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Aus der Stadt Ist Charco ein Wallach oder doch ein Hengst?
Hannover Aus der Stadt Ist Charco ein Wallach oder doch ein Hengst?
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00:21 02.03.2019
„Charco“ (links) zeigt bei „Melody“ typisches „Hengstverhalten“. Quelle: Rainer Dröse
Hannover

Mit einem außergewöhnlichen Fall muss sich derzeit eine Zivilkammer des Amtsgerichts Hannover befassen. Es geht darum, ob ein als Wallach verkauftes Pferd nicht richtig kastriert wurde und sich es deshalb nicht um einen Wallach sondern um einen Hengst handelt.

„Charco“ verhält sich wie ein Hengst

Die Klägerin aus Jever hatte „Charco“ vor rund zwei Jahren für 3000 Euro von der Betreiberin eines Reiterhofes in Hannover gekauft. Das Tier sei ein halbes Jahr vor dem Kauf kastriert worden, hatte die Verkäuferin versichert. Allerdings hält sich die Freude an dem Pferd für die 19-jährige Katharina Grimm bisher in Grenzen. Denn „Charco“ reagiere ziemlich wild, sobald es andere Pferde, vor allem Stuten, wahrnehme. Grimm kann deshalb immer nur allein ausreiten und sie darf mit „Charco“ auch nicht an Weiden mit Pferden vorbei kommen. Ein Verhalten, das die Experten eher einem Hengst und nicht einem Wallach zuschreiben. Deshalb hat die 19-Jährige den Verdacht, dass bei der Kastration der Hoden nicht komplett entfernt wurde und deshalb weiter männliche Sexualhormone produziert.

Zeigt der Wallach „Hengstverhalten“?

Zur Klärung des Falls hatte Richterin Catharina Erps ein Gutachten bei der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) in Auftrag geben. Die Tiho sollte konkret klären, ob „Charco“ angesichts rossiger Stuten immer noch „Hengstverhalten“ zeigt. Am Mittwoch trafen sich Richterin, die Besitzerin und Anwälte dann am Bünteweg. Dort werden dem Pferd nacheinander drei rossige Stuten, also Stuten mit erhöhter Paarungsbereitschaft und kurz vor dem Eisprung, gebracht.

Eindeutige Reaktion bei „Uschi

Die Stute „Sidney“ ist offenbar nicht so sehr „Charcos“ Fall , es regte sich nicht viel. Aber bei „Uschi“ und „Melody“, die danach zu ihm geführt werden, war die Reaktion eindeutig: „Er kann seine Männlichkeit nicht verbergen“, erläuterte Gutachter Prof. Harald Sieme. „Er ist ein bisschen schüchtern, zeigt aber klassisches Hengstverhalten“, sagte Sieme, Professor für Pferdefortpflanzung. „Wenn wir ihn ließen, würde er aufspringen“, meint der Pferdeexperte.

Gericht prüft, ob das Tier „Hengstverhalten“ zeigt

Hormonuntersuchung soll Klärung bringen

Das sichtbare „Hengstverhalten“ reichte dem Anwalt der Pferdeverkäuferin noch nicht als Beleg. Also untersuchte Prof. Sieme „Charco“ am Mittwoch weiter, allerdings ohne eindeutiges Ergebnis. Eine endgültige Klärung soll jetzt eine Hormonuntersuchung bringen. „Das wird sehr deutlich machen, ob es sich um einen Wallach oder um einen Hengst handelt“, erklärte der Professor für Pferdefortpflanzung. Denn ein möglicherweise noch vorhandenes Hodenstück im Körper des Tiers zu entdecken, sei wie die Suche nach einem Cent-Stück in der laufenden Waschmaschine, meinte der Experte.

Besitzerin will „Charco“ auf jeden Fall behalten

Sollte „Charco“ doch ein Hengst sein, wäre das für Besitzerin Grimm inzwischen verkraftbar. Die 19-Jährige hat das Pferd trotz mancher Auffälligkeiten inzwischen in ihr Herz geschlossen und möchte es auf jeden Fall behalten. Sieme schlägt für diesen Fall eine Impfung vor, die die Bildung von Sexualhormonen unterdrücken würde, eine Art „chemische Kastration“, wie er sagt.

Lesen Sie auch hier: Käuferin darf bockiges Pferd zurückgeben

 

Von Mathias Klein

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