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Aus der Stadt Schauspieler Hakan Orbeyi will die Üstra verklagen
Hannover Aus der Stadt Schauspieler Hakan Orbeyi will die Üstra verklagen
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16:10 19.03.2019
Hakan Orbeyi (r.) wird von Anwalt Carsten Mauritz vertreten - auch im von ihm angekündigten Folgeverfahren.
Hakan Orbeyi (r.) wird von Anwalt Carsten Mauritz vertreten - auch im von ihm angekündigten Folgeverfahren. Quelle: Michael Zgoll
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 Hakan Orbeyi, unter dem Namen „Sumo Bruno“ bekannter Schauspieler, Personenschützer und Hartz-IV-Empfänger, hat schon mehrmals vor Gericht gestanden, vor 20 Jahren als Angeklagter in Strafprozessen, in jüngerer Vergangenheit eher als Kläger bei zivilrechtlichen Streitigkeiten. Jetzt hat er in einem Ordnungswidrigkeitenverfahren um einen Verkehrsunfall einen Erfolg erzielt, muss ein Bußgeld von 35 Euro nicht zahlen, weil Amtsrichter Burkhard Littger das Verfahren einstellte.

Stadtbahn kam von rechts

Dabei war der Zusammenstoß seines Audi A4 Cabriolet mit einer Stadtbahn am 28. März 2018 um 1.35 Uhr durchaus folgenschwer. Wie Orbeyi am Dienstag berichtete, erlitt er bei dem Crash nahe dem Stöckener Friedhof eine Schädelprellung sowie eine Lungenquetschung und brach sich vier Rippen; sein Fahrzeug, das seinen Angaben nach einen Wert von 18.000 Euro hatte, war Schrott. Nun wollen der 47-Jährige und sein Anwalt Carsten Mauritz die Üstra und den damaligen Stadtbahnfahrer wegen Fahrerflucht verklagen, möchten den Schaden ersetzt und Schmerzensgeld bekommen.

In jener Nacht, das steht zweifelsfrei fest, befuhr der gewichtige Schauspieler mit seinem Audi die Fuhsestraße und wollte nach links auf die Stöckener Straße abbiegen. Doch dort näherte sich von rechts eine Stadtbahn, die ebenfalls Richtung Herrenhausen unterwegs war. Orbeyi prallte mit seinem Wagen nahe dem Führerhaus gegen die Bahn, sein Wagen wurde herumgeschleudert, dabei zog er sich die schweren Verletzungen zu. Später versuchten die Ermittlungsbehörden zu ergründen, ob einer der beiden Verkehrsteilnehmer bei Rot über die Ampel gefahren war. In der Verhandlung am Dienstag sagte ein Zeuge aus, er und seine Freundin seien in jener Nacht auf der Stöckener Straße stadtauswärts unterwegs gewesen und hätten an der Einmündung Fuhsestraße vor einer roten Ampel gestanden – was dafür sprechen könnte, dass die Stadtbahn ebenfalls hätte stoppen müssen.

Wer fuhr bei Rot?

Nach Auskunft von Carsten Mauritz ist der Vorwurf eines Rotlichtverstoßes gegen seinen Mandanten schon länger vom Tisch. Was blieb, war ein behaupteter Verstoß gegen die allgemeinen Sorgfaltspflichten eines Autofahrers – den Richter Littger nach der Vernehmung des Zeugen nicht mehr sah. Offenbar habe sich der Audi schon im Kreuzungsbereich befunden, als die Stadtbahn von rechts heranrauschte. Doch nun will der Anwalt gegen die Üstra vorgehen. Mauritz hat einen Zeugen an der Hand, der vom Fenster seiner Wohnung gesehen haben will, wie der Stadtbahnzug nach der Kollision stoppte, der Fahrer um die Bahn herumging, den Unfallwagen hätte sehen müssen – und seine Fahrt trotzdem fortsetzte.

Die Filmkarriere von Orbeyi begann 1999 mit „Kanak Attack“. In 20 Kinofilmen und TV-Produktionen bekam er in den Folgejahren kleinere Rollen, durfte 2016 in einer Tatort-Folge mit „Tschiller“ Til Schweiger seine Schlagkraft beweisen. Wie Orbeyi am Dienstag erklärte, hatte er zwei Tage vor dem Verkehrsunfall einen neuen Vertrag mit einer Filmfirma in Köln unterschrieben. Da er knapp zwei Monate im Krankenhaus lag, konnte er den Kontrakt aber nicht erfüllen. Immerhin habe er in der Klinik 52 Kilo abgenommen, berichtete er am Rande des Prozesses, so dass er jetzt nur noch 185 Kilo auf die Waage bringe.

Von Michael Zgoll