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Aus der Stadt Stadt plant für Lahe: Nur ein Roma-Kind pro Klasse
Hannover Aus der Stadt

Aggressives Verhalten - Stadt plant für Lahe: Nur ein Roma-Kind pro Klasse

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00:20 30.05.2019
Viele der Romafamilien aus der Obdachlosenunterkunft in der List müssen im August noch einmal weiterziehen. Quelle: Michael Wallmüller
Hannover

Es ist ein Lehrstück über das Engagement und die Mühen der Integration: Wie lässt sich der Schulalltag für Kinder aus Roma-Familien organisieren, die demnächst von einer Unterkunft im Stadtteil Lahe aus zur Schule gehen sollen? Denn die Erfahrungen von Pädagogen der Grundschule Gartenheimstraße zeigen deutliche Probleme auf, wenn zu viele Kinder aus der Unterkunft in einer Klasse sind – Störung des Unterrichts, Aggressionen gegen Mitschüler, sogar Diebstähle. Die derzeit geplante Lösung: Die Stadt will die Kinder auch auf weitere Grundschulen im Bereich Lahe und Bothfeld schicken. Im Gespräch sind nach Informationen der HAZ die Grundschulen Grimsehlweg und die Hoffmann-von-Fallersleben-Grundschule. Die Verwaltung äußerte sich dazu mit Verweis auf „noch laufende Abstimmungsgespräche“ nicht. Dafür muss die Stadt allerdings eine Regel aushebeln, wonach Kinder im Prinzip immer die nächstliegende Grundschule besuchen müssen. Das bestätigte eine Sprecherin der Verwaltung gegenüber dieser Zeitung. Formal heißt das: In Abstimmung mit der Landesschulbehörde werden die Schulbezirksgrenzen geöffnet. Eine Wahlfreiheit bei Grundschulen besteht grundsätzlich nicht. Nun soll aber sichergestellt werden, dass in der Grundschule Gartenheimstraße künftig nicht mehr als ein Roma-Kind pro Klasse aufgenommen wird.

Die Roma-Familien – 90 Personen und ihre Kinder – müssen mehrfach umziehen. Sie wohnten zunächst in einer Unterkunft am Burgweg. Dann zogen sie vorübergehend in eine provisorische Unterkunft an der Podbielskistraße – in direkter Nachbarschaft zum Porsche-Autohaus. Im August soll der Umzug in die Laher Unterkunft stattfinden.

Heftige Proteste von Lehrern und Eltern

Mit dem Verteilungsplan auf mehrere Schulen reagiert die Stadt auf heftige Proteste von Eltern und Lehrern. Der Hintergrund: Laut Schulbezirksgrenze war die Grundschule Gartenheimstraße bislang allein für alle Kinder zuständig, die im Sommer in eine neue Notunterkunft für obdachlose Familien an der Alten Peiner Heerstraße in Lahe ziehen sollen. 90 Personen zuzüglich Kinder soll die Obdachlosenunterkunft aufnehmen. Wie viele Romakinder darunter sein werden, ist ungewiss. Fest steht bislang nur, dass zwölf Romakinder dabei sein werden, die zunächst im Burgweg und derzeit mit ihren Familien übergangsweise in einer Unterkunft in der Podbielskistraße 115 untergebracht sind. Gegen ihre alleinige Zuständigkeit für die neue Notunterkunft in der Alten Peiner Heerstraße hatten Lehrer und Elternvertreter der Gartenheimschule in der jüngsten Sitzung des Bezirksrates Bothfeld-Vahrenheide heftig protestiert. Bei mehr als einem Romakind in der Klasse würden alle anderen vernachlässigt, hieß es. Man befürchte, eine Brennpunktschule zu werden.

Massive Störungen im Unterricht

Romakinder zu unterrichten sei „sehr herausfordernd“, bestätigte Grundschulleiterin Katja Schröder jetzt gegenüber der HAZ. Sobald mehrere in einer Klasse seien, greife eine Clanstruktur, die andere Autoritätspersonen nicht mehr zulasse. Die Kinder seien im Unterricht sofort sehr stark aufeinander fixiert, bezögen sich in verbaler und nonverbaler Kommunikation fast nur noch aufeinander und bestärkten sich auch gegenseitig darin, den Unterricht zu stören – bis hin zu Aggressionen gegenüber Mitschülern. Selbst Versuche, sie auseinanderzusetzen oder sogar aus dem Sichtfeld des jeweils anderen Kindes zu entfernen, hätten in der Vergangenheit kaum gegen die massiven Unterrichtsstörungen geholfen. Die Schulleiterin weiß, wovon sie spricht. Die Gartenheimschule blickt auf jahrelange Erfahrung mit Romakindern zurück.

Diebstähle an der Tagesordnung

Die Probleme waren nach Informationen der HAZ weitaus größer als bislang bekannt. Diebstahl war offenbar zwischenzeitlich an der Tagesordnung. Schulkameraden sollen auf dem Nachhauseweg von Romakindern erpresst worden sein. Dazu kamen körperliche Übergriffe auf Mädchen, die zum Teil deswegen Schulangst entwickelten. Schröder äußert sich zu diesen „internen Vorgängen“ nicht. Die Schule sei selbstverständlich bereit, das Gros der Kinder aus der neuen Notunterkunft in Lahe aufzunehmen, sagt sie. Man wolle aufgrund der mehrjährigen Erfahrungen mit den Romakindern in einem Verbund mehrerer Grundschulen auch steuernd tätig sein.

Elternabende in der Notunterkunft

Bewährt habe es sich in der Vergangenheit beispielsweise, Elternabende oder Elternnachmittage in der Obdachlosenunterkunft abzuhalten, statt darauf zu warten, dass die Eltern in die Schule kommen. Hilfreich sei auch eine Hausaufgabenhilfe in der Schule. An fünf Tagen seien die Kinder in der Gartenheimschule jeweils für zwei Stunden nach Schulende von einer pädagogischen Mitarbeiterin und einer Sozialarbeiterin betreut worden. „Zu Hause haben die Kinder in der Regel keine Möglichkeit, die Hausaufgaben zu machen, aber in der Schule klappt das gut“, sagt Schröder. Es gebe positive Beispiele: Kinder, die lernwillig seien oder Kontakte mit anderen Kindern aus ihrer Klasse geknüpft hätten.

Aber man brauche die Chance, sie wirklich integrieren zu können. Dafür sei es wichtig, dass in jede der zwölf Klassen der Schule tatsächlich nur ein Romakind komme.

Mengendamm-Schule behält alle Roma

Neben der Grundschule Gartenheim (Bothfeld) hat auch die Grundschule Mengendamm (List) dagegen protestiert, zu viele Romakinder aus einer Notunterkunft aufnehmen zu müssen. Die Schule ist zuständig für die Kinder aus den Romafamilien, die im Januar dieses Jahres überraschend aus der alten, völlig heruntergekommenen Notunterkunft in Lahe in die neue Obdachlosenunterkunft in der Podbielskistraße 115 in der List umquartiert wurden. Es handelt sich dabei um zwölf Erwachsene und 23 Kinder zwischen neun Monaten und 16 Jahren. 14 Kinder sind im schulpflichtigen Alter, zehn im Grundschulalter. Grundschulleiter Andreas Kathmann hatte im Bezirksrat gefordert, dass die benachbarte Brüder-Grimm-Schule einige aufnehmen könne und dafür ebenfalls eine Schulbezirksänderung ins Gespräch gebracht. Geplant sei derzeit aber, dass sie an der Mengendamm-Schule bleiben, hieß es vonseiten der Verwaltung auf HAZ-Anfrage. jr

Von Jutta Rinas

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