit Jonas Lichte kennt die Probleme aus eigener Erfahrung. Der 24-Jährige hat die gesamte Jugendlaufbahn durchlaufen – vom SV Gehrden über den TuS Wettbergen bis zum Wilhelmshavener THC auf Platz 91 der Rangliste des deutschen Tennisbundes. Inzwischen ist er zurück beim TuS Wettbergen. „Eltern müssen bereit sein, viel Zeit zu investieren“, sagt er. „Wenn die Eltern keine Zeit haben oder nicht interessiert sind, haben Kinder und Jugendliche eigentlich keine Chance. Da muss man schon sehr zäh sein.“ Im gegenwärtigen Modus, in dem sich gemeldete Spieler bewegen, müssten sie möglichst viele Turniere erfolgreich bestreiten, um in den Ranglisten aufzusteigen. Deshalb sei es wichtig, dass viele Vereine Turniere ausrichten.

In Gehrden ist indes ein positiver Trend auszumachen. „Das Tal ist durchschritten“, sagt Hippen. Seitdem die Tennishalle an der Schulstraße abgerissen wurde hatte der SV außer Nachwuchsproblemen auch infrastrukturelle Schwierigkeiten. Das machte sich besonders in der Wintersaison bemerkbar. Dazu seien nach dem unerwarteten Tod des langjährigen Trainers Manfred Minkner 2017 Betreuungsprobleme hinzugekommen.

Das Tennisturnier beim SV Gehrden hat zahlreiche Spieler aus der Region angelockt.

Inzwischen aber führen Kooperationen mit Schulen und ortsansässigen Kitas sportbegeisterte Kinder in den Verein. Dem SV gelinge es in den Sommermonaten, etwa 60 Kindern den Sport näherzubringen, sagt Hippen. Einige von ihnen treten anschließend dem Verein bei.

Aktionen sollen Mitglieder locken

Das sind Vorteile, von denen andere Vereine in der Region nur träumen können. Lothar Steiner ist Spartenleiter der Tennisabteilung des SV Weetzen. Der Verein hat zurzeit keine Nachwuchsabteilung. „Wir haben hier keine weiterführende Schule“, sagt Steiner. Deshalb wanderten die Kinder und Jugendlichen dorthin an, wo sie ihre Zeit ohnehin verbringen: nach Gehrden oder Ronnenberg.

Doch auch in Orten mit Schulen ergeben sich für die Vereine Probleme. Obwohl man 25 Nachwuchsspieler habe, könne man mit Konkurrenten wie dem TuS Wettbergen nicht mithalten, sagt der Vorsitzende des TV Rot-Weiß Ronnenberg, Jürgen Baier. „Die haben ein frisches Neubaugebiet mit vielen jungen Familien mit Kindern. Die gehen natürlich zum TuS.“ Trotzdem versucht Rot-Weiß mit Aktionen wie Schnupperangeboten Mitglieder zu gewinnen. Doch einen Trainer könne der Verein nicht finanzieren, sagt Baier.

Im TuS Wettbergen werden dagegen die mehr als 200 Nachwuchsspieler vom hauptamtlichen Cheftrainer Björn Weltz betreut. Er weiß auch: „Oft fehlen die Ehrenamtlichen, die das zeitintensive Programm mittragen. Das gelingt nur durch einen Vorstand, der auf die Leute zugeht, und wenn das Drumherum im Verein intakt ist.“ Für ihn stellt auch das heutige Hobbyangebot ein weiteres Problem in der Nachwuchsgewinnung vieler Vereine dar. Es gebe schlicht mehr Konkurrenz für den Tennissport. „Heute sterben viele kleine Vereine in ländlichen Gegenden aus, die Spieler konzentrieren sich in den Vereinen der Ballungsgebiete“, sagt Weltz

Die goldenen Becker- und Graf-Jahre

Sybille Schmidt vom Tennisverband Niedersachsen-Bremen sagt: „Natürlich haben wir früher von den goldenen Becker- und Graf-Jahren profitiert. Inzwischen geht der Trend wieder nach oben. Das liegt vor allem daran, dass viele Vereine eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit betreiben.“

Detlef Schmidt, der den Gehrdener Sommercup organisiert hat, freut sich indes. Mit Lilly Tengbe gelang es einer jungen Nachwuchsspielerin das Damen-Finale zu erreichen. Im Finale gewinnt Lea Schneider mit 6 zu 3 und 6 zu 1. Bei den Herren wurde Jonas Lichte seiner Favoritenrolle gerecht und siegte mit 7 zu 6 und 6 zu 1 gegen Jannick Opitz.

Von Patrick Schiller

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