Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Kostenlos Bus und Bahn fahren: So lief der Gratis-Nahverkehrstag in der Region
Hannover Aus der Stadt

Aktionstag: Gratis mit Bus und Bahn unterwegs - wie gut läuft der Aktionstag in der Region?

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:07 30.11.2019
„Die Menschen lassen ihr Auto am Stadtrand stehen“: Der Gratis-Nahverkehrstag wird gut angenommen. Quelle: Conrad von Meding/Tim Schaarschmidt

+++ Organisatoren sind durchweg zufrieden +++

Am Abend ziehen auch die Organisatoren des ersten Gratis-Nahverkehrssonnabends in der Region Hannover eine durchweg positive Bilanz. „Was wir erlebt haben, stimmt uns sehr, sehr zufrieden“, sagte Regions-Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz. Üstra-Vorstandschef Volkhardt Klöppner lobte die entspannte Stimmung in der gesamten Stadt, die alles anderes als leer war: Kaufleutesprecher Martin Prenzler bilanzierte am Abend etwa 250.000 Besucher.

Lesen Sie auch

+++ Erstes Zwischenfazit der Verkehrsmanager +++

Am Nachmittag zieht die Verkehrsmanagementzentrale eine erste Zwischenbilanz. Es beginne bereits die Rückreise, sagt Ingenieur Rainer Hinz. Alles sei im Fluss, der Tag sei aus Verkehrssicht sehr ruhig verlaufen. Der Weihnachtsmarkt sei zu 40 Prozent mit Besuchern gefüllt, die Georgstraße zu 80 Prozent. Üstra-Sprecher Udo Iwannek sagt, aktuell hätten die Stadtbahnen und Busse Richtung Misburg-Nord leichte Verspätungen von einer bis zwei Minuten, auch beim 121-er Bus gab es leichte Verspätungen, ansonsten sei „alles unauffällig“.

"Alles entspannt, alles im Fluss": In der Verkehrszentrale von Üstra, Regiobus, Polizei und Land verfolgen die Mitarbeiter einen ruhigen Tag. Quelle: Conrad von Meding

„Die Menschen lassen ihr Auto am Rand der Innenstadt stehen oder verzichten sogar ganz darauf“, sagt Regions-Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz angesichts der gut angenommenen P+R-Plätze. Üstra-Chef Volkhardt Klöppner bilanziert: „Trotz Mehrverkehr gibt es keine Verzögerungen, nicht einmal auf der oberirdischen Stadtbahnlinie 10 in der Innenstadt.“

Viele Autofahrer hätten die neue Navigationsapp Nunav genutzt, sagt Entwickler Alexander Meister. Sie wird ständig mit Daten von den P+R-Plätzen gespeist, sodass Autofahrer wissen, wo sie bequem parken und in Stadtbahnen umsteigen können. „Das System funktioniert“, sagt er, „wir sind zufrieden.“ Klaus Geschwinder von der Region sagt: „Es ist ein Kurswechsel. Früher haben wir mit der Verkehrsleitzentrale versucht, den Autoverkehr irgendwie halbwegs flüssig in die Innenstadt zu lenken. Heute machen wir zusätzliche Angebote, damit in der Innenstadt gar nicht erst Überfüllung entsteht.“

+++ Nichts los auf der Kurt-Schumacher-Straße +++

Fast kein Verkehr auf der Kurt-Schumacher-Straße: Die Zufahrten sind ab Clevertor, Goseriede und Lister Meile abgeriegelt, sodass der Durchgangsverkehr entfällt. Von der Herschelstraße allerdings ist die Kreuzung offen, trotzdem nutzt fast kein Autofahrer die Straße. Busse und Bahnen haben durch freie Fahrt ohne Verzögerung. Sonst war es i dem Bereich an autostarken Tagen oft zu Behinderungen gekommen.

Die Kurt-Schumacher-Straße ist zumindest am Nachmittag noch frei. Quelle: Conrad von Meding

Auch die Überfahrt der Herschelstraße über die Kurt-Schumacher-Straße, sonst für Autofahrer immer ein klassischer Verstopfungspunkt wegen der An- und Abfahrt zu drei Parkhäusern, ist heute staufrei – zumindest am Nachmittag. Auch im Abreiseverkehr am Abend bis 20 Uhr blieb alles ruhig.

Hier finden Sie alle Informationen zum Aktionstag

Ob das Experiment des Gratis-ÖPNV gelingt und die Stadt zwar voll, die Straßen aber freier bleiben? Wir halten Sie hier auf dem Laufenden. Den Service und alle wichtigen Fakten zum Nahverkehrs-Samstag haben wir für Sie hier versammelt:

+++ Keine Probleme vor der Ernst-August-Galerie +++

Fußgänger haben (fast) freie Bahn: Auf der Kreuzung vor der Ernst-August-Galerie funktioniert die weitgehend autofreie Lösung problemlos. Nur Busse, Bahnen und einige wenige Pkw rollen über die Kreuzung. Aus Richtung Lister Meile ist die Durchfahrt durch den sogenannten Posttunnel gesperrt. Die meisten Autofahrer halten sich daran. Wer die Schilder missachtet, wird von einer Aufpasserin weggewunken.

+++ Innenstadt-Straßen sind frei +++

Für Autofahrer wäre Hannover heute ein kleines Paradies – nur: Es gibt deutlich weniger von ihnen as sonst an Advents-Shoppingwochenenden. Die Straßen in der inneren Innenstadt sind weitgehend leer, sie sehen aus wie an einem autofreien Sonntag. Nach Angaben der Verkehrsmanagementzentrale gibt es derzeit nirgends Störungen bei der Anfahrt. Üstra-Chef Volkhardt Klöppner dagegen jubiliert: „Alles klappt fantastisch, die Gratis-Aktion ist großartig angelaufen.“

Die Osterstraße ist Sonnabendmittag um 12:30 Uhr fast leer. Quelle: Conrad von Meding

+++ Viel Freiraum in Hannovers Parkhäusern +++

Die Parkhäuser in der Innenstadt fahren an den Sonnabenden im Advent sonst immer starke Gewinne ein – sie sind regelmäßig zu 100 Prozent ausgelastet. Nicht so an diesem Tag. In der Mehlstraße sind 339 von 510 Plätzen frei, am Raschplatz sind 338 von 658 Plätzen frei, an der Oper etwa ein Drittel, in der Andreaestraße mehr als ein Drittel. Nur Schmiedestraße und Osterstraße sind zu etwa 90 Prozent gefüllt, das Parkhaus Windmühlenstraße ist angeblich voll – die Angabe soll aber nochmal technisch überprüft werden.

+++ Erste P+R-Plätze voll+++

Am Mittag teilt die Verkehrsmanagementzentrale mit, dass die drei P+R-Plätze Empelde, Wettbergen und Altwarmbüchen mit je etwa 100 Plätzen komplett belegt sind. Auf allen anderen P+R-Plätzen sind Kapazitäten frei. Besonders bei den beiden, die extra für diesen Tag geöffnet wurden und daher unbekannt sind: An der Conti (Jädekamp, Stöcken) sind erst 88 von 1600 Plätzen belegt, an der Messe (Nord) sind von 950 sogar erst 8 Plätze belegt. „Es scheint, dass das Konzept mit den P+R-Plätzen insgesamt gut funktioniert“, sagt GVH-Chef Ulf Mattern.

+++ Erste Kunden nutzen Gratis-Gepäckabgabe +++

Info-Zeltstadt vor der Oper: Hier kann auch Gepäck abgegeben werden. Quelle: Tim Schaarschmidt

Eine weiße Zeltstadt hat der Großraumverkehr auf dem Opernplatz aufgebaut. Dort können Interessierte Informationen zum künftigen Ticketsystem des Nahverkehrs erfragen, vor allem aber gibt es viel Service. Wer shoppen war, kann seine Einkäufe kostenlos abgeben und am Abend wieder abholen. Mit einem Scanner werden die Gepäckstücke durchleuchtet – es könnte schließlich auch gefährliches Material dabei sein. „Einen Koffer haben wir am Morgen schon geöffnet“, verrät eine Mitarbeiterin. Wer seine Einkäufe übrigens nicht abholt, für den werden sie sieben Wochen lang im Üstra-Fundbüro aufgehoben.

+++ Mit dem Shuttle durch die Stadt +++

Twana Kalis mit Lina (2) und Lara (6) lassen sich von Kani Kafaf fahren – zum Spaß. Quelle: Tim Schaarschmidt

Vom Service-Punkt am Opernplatz aus können sich Passanten per Fahrradshuttle zum Beispiel zum Kröpcke bringen lassen. Vor allem am Abend soll das genutzt werden. „Wer seine Einkäufe von unserer Aufbewahrungsstelle abholt, kann sich mit den Fahrradshuttles zur nächsten Haltestelle etwa am Kröpcke, Aegi oder Steintor bringen lassen“, sagt GVH-Chef Ulf Mattern. Twana Kalis nutzt mit seinen Töchtern Lina (2) und Lara (6) das Shuttle und lässt sich zum Spaß von Kani Kafaf eine Runde um den Opernplatz fahren.

+++ Automaten sind abgeklebt +++

Peter Malkusch, Mitarbeiter des Üstra-Service, hat mit seinem Team in der U-Bahnstation Kröpcke alle Fahrkartenentwerter mit roten Aufklebern verschlossen. „Es muss ja nicht sein, dass an diesem Tag jemand seinen Fahrschein entwertet“, sagt er. Auch auf den Fahrkarten-Kaufautomaten prangen große Hinweise, dass heute niemand bezahlen muss.

+++ Lunchpakete für Stadtbahnfahrer +++

In der U-Bahnstation Kröpcke verteilen die Vorstände von Üstra und Regiobus Lunchpakete an Stadtbahnfahrer. Für die Mitarbeiter der beiden Unternehmen ist heute Großeinsatztag: Die Üstra hat ihre Kapazitäten und Takte um 50 Prozent hochgefahren, die Regiobus sogar verdoppelt. Der 121er Bus zum Beispiel fährt derzeit im 5-Minuten-Takt.

Lunchpakete für Stadtbahnfahrer: Üstra-Vorstand Denise Hein, Stadtbahnfahrer Christoph Urzedowski, Üstra-Vorstand Volkhardt Klöppner und Regiobus-Geschäftsführerin Regina Oelfke. Quelle: Tim Schaarschmidt

„Die Leute lächeln“, hat Üstra-Chef Volkhardt Klöppner beobachtet: „Ich habe den Eindruck, das es ungemein entspannend wirkt, wenn die Leute sich eigentlich um nichts kümmern müssen und einfach einsteigen können.“ Heißt das, dass das Angebot jetzt regelmäßig kommt? „Das kann ich nicht entscheiden“, sagt Klöppner – am Ende muss die Region für das Gratisangebot zahlen. Klar sei aber, dass Erkenntnisse aus dem Pilottag in die künftige Strategie einfließen soll: „Am Ende wollen wir den Nahverkehr noch besser machen.“

+++ Fahrgäste finden das Angebot „cool“ +++

„Ich fahre sonst gerne Auto – aber das Angebot heute ist gut“: Heike und Andreas Rohrbacher aus Bemerode sind mit der Stadtbahn gekommen. Quelle: Tim Schaarschmidt

Heike und Andreas Rohrbacher sind aus Bemerode mit der Stadtbahn gekommen. „Ein wirklich gutes Angebot“, sagt er: „Das könnten die gerne jeden Sonnabend machen, das wäre in Ordnung.“ Sie gesteht ehrlich: „Eigentlich fahre ich gerne Auto – aber wenn der Nahverkehr jeden Sonnabend frei wäre, könnte ich das Auto stehenlassen.“

Laura Weibke (15) und Tabea Lackmann (14) sind aus Hemmingen mit Bus und Bahn angereist. „Cool“ finden die beiden den Gratis-Tag. Sie wollten Fahrkarten kaufen und haben dann erfahren, dass alles umsonst ist. Hilde und Reinhardt Schiemann aus Laatzen dagegen hatten von dem Angebot aus der Zeitung erfahren. „Wir fahren eigentlich mit dem Auto“, sagt er. Jetzt sind sie mit der Stadtbahn unterwegs zum Weihnachtsmarkt – und zufrieden.

+++ Stadtbahnen fahren wie an Wochentagen +++

Die Region wirbt für ihren Aktionstag Quelle: Conrad von Meding

Die hannoversche Innenstadt füllt sich am Vormittag. In der U-Bahnstation Kröpcke waren die Bahnen um 10.15 Uhr schon gut belegt. Nach Angaben der Betriebsleitstelle von Üstra und Regiobus ist das fahrgastaufkommen für einen Voradvents-Sonnabend aber bis 11 Uhr noch „ganz normal“ gewesen. Die Stadtbahnen fahren den gesamten Vormittag in Takten wie sonst zu den Stoßzeiten an Wochentagen. An den Üstra-Stationen weisen Schilder die Passanten auf den heutigen Aktionstag hin.

+++ Bochum übernimmt die Idee aus Hannover +++

Die Idee für einen Gratis-Aktionstag findet Nachahmer. Der Großraum Bochum/Gelsenkirchen wolle das Projekt am 21. Dezember mit seiner Nahverkehrsgesellschaft Bogestra wiederholen, sagt Üstra-Chef Klöppner.

Auch zahlreiche andere Städte planen Ähnliches. In Lingen im Emsland soll es kostenlose Busse an allen vier Sonnabenden im Advent geben. In Göttingen wird an den Adventssonnabenden ein kostenfreies Shuttle zwischen Park-and-Ride-Parkplätzen und der Innenstadt angeboten. Auch in Braunschweig denke man nach Angaben von Christoph Graffam von der Braunschweiger Verkehrs-GmbH „immer wieder über das Thema nach“.

+++ Aktionstag soll Alternativen aufzeigen +++

Es ist ein Großversuch, wie ihn Hannover noch nicht erlebt hat: An diesem Sonnabend vor dem ersten Advent sind Busse und Bahnen in der gesamten Region Hannover kostenfrei. Hunderttausende werden zum Shoppen in der Innenstadt erwartet, wie schon am Vortag, dem Black Friday. Da waren die Straßen stundenlang verstopft. „Wer wissen will, warum wir den Versuch an diesem Einkaufssonnabend brauchen, der musste nur am Freitag davor auf die Straßen gucken“, sagt Üstra-Chef Volkhardt Klöppner. Seine eigenen Busse kamen teilweise nicht mehr weiter im Verkehr, weil Autofahrer die Straßen blockierten.

Das Ziel des Versuchs sei, den Autoverkehr nicht zu verbieten, sondern stattdessen ein attraktives Alternativangebot zu machen, sagt Regions-Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz. Nur vereinzelt sind Straßen in der Innenstadt für Autos gesperrt, etwa Teile der Kurt-Schumacher-Straße oder die Umfahrung am Opernplatz. Dafür bringen Üstra und Regiobus 50 Prozent mehr Fahrzeuge auf Schienen und Straße, auch die S-Bahn macht mit. Etwa 600.000 Euro koste das Projekt, sagt Franz, das mit Befragungen wissenschaftlich begleitet wird.

Von Conrad von Meding

Nach dem Black Friday und der Fridays-for-Future-Demonstration am Freitag rüstet sich Hannovers City für den nächsten Großansturm – denn am heutigen Sonnabend ist der Nahverkehr in der gesamten Region kostenlos. Lesen Sie hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

30.11.2019

Tausende Menschen sind am Freitag in Hannover für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen. Die Polizei spricht von 7000 Teilnehmern – die Veranstalter von 45.000. Zeitweise brachten die Demonstranten von Fridays for Future den Verkehr in der City zum Erliegen. Zuvor hatte OB Belit Onay den Aktivisten in der Marktkirche Mut zugesprochen.

29.11.2019

Ihr Abschluss aus Afrika wird nicht anerkannt. Mit eisernem Fleiß kämpft sich eine alleinerziehende Mutter nun noch einmal durch die Ausbildung zur Krankenschwester – doch ein großer Teil ihres Lohns fließt in die Betreuung ihrer Kinder. Ein Fall für die HAZ-Weihnachtshilfe.

29.11.2019