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Aus der Stadt Weniger Arbeitslose, mehr freie Stellen – Aufwärtstrend hält an
Hannover Aus der Stadt

Arbeitsmarkt in der Region Hannover: Weniger Arbeitslose, mehr freie Stellen

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10:00 22.01.2020
Mehr freie Jobs, weniger Arbeitslose – der Arbeitsmarkt in der Region Hannover boomt weiterhin. Quelle: Oliver Berg/dpa (Symbolfoto)
Hannover

Die Arbeitslosigkeit in der Region Hannover ist auch im vergangenen Jahr weiter gesunken, während die Zahl der freien Stellen und die der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten insgesamt weiter stieg. Schwierig bleibt es auf dem Arbeitsmarkt aber für Langzeitarbeitslose, über 50-Jährige und Schwerbehinderte. Im Schnitt waren 2019 in der Region 40.180 Menschen ohne Job, das sind 2,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit lag die Arbeitslosenquote bei 6,4 Prozent, wobei es in Burgwedel nur 3,4 und in Hannover-Stadt 7,7 Prozent waren. Landesweit betrug die Quote 5,4 Prozent. Seit 2010 ist die Arbeitslosigkeit um mehr als ein Viertel gesunken.

Arbeitsmarkt 2020? Gedämpft positiv

In diesem Jahr wird sich diese Entwicklung von weniger Arbeitslosen und mehr freien Stellen laut Arbeitsagenturchefin Heike Döpke fortsetzen, wenn auch „positiv gedämpft“, wie sie sagte. Experten schätzen, dass die Arbeitslosenquote um rund 1,2 Prozent (2019: minus 2,2 Prozent) sinkt, während die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 0,6 Prozent (2019: plus 1,5 Prozent) steigt. Das Hin und Her um den Brexit habe Unternehmen verunsichert, es gebe verstärkt Nachfragen nach Kurzarbeitergeld, vor allem in der Automobilbranche und den Zulieferbetrieben. Das sei allerdings ein positives Zeichen, weil die Unternehmen ihre Mitarbeiter damit halten und nicht entlassen wollten.

Viele Arbeitslose sind älter als 50 – und länger ohne Job

Von den 40.180 Erwerbslosen im Vorjahr waren 15.272 langzeitarbeitslos, das heißt, seit mehr als einem Jahr ohne Job, über 50 Jahre alt waren 12.264 Arbeitslose, mehr als die Hälfte davon wiederum auch langzeitarbeitslos. Wie Arbeitsagenturchefin Heike Döpke am Dienstag sagte, sind zwei Drittel keineswegs dem Rentenalter nahe, sondern müssen eigentlich noch zehn oder 15 Jahre arbeiten. Die Zahl der jungen Erwerbslosen bis zu 25 Jahren ist seit 2010 um 28,4 Prozent gesunken, derzeit sind es noch 3828, zumeist Männer.

Schwerbehinderte profitierten bislang zu wenig von der positiven Entwicklung, sagte Döpke. 2019 waren 2018 schwerbehinderte Menschen ohne Job, knapp 57 Prozent waren älter als 50 Jahre, ein Großteil davon hatte keine Ausbildung.

Zuwanderer helfen gegen Fachkräftemangel

Im vergangenen Jahr waren 14.714 Ausländer bei der Arbeitsagentur als Arbeitslose gemeldet, die meisten kamen aus Syrien, gefolgt von der Türkei und Polen. Andererseits sind im Jahr 2018 mehr als 7000 Ausländer in der Region einem sozialversicherungspflichtigen Job nachgegangen, meist gelang der Einstieg über die Zeitarbeit.

Ein Stellenplus von 6,5 Prozent

Der Zugang an Stellenangeboten in der Region ist 2019 gegenüber 2018 zwar leicht zurückgegangen, liegt mit 30.322 aber immer noch auf einem hohen Niveau. Seit 2013 ist dies ein Plus von 6,5 Prozent (in Stellen sind es 1846). Vor allem in den Bereichen Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung (2200 Stellen) und Gesundheit, Soziales, Erziehung und Lehre (2068) wurden die meisten offenen Stellen im vergangenen Jahr bei der Arbeitsagentur gemeldet. Gefolgt vom Bereich Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit (1900) und kaufmännische Dienstleistungen, Handel, Vertrieb, Tourismus (1211). Ohne ein lebenslanges Lernen werde es künftig im Job nicht mehr gehen, sagt Arbeitsagenturchefin Heike Döpke. Strukturwandel und Digitalisierung machten sich in vielen Branchen bemerkbar.

Unternehmen können für Umschulungen Förderung bekommen

Die Einstellung Zugewanderter sei ein Weg, den Fachkräftebedarf zu decken, sagte Döpke. Und der erstrecke sich inzwischen über nahezu alle Branchen. Erzieher fehlen genauso wie Ärzte, Kranken- und Altenpfleger, Ingenieure, Maurer, Zimmerleute, Friseure oder Verwaltungsfachleute. Alternativ könnten Unternehmen aber auch Beschäftigte weiterbilden oder Ungelernte überhaupt ausbilden, dafür stelle die Arbeitsagentur in diesem 21,5 Millionen Euro zur Verfügung. Voraussetzung sei, dass die Branche unter Fachkräftemangel, Strukturwandel oder der Digitalisierung leide. 2019 hatte die Agentur nur 17,7 Millionen Euro für Weiterbildung gezahlt.

„Bilden Sie ihre Mitarbeiter weiter“: Arbeitsagenturchefin Heike Döpke appelliert an Unternehmer. Quelle: Samantha Franson

Immobilien- und Baubranche boomt, Verwaltung auch

Die Zahl der freien Stellen stieg im vergangenen Jahr gegenüber 2018 um 2,3 Prozent auf 10.797, zu den Wachstumsbranchen zählen neben der öffentlichen Verwaltung vor allem die Bereiche Immobilien und das Baugewerbe. Insgesamt ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Region seit 2010 um 17,6 Prozent (77.653 Beschäftigte) gewachsen, zuletzt hatten 517.160 Menschen einen sozialversicherungspflichtigen Job. Von den 240.000 Frauen waren 114.824 allerdings nur in Teilzeit angestellt, von den 277.160 Männern arbeiteten nur 37.258 Teilzeit.

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Von Saskia Döhner

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