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Aus der Stadt Mieterin verklagt Vermieter – wegen zwei Schlüsseln
Hannover Aus der Stadt Mieterin verklagt Vermieter – wegen zwei Schlüsseln
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00:15 02.09.2018
Das Amtsgericht Hannover Hannover muss sich derzeit mit der Frage beschäftigen, ob eine Mieterin ein Recht auf fünf Wohnungstürschlüssel hat.
Das Amtsgericht Hannover Hannover muss sich derzeit mit der Frage beschäftigen, ob eine Mieterin ein Recht auf fünf Wohnungstürschlüssel hat. Quelle: HAZ
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Hannover

 Wegen zwei Wohnungstürschlüsseln im Wert von 14 Euro tragen eine Mieterin und ein Vermieterehepaar derzeit einen Streit vor dem Amtsgericht Hannover aus. Die Mieterin, eine Frau mittleren Alters, möchte zusätzlich zu den drei Schlüsseln, die sie vor wenigen Monaten im Zuge eines Austauschs ihrer Wohnungstür erhalten hat, zwei weitere ausgehändigt bekommen. In ihrem zehn Jahre alten Mietvertrag seien – für die alte Tür – fünf Wohnungstürschlüssel notiert und ihr damals auch ausgehändigt worden. Doch die Vermieter weigern sich, halten das Ansinnen für lächerlich und fühlen sich schikaniert. Hintergrund dieser kaum verständlichen Auseinandersetzung vor Gericht, die ein Mehrfaches an Kosten verursachen dürfte wie ein Paar Schlüssel, sind andauernde Streitigkeiten zwischen den beiden Parteien.

Die Mieterin wohnt in einem Mehrfamilienhaus in der Nordstadt, die Miete ist nicht allzu hoch. Die schon betagten Vermieter sagen, die 65-Quadratmeter-Wohnung sei 2008 zum Einzug der Frau modernisiert worden und in gutem Zustand. Doch seit 2013 gehen die Ansichten darüber offenbar auseinander. Rechtsanwältin Hildegund Mentz, die die Senioren vertritt, sprach am Mittwoch in der Verhandlung von zehn Streitpunkten, von denen etwa die Hälfte vor Gericht gelandet seien. „Meine Mandanten bekommen ständig Post vom Mieterbund“, klagte sie. Es gehe um den Zustand des Parketts, einen angeblich feuchten Keller, eine defekte Therme oder tote Fliegen auf dem Dachboden. Die Anwältin der Gegenseite, Petra Beitlich, wies darauf hin, dass die Mieterin die meisten der von ihr angestrengten Prozesse gewonnen habe.

Jeder darf klagen

Zivilrichter Reinhard Wiehe beantwortete eine naheliegende Frage in Saal 2177 gleich selbst – warum sich Gerichte überhaupt mit Lappalien wie zwei Schlüsseln beschäftigen müssen. „Es ist nicht Aufgabe eines Richters, dies zu bewerten“, so Wiehe. Natürlich könne man darüber nachdenken, ob drei Schlüssel für eine alleinstehende Mieterin nicht ausreichen sollten. Doch habe jedermann das Recht, eine Klage einzureichen, und diese müsse dann eben bearbeitet werden.

Wiehes Versuch, die Parteien zu einem Kompromiss zu bewegen – jede Seite übernimmt die Kosten für einen zusätzlichen Wohnungstürschlüssel –, maßen beide Anwältinnen schlechte Erfolgsaussichten zu. Den letzten Vorschlag des Richters aber wollten die Juristinnen der Mieterin und dem Vermieterehepaar immerhin unterbreiten: sich im Rahmen einer Mediation zusammenzusetzen und zu versuchen, ein wenig Einfühlungsvermögen für die Gegenseite zu entwickeln. Die Frist, sich zu erklären, beträgt zwei Wochen; sollten Klägerin und Beklagte das Gesprächsangebot ausschlagen, wird der Richter im September ein Urteil fällen.

Von Michael Zgoll