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Aus der Stadt Ordnungsdienst kontrolliert Hundehalter in der Eilenriede
Hannover Aus der Stadt Ordnungsdienst kontrolliert Hundehalter in der Eilenriede
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18:00 05.04.2019
„Sie müssen die Wiese verlassen“: Die beiden Ordnungshüter der Stadt Hannover, Alexander Knopf (li.) und Tobias Poltrock, kontrollieren Hundehalter in der Eilenriede. Quelle: Villegas
Hannover

Gebell hallt durch die Eilenriede. Eine junge Frau steigt vom Rad, rollt eine meterlange Leine aus und lässt einen ihrer beiden Hunde in den Wald laufen. Im Unterholz geht das Tier in die Hocke und erleichtert sich. Kopfschütteln bei den städtischen Ordnungshütern, die die Szene beobachten. „Die Hundeleine darf nur 1,50 Meter lang sein“, sagt Alexander Knopf in freundlichem Ton. Die junge Frau verzieht das Gesicht. „Soll ich den Hund etwa auf den Weg machen lassen?“, fragt sie ein wenig patzig. Natürlich nicht, entgegnet Knopfs Kollege Tobias Poltrock ruhig, im Übrigen müsse die Hinterlassenschaft entsorgt werden. Poltrock zückt eine Hundekottüte aus seiner Tasche, währenddessen springen die Tiere knurrend um seinen Kollegen herum. Die lange Leine wickelt sich um seine Beine. Knopf dreht sich heraus, bleibt gelassen. „Ich habe selbst einen Hund“, sagt er.

Leinenzwang im Stadtwald vom 1. April bis 15. Juli

Seit dem 1. April müssen alle Hunde beim Gassigang durch Hannovers Stadtwälder angeleint sein – ohne Ausnahme. Der Leinenzwang dient dem Schutz brütender Vögel und anderer freilebender Tiere. Diesesogenannte Brut- und Setzzeit reicht bis zum 15. Juli. Die Anleinpflicht gilt nicht auf den im Stadtgebiet eingerichteten Hundeauslaufflächen und Hundewegen. Hier dürfen die Hunde auch während der Brut- und Setzzeit frei laufen, wenn nicht anders auf den Schildern vermerkt.

Der neu eingerichtete Ordnungsdienst der Stadt Hannover muss die Anleinpflicht durchsetzen. Früher schauten städtische Parkranger auf den Grünflächen nach dem Rechten, doch diese Aufgabe hat nun der Ordnungsdienst mit seinen rund 50 Mitarbeitern übernommen. Knopf und Poltrock patrouillieren jeden Tag 15 bis 20 Kilometer durch die Stadt, sie achten nicht nur auf frei laufende Hunde, sondern auch auf Falschparker, aggressive Bettler, campierende Obdachlose und zu laute Straßenmusiker. „Wir haben gut zu tun“, sagt Knopf.

Ordnungsdienst kann Bußgeld verhängen

Die junge Frau mit ihren beiden Hunden bleibt widerspenstig und will nicht einsehen, warum ihre Leine zu lang sein soll. „Wenn ich mit dem Rad fahre, laufen die Tiere dicht neben mir her“, sagt sie. Die beiden Ordnungshüter bleiben ruhig aber bestimmt. „Bitte schaffen Sie sich eine kürzere Leine an. Von einem Bußgeld sehen wir ab“, sagt Poltrock. Und dann schiebt er nach, dass Ordnungswidrigkeiten mit einem Bußgeld von bis zu 5000 Euro geahndet werden können. Die junge Frau wirkt jetzt weniger forsch, nimmt ihre Hunde an die kurze Leine und steigt aufs Rad.

Ordnungsdienst auch mit E-Autos unterwegs

Hannovers neuer Ordnungsdienst ist inzwischen nicht mehr nur in der City unterwegs. Auch in abgelegenen Stadtteilen sehen die uniformierten Mitarbeiter nach dem Rechten. Um längere Strecken zurückzulegen, können die Ordnungshüter jetzt auf drei Fahrzeuge zurückgreifen, darunter zwei Elektroautos. „Wenn wir abends gerufen werden, sind wir schnell vor Ort“, sagt Ordnungshüter Alexander Knopf.

Er und seine Kollegen haben weit reichende Kompetenzen. Sie dürfen Menschen eines Platzes verweisen, Personalien feststellen und sogar Taschen durchsuchen. Ausgerüstet sind die Ordnungskräfte mit Handys und Infobroschüren, etwa zur Anleinpflicht. Auf Waffen wie Schlagstöcke und Pfefferspray hat die Stadtverwaltung bewusst verzichtet.asl

Wie viel Geld ein Verstoß gegen die Anleinvorschriften tatsächlich kostet, entscheidet die Stadt Hannover von Fall zu Fall. Die Entscheidung liegt nicht bei den Ordnungshütern, sondern bei der Rechtsabteilung. „Wir leiten unsere Berichte nur weiter“, sagt Poltrock. Im Allgemeinen bewege sich das Bußgeld bei Verstößen gegen den Leinenzwang zwischen 25 und 30 Euro. „Wir wollen zu Beginn der Brut- und Setzzeit erst einmal informieren und auf Fehler hinweisen“, sagt Knopf. Daher sehe er von Knöllchen ab. Wenn er aber einen Hundehalter wiederholt erwische, werde ein Bußgeld fällig. „Ich kann mir Gesichter gut merken“, sagt Knopf.

Reaktionen von Hundehaltern – wütend bis demütig

Die meisten Hunde sind an diesem Nachmittag in der Eilenriede tatsächlich angeleint. Eine Dame jedoch lässt ihren Vierbeiner frei laufen. Der Hund scheint gut erzogen zu sein. Er gehorcht aufs Wort, apportiert brav den Gummiball. Als die Dame die beiden uniformierten Ordnungshüter sieht, greift sie schnell in die Tasche, leint ihren Hund an und beschleunigt ihren Schritt. Poltrock grinst. „Das geschieht recht häufig“, sagt er. Beide Ordnungshüter halten es nicht für nötig, reumütigen Hundehaltern hinterher zu rennen. Der Zweck sei ja erfüllt, meinen sie.

Beileibe nicht alle Hundehalter sind sofort einsichtig. Knopf und Poltrock haben schon etliche Reaktionen erlebt – von wütendem Widerspruch bis Demut. „Manche Hundehalter scheinen viel Zeit zu haben und wollen lange diskutieren“, sagt Poltrock. Ein Hundefreund habe sich einmal in ornithologische Exkurse verstiegen, um nachzuweisen, dass es an Ort und Stelle keine brütenden Vögel gebe. Andere schützten Unwissenheit vor. „Wir sind von außerhalb und wissen nichts von einer Anleinpflicht – das hören wir oft“, erzählt Knopf.

Und dann gibt es noch diejenigen, die sofort einlenken, um jeder weiteren Diskussion aus dem Weg zu gehen. Wie der junge Mann, der an diesem Nachmittag seinen Hund auf einer Wiese spazieren führt, die für Hunde tabu ist. „Ich muss Sie bitten, die Lichtung zu verlassen. Das ist eine Liegewiese, auf der ganzjährig keine Hunde herumlaufen dürfen“, sagt Poltrock zu dem jungen Mann und zeigt auf ein Hinweisschild mit Hunde-Piktogramm. Der Mann nickt mit dem Kopf, murmelt Zustimmung und entfernt sich langsam von der Wiese. „Wir warten noch ein bisschen“, sagt Knopf leise. Manche kehrten um, als sei nichts gewesen.

Die beiden Ordnungshüter beenden ihre Tour durch die Eilenriede und spazieren weiter durch Hannovers Innenstadt. Jetzt richtet sich ihr Augenmerk auf Bettler, Obdachlose und Parksünder. Bis 22 Uhr dauert ihre Schicht. „Wir müssen stets den richtigen Ton treffen, darauf kommt es an“, sagt Knopf.

Von Andreas Schinkel

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