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Aus der Stadt Absperrungen in Oberricklingen: Geschäftsleute beklagen Umsatzeinbrüche und starten Petition
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Absperrungen in Oberricklingen: Geschäftsleute beklagen Umsatzeinbrüche und starten Petition

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17:36 12.09.2019
Geschäftsleute und Anwohner aus Wettbergen, Oberricklingen und Ricklingen wollen sich gegen die Sperrungen zur Wehr setzen. Quelle: Ingo Rodriguez
Hannover

Geschäftsleute und Anwohner aus Wettbergen, Oberricklingen und Ricklingen protestieren gegen Betonsperren und Metallpfosten. „Wir haben eine Online-Petition gestartet und schon mehr als 700 Unterschriften gegen dieses Absperrsystem gesammelt“, sagt Sven Niemeyer. Er ist der Sprecher einer Gruppe von Anwohnern und Geschäftsleuten, die in Kürze möglicherweise sogar eine Bürgerinitiative gründen wollen.

Straße In der Rehre wird für ein Jahr gesperrt

Ihr Unmut richtet sich gegen die Umleitungen wegen einer Großbaustelle in Wettbergen. Weil dort am Ortsausgang in Richtung Hemmingen die Straße In der Rehre entlang des Wohngebietes Zero-E-Park etwa ein Jahr lang komplett erneuert wird, werden seit etwa 14 Tagen im benachbarten Oberricklingen mögliche Ausweichrouten durch ein Wohngebiet mit Absperrungen blockiert.

Die Straße In der Rehre ist wegen der Bauarbeiten nur für Anlieger und Supermarktkunden zu befahren. Quelle: Ingo Rodriguez

Um dort die Anwohner entlang der Fahrradstraße Am Grünen Hagen vor Schleichverkehr zu schützen, sollen Autofahrer etwa ein Jahr lang kilometerweite Umwege fahren: Sie müssen nun über die Wallensteinstraße oder über die Schnellwege mit drei Verkehrskreiseln fahren, um von der Göttinger Chaussee in Oberricklingen nach Wettbergen zu kommen – und umgekehrt. Etliche Geschäftsleute aus der Umgebung wollen das nicht hinnehmen. Sie beklagen bereits massive Umsatzeinbrüche und Kundenschwund. Und auch Anwohner aus den Nachbarorten protestieren gegen die erheblichen Beeinträchtigungen.

Die roten Bereiche markieren gesperrte Straßenabschnitte, die grünen Linien sind die Umleitungsstrecken. Quelle: Ingo Rodriguez

Weniger Kunden im Rewe-Markt

Besonders betroffen ist Andreas Klautke, Inhaber des Rewe-Supermarktes an der Straße In der Rehre in Wettbergen. „In der ersten Woche nach der Einrichtung der Sperren hatte ich in nur einer Woche rund 1700 Kunden weniger im Laden als sonst. In der zweiten Woche waren es fast 2000“, sagt er. Viele seiner Kunden aus umliegenden Orten scheuen wegen der Sperrungen den weiten Weg über die Umleitungen. „Den Leuten aus Hemmingen und Oberricklingen sind die Umwege zu umständlich“, weiß Klautke. Wenn diese Maßnahme wie geplant ein Jahr lang andauere, müsse er schon bald Personal abbauen. „Die Umsatzeinbrüche gehen in dramatisch geschäftsschädigende Dimensionen“, sagt Klautke.

Die Zufahrt zur Straße Am Grünen Hagen ist ebenfalls gesperrt. Quelle: Ingo Rodriguez

Auch der Friseurladen von Ute Folgner an der Straße Am Sauerwinkel in Oberricklingen leidet unter Umsatzeinbußen. „Ich muss so vielen Kunden erklären, wie sie jetzt zu meinem Geschäft kommen“, sagt Folgner. Sie hat deshalb begonnen, auf einer Liste Unterschriften gegen die Absperrungen zu sammeln. Blumenhändler Bernhard Kahlandt hat schon unterschrieben. Er muss täglich zwischen seinen beiden Wilheine-Filialen in Wettbergen und Ricklingen pendeln. „Ich liefere ständig Blumen zum Stadtfriedhof Ricklingen. Die kilometerlangen Umwege sind ein schlimmer Zeitverlust – und im Zeitalter des Klimawandels völlig absurd“, sagt er. Trotzdem favorisiert er eine besonnene Lösung. „Die Anwohner sollen nicht ein Jahr lang unter Schleichverkehr leiden, aber es gibt Möglichkeiten und Kompromisse“, sagt Kahlandt.

Auf der Straße Am Sauerwinkel wird von den Betonsperren sogar eine Kreuzung durchtrennt. Quelle: Ingo Rodriguez

Geschäftsleute und weitere Bürger fühlen sich auch deshalb schlecht behandelt, weil viele Menschen unter den Sperrungen leiden müssten, nur damit eine viel kleinere Gruppe von Anwohnern nicht belästigt werde. Das wird in mittlerweile Hunderten Internet-Beiträgen in einer Wettbergen-Gruppe im sozialen Netzwerk Facebook deutlich.

Online-Petition gestartet

Der selbstständige Servicetechniker Niemeyer bringt ein vorübergehendes einseitiges Halteverbot entlang der Straße Am Grünen Hagen ins Spiel. „Als die Rehre schon einmal vor Monaten gesperrt war, ging auf der engen Fahrbahn der Ausweichroute wegen der unzähligen Autos und Gegenverkehr gar nichts mehr“, sagt Niemeyer. Dieses Problem lasse sich aber mit einem Halteverbot lösen. Am 19. September will die möglicherweise dann bereits gegründete Bürgerinitiative in der nächsten Sitzung des Bezirksrates ihren Unmut kundtun. Bis dahin gehe es darum, für die Onlinepetition auf der Internetseite www.wettbergen-ricklingen.de möglichst viele Unterschriften zu sammeln.

Auf der Straße Am Grünen Hagen ist für Autofahrer auch kein Durchkommen. Quelle: Ingo Rodriguez

Janine Sorrentino sagt, dass sie als Anwohnerin des Zero-E-Parks wegen der Umwege zum Kindergarten ihrer Tochter in Oberricklingen, zu ihrem Fitnessstudio in Hemmingen und auf ihrem Arbeitsweg über den Südschnellweg auf eine erschreckende Summe von zusätzlichen Kilometern komme. „Es muss doch eine Möglichkeit geben, die Sperrungen aufzuheben und trotzdem die Anwohner vor lauten Automassen zu schützen“, hofft sie. Im Internet wird von Betroffenen auch vorgeschlagen, nur eine Fahrspur der Straße In der Rehre zu sperren.

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Von Ingo Rodriguez

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