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Aus der Stadt Protest-Aktion: Fahrräder parken auf der Straße
Hannover Aus der Stadt Protest-Aktion: Fahrräder parken auf der Straße
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16:42 17.08.2018
„Nur eben Brötchen holen“: Die Grünen protestieren gegen zugeparkte Radwege in Hannover. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Die Szene wirkt wie gestellt. Die Grünen organisieren am Freitag an der Lavesstraße einen Protest gegen zugeparkte Radwege in Hannover, und an Ort und Stelle hat sich ein gelber Lieferwagen auf dem mit roter Farbe markierten Bereich breitgemacht. Niemanden scheint das zu stören – auch kein Radfahrer beschwert sich. Kaum aber haben mehrere Grünen-Politiker ihre Räder in zweiter Reihe auf der Straße geparkt, schießt eine Frau aus einem Café und schimpft: „Ihr seid rücksichtslos, ihr Radfahrer!“ Der hannoversche Landtagsabgeordnete Belit Onay versichert, dass er die Frau für den Auftritt nicht engagiert hat und wundert sich: „Das ist doch absurd: Der DHL-Wagen steht hier seit zehn Minuten auf dem Radweg, und kein Mensch regt sich auf.“

Wie reagieren die Autofahrer?

Parkende Autos auf Radwegen sind ein Unding, finden die Grünen. „Um darauf aufmerksam zu machen, wollen wir den Spieß einmal umdrehen“, hatten sie angekündigt. Man sei gespannt auf die Reaktion der Autofahrer. Prompt beschwert sich einer im weißen Porsche-Cabriolet – zurecht. Er hat vorschriftsmäßig geparkt und nun Schwierigkeiten an den Fahrrädern vorbei zurück auf die Straße zu gelangen. Spieß wohl erfolgreich umgedreht.

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„Auf Radwegen parkendes Autos sind gefährlich“, sagt der hannoversche Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler. „Wir wollen, dass die Stadt Autofahrer stärker kontrolliert – und dass der Bund die Bußgelder so deutlich anhebt, dass es wehtut, damit das nicht mehr passiert“. Man müsse ohnehin „von der autogerechten Stadt wegkommen“.

„Die Stadt muss sich Gedanken machen“

Ganz so weit will Belit Onay nicht gehen. Aber die Stadt müsse sich mehr Gedanken machen: „Wie teilt man den knappen Raum fair auf, dass die Sicherheit der Radfahrer nicht gefährdet wird?“ Ein Passant hat eine Idee: „Die Stadt müsste eigene Parkplätze nur für Lieferwagen schaffen“, findet der Mann. Er ist hin- und hergerissen: „Einerseits haben sie ja recht. Aber was soll der DHL-Fahrer denn machen? Er muss doch seine Pakete ausliefern können.“ Den Boten kümmert der ganze Trubel ohnehin nicht sonderlich. Er springt in seinen Wagen, fährt ungefähr 50 Meter weiter – und hält wieder auf dem Radweg.

Von Karl Doeleke

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