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Aus der Stadt Tierquäler zu 2250 Euro Geldstrafe verurteilt
Hannover Aus der Stadt Tierquäler zu 2250 Euro Geldstrafe verurteilt
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15:44 05.03.2019
Paulo R. legte ein Geständnis ab und erklärte seinen Gewaltausbruch mit den Worten: "Ich war total geladen". Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

 Ein 43-Jähriger, der einen Mischlingshund aus der Wohnung seiner Lebensgefährtin zerrte, ihn die Treppe eines Mietshauses hinterschleuderte und anschließend noch dreimal auf den 17 Jahre alten Border-Husky-Collie eintrat, ist vom Amtsgericht Hannover zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 15 Euro verurteilt worden. Strafrichter Burkhard Littger sprach Paulo R. eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz schuldig; der arbeitslose Musiker habe Rocko „aus Rohheit erhebliche Schmerzen“ zugefügt.

Mischling jaulte und fiepte

Der Vorfall ereignete sich an einem Mittwochnachmittag im November 2018 in Herrenhausen. Die Lebensgefährtin des Angeklagten, eine 36-jährige Tierarzthelferin, war bei der Arbeit, R. sollte auf Rocko aufpassen. Auf die Frage des Richters, warum er den Mischling so malträtiert habe, behauptete der 43-Jährige mit den Rastalocken, dass der Hund einen Haufen vor die Wohnungstür gesetzt habe: „Ich war total geladen.“ Ein Besucher, der aus der darüber liegenden Etage herunterkam, erstarrte nach eigenen Worten „wie ein Eiszapfen“, als er sah, wie R. das Tier die Treppe herunterschleuderte und dessen Kopf mehrfach auf den Stufen aufschlug. Während des Fluges habe sich der Hund entleert, habe gejault und gefiept. Anschließend, so der Zeuge, trat der Angeklagte Rocko in den Magen und riss ihn mittels der Leine am Kopf hoch. Nach Rücksprache mit seiner Mutter, die schon früher mehrfach Schmerzenslaute des Hundes aus der Wohnung der Tierarzthelferin vernommen hatte, verständigte der Besucher die Polizei.

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R. behauptete, er habe zum ersten Mal auf Rocko aufgepasst, die Tierarzthelferin dagegen sprach von häufigem Hundesitting. Zu unangenehmen Zwischenfällen zwischen R. und dem Mischling sei es früher nie gekommen, auch sei der Hund durch die Misshandlung vonseiten ihres Freundes nicht verletzt worden. Dass Rocko schwerhörig, halb blind, dement und inkontinent sei, hänge mit seinem hohen Alter zusammen. Eine Amtstierärztin, die als Gutachterin befragt wurde, nannte das Alter des Hundes „erstaunlich“. Dass er sich bei dem Treppensturz nichts gebrochen habe, sei „ein Wunder“; das Abkoten während des Herunterschleuderns deute darauf hin, dass Rocko in diesem Moment erheblich gestresst gewesen sei.

Ankläger forderte Haftstrafe

Nach Aussage der Tierarzthelferin lebt ihr Mischling immer noch, nach Auskunft ihres Partners hat auch die Beziehung zwischen ihm und der 36-Jährigen unverändert Bestand: „Sie hat mir verziehen.“ Staatsanwalt Oliver Eisenhauer forderte für den Angeklagten eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten sowie 120 Stunden gemeinnützige Arbeit. R. habe sich gegenüber dem Hund, der ihm schutzlos ausgeliefert war, total gefühllos gezeigt. Eisenhauer verwies zudem auf die 18 Vorstrafen des Tierquälers, darunter mehrfaches Schwarzfahren, Diebstähle, Drogendelikte und Körperverletzungen.

Auch der Amtsrichter bescheinigte R. eine rohe Gesinnung gegenüber dem Tier, er habe offenbar die Kontrolle über sich verloren. Allerdings sei Rocko durch den Gewaltausbruch nicht ernsthaft verletzt worden, zudem liege das letzte Körperverletzungsdelikt des Angeklagten schon 13 Jahre zurück. Eine Auflage, die allerdings wenig Auswirkungen für das orientierungslose Leben von Paulo R. haben dürfte, verhängte Littger neben der Geldstrafe von 2250 Euro schließlich auch noch: Der Straftäter darf zwei Jahre lang keinen Hund halten.

Von Michael Zgoll