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Aus der Stadt Verwaltung erteilt dem „Jamiel-Kiez“ eine Absage
Hannover Aus der Stadt

Anwohnerparken in Linden-Mitte: Verwaltung erteilt dem „Jamiel-Kiez“ eine Absage

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00:22 16.06.2019
Auch die Minister-Stüve-Straße sollte Teil des Jamiel-Kiezes werden. Quelle: Foto: Mario Moers
Linden-Mitte

Sie wollten eine freundlichere Nachbarschaft, blühende Straßenzüge und keine fremden Autos mehr im eigenen Viertel. Die Nachbarschaftsinitiative Jamiel stieß vor rund zwei Jahren mit ihrer Vision eines soziokulturell lebendigen und autofreien Kiezes eine hitzig geführte Diskussion an, die auch den Bezirksrat beschäftigte. Doch die Stadt hat einer zentralen Forderung der Initiative nun eine klare Absage erteilt: Das Bestreben, die namensgebenden Straßen – Jacobs-, Minister-Stüve- und Eleonorenstraße – als exklusive Anwohnerzone zu deklarieren, wurde von der Verwaltung verworfen.

Nach dem Wunsch der Befürworter sollten in das Quartier nur noch die Bewohner oder Lieferverkehr einfahren dürfen. Ziel war es, den Verkehr zu reduzieren und die Voraussetzungen für eine Stärkung des Kiezlebens zu schaffen. Der Bezirksrat hatte im Februar mit großer Mehrheit der Stadt einen Prüfauftrag erteilt. In der Konsequenz hätte eine Anwohnerzone unter anderem zur Folge, dass Anlieger der umliegenden Straßen dort nicht parken dürften. Als Grund für den negativen Entscheid nennt die Verwaltung nun nicht ausreichende bauliche Voraussetzungen. Die Straßen würden nicht den „Gesamteindruck“ vermitteln, dass „die Aufenthaltsfunktion im öffentlichen Raum gegenüber dem motorisierten Verkehr im Vordergrund steht“, heißt es. Eine Beschränkung auf den reinen Anliegerverkehr sei daher nicht möglich. Gleichwohl prüfe man, ob den Bewohnern künftig Sonderrechte zum Parken eingeräumt werden könnten. Dies wäre im Rahmen einer stadtweiten Untersuchung möglich, die Bewohnerparkzonen in bevölkerungsreichen Stadtteilen prüft.

Die Jacob-, Minister-Stüve- und Eleonorenstraße bilden das Herz des „Jamiel-Kiez“. Quelle: Mario Moers
Lebenswerte Utopie oder Einbahnstraße? Diese bunte Hausecke wurde auch angeregt durch die Nachbarschaftsinitiative Jamiel-Kiez. Quelle: Mario Moers

Nach einem Jahr heftiger Debatten über Jamiel herrscht nun offenbar Ernüchterung bei Fürsprechern und Kritikern. Bis zum Redaktionsschluss äußerten sich auf Anfrage weder Jamiel-Sprecher Oliver Thiele noch der Sprecher der Gegeninitiative Elminja, Malte Mackenrodt. „Es ist offensichtlich, dass es in diesen Straßen keinen Konsens gibt“, resümiert Steffen Mallast, Chef der Grünen im Bezirksrat. Das Votum der Stadt überrascht ihn nicht: „Das war zu erwarten.“ Seine Fraktion hatte den Prüfantrag unterstützt.

Verblasst scheint auch die Euphorie vieler Jamiel-Unterstützer der ersten Tage. „Mein Ziel war gute Nachbarschaft, am Ende ist daraus ein stressiger Streit geworden“, sagt ein Anwohner. Nun scheint der Traum ausgeträumt. Auf der Jamiel-Internetseite ist bisher kein neuer Termin für ein Treffen aufgeführt. „Eine Straßensperrung kann es eben nicht sein. Nachbarschaft endet nicht am Schlagbaum“, bilanziert Anwohner Carsten Hanisch.

Kommentar: Die Straßen sind für alle da

Spielende Kinder, Radfahrer, Blumen und Bäume, Holzbänke, Spaziergänger, wenig Autos – und ewiger Sommer. Das muss man doch gut finden in der Großstadt? Bis heute haben die selbst ernannten Jamielianer nicht verstanden, wieso ihre Vision von der idealen Nachbarschaft so viele Gegner findet. Dabei fällt schon beim Jamiel-Image-Video der Charakterfehler der Initiative sofort ins Auge: Mit geradezu sektiererischem Sendungsbewusstsein bedienen sich hier Grafik- und PR-Profis ihres Handwerks, um ihre ganz eigenen Ziele zu erreichen: Eine heile Welt für eine kleine Gruppe zu schaffen.

Der Status Quo – Müllsäcke im Winterregen, begleitet von einem traurigen Piano – wird der Jamiel-Vision des sonnenbeschienenen Kiezparadieses gegenübergestellt, untermalt von glücklichen Geigen. Das ist Grundschule der Manipulation. Wie egoistisch Gutmenschentum sein kann, zeigt die Initiative, indem sie fremden Autoverkehr aus dem Viertel auszusperren will. Jamiel möchte Exklusivität durch Ausgrenzung anderer erreichen – und wird offenbar autoritär gesteuert. So muss, wer der geschlossenen Facebook-Gruppe der Initiative beitreten möchte, zunächst drei Fragen so beantworten, dass sie einem Administrator gefallen.

Während die Grünen sich von Jamiel vor ihren Karren haben spannen lassen (schließlich hat man ja manch gemeinsames Ziel), hat die Stadt sehr klar gemacht, wieso sie Jamiel einen Korb gibt: Weil die Straßen für alle da sind.

Von Mario Moers

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