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Aus der Stadt Aufzug am Bahnhof wird erst im Juli fertig
Hannover Aus der Stadt Aufzug am Bahnhof wird erst im Juli fertig
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09:15 21.03.2019
Am Bahnhof Anderten/Misburg steht statt eines Aufzugs immer noch ein Absperrgitter. Quelle: Foto: Bernd Haase
Anderten/Misburg

 Über der Sanierung der Aufzugsanlage der S-Bahn-Station Anderten/Misburg hängt kein Segen. Wie die Bahn im Stadtbezirksrat und über Aushänge mitteilen ließ, kann das Projekt „gemäß der aktuellen Planung bis zum Juli abgeschlossen werden“. Aktuelle Planungen hatten sich allerdings schon in der Vergangenheit nicht halten lassen. Ursprünglich sollte der Aufzug im Januar wieder in Betrieb gehen. Stillgelegt worden ist er bereits Ende Juni vergangenen Jahres.

Für Bahnreisende mit Rollator, Rollstuhl, Kinderwagen oder Fahrrad ist die Situation kaum zu bewältigen, weil eine lange Treppe mit 40 Stufen und ohne Seitenrampe von der Straßenebene zu den tief gelegenen Bahngleisen führt. Die Bahn informiert ihre Kunden an der gesamten Strecke über den nicht zur Verfügung stehenden Aufzug. Der Hinweis, dass „barrierefreier Ausstieg an den benachbarten Stationen an der Karl-Wiechert-Allee und in Lehrte-Ahlten jederzeit möglich ist“, war im Bezirksrat Anlass für hämisches Gelächter. Immerhin besteht an der Karl-Wiechert-Allee Anschluss an das Stadtbahnnetz – allerdings kein direkter nach Misburg oder Anderten.

In Betrieb gegangen ist der Aufzug wie das gesamte hannoversche S-Bahn-Netz zur Weltausstellung Expo 2000. Ärger gab es auch in den vergangenen Jahren. Immer wieder stand er nicht zur Verfügung – mal wegen technischer Probleme, mal wegen Vandalismusschäden. Im vergangenen Jahr teilte die Bahn dann mit, dass der Aufzug das Ende seines Lebenszyklus erreicht habe. Ältere Anlagen seien anfälliger für Schäden und müssten deshalb ausgetauscht werden. Manchmal sind sie schon allein deshalb nicht mehr reparaturfähig, weil es an den benötigten Ersatzteilen mangelt.

Sanierung schwerer als erwartet

Die Erneuerung des Aufzugs gestaltete sich als schwieriger als gedacht. „Es stellte sich heraus, dass neben der Aufzugstechnik auch der Aufzugsschacht erneuert werden muss“, erläutert die Bahn. Der vorhandene habe starke Rostspuren aufgewiesen; an mehreren Stellen sei Wasser eingedrungen. Damit nicht genug: „Leider kam es zu einer fehlerhaften Ausführung bei den Betonarbeiten der Aufzugschachtgrube, was zu nachträglichen statischen Nachweisen sowie zu baulichen Nacharbeiten führte.“ Erst nach der mängelfreien Fertigstellung der Aufzugschachtgrube habe mit der Fertigung des Schachtgerüstes begonnen werden können.

Nicht hilfreich ist ferner, dass für den Rückbau des vorhandenen Aufzugschachtes zeitweise wegen des Arbeitsschutzes die Oberleitungen abgeschaltet werden mussten. Weiterhin seien Genehmigungen für Kranarbeiten erforderlich gewesen, die aufgrund paralleler Bauarbeiten auf einer Ausweichstrecke nur in sehr engen Zeitfenstern zur Verfügung gestanden hätten. Für den Einbau des neuen Schachtgerüstes wiederholt sich das. Die daraus resultierenden Pausen im Zugverkehr habe man aufgrund der zeitlichen Verzögerungen neu abstimmen müssen. „Sie sind nicht in der optimalen Form verfügbar“, heißt es in der Mitteilung der Bahn.

Die CDU-Fraktion im Bezirksrat, die den Stand in Sachen Aufzug an der S-Bahn-Station per Anfrage auf die Tagesordnung gehoben hatte, wollte eigentlich auch wissen, ob es Möglichkeiten seitens der Stadtverwaltung gibt, auf eine beschleunigte Bauabwicklung hinzuwirken. Eine direkte Antwort auf diese Frage gab es nicht. Sie hatte sich angesichts des zuvor Geschilderten wohl auch erübrigt. Bahnreisende aus dem Bereich Misburg und Anderten hoffen nun aus mehreren Gründen, dass es möglichst schnell Sommer wird.

Kommentar: Auf der langen Bank

Im Stadtbezirk Misburg-Anderten gibt es eine lange Bank. Es ist keine, auf die man sich setzen kann, denn es handelt sich um ein imaginäres Modell. Auf ihr landen Infrastrukturprojekte aller Art. Auch der Aufzug am S-Bahnhof gehört derzeit dazu.

Schon vor längerer Zeit sind das Bürgerhaus und das Rathaus in Misburg, das AMK-Haus und die Sporthallen in Anderten auf die lange Bank geschoben worden. Das Misburger Hallenbad ist nach einem beherzten, aber leider nicht von Sachkenntnis und Verstand geleiteten Eingriff in die Statik wegen Einsturzgefahr hinzugekommen. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Alle diese Dinge werden im Bezirksrat oft angesprochen, die Politiker wollen Antworten von der Stadt. Die klingen dann so: „Die Verwaltung denkt die städtischen Einrichtungen in Misburg im Kontext einer inte­grierten Quartiersentwicklung.“ Und: „Für die langfristige Planung sollen die Nutzungen von Bürger- und Rathaus berücksichtigt werden, ebenso sonstige städtische Flächen, um einen Gesamtflächenbedarf zu ermitteln, um auf dessen Grundlage ein Gesamtkonzept für den Stadtbezirk zu erarbeiten.“

Ein Zieldatum für diesen Gewaltakt wird nicht genannt, es handelt sich vermutlich um den Sankt-Nimmerleins-Tag. Wäre man böswillig, könnte man glauben, die Stadt warte ab, bis Rat-, Bürger- und AMK-Haus in sich zusammenfallen und die Anderter Sporthallen gleich mit. Immerhin: Sie hat deutlich die Absicht signalisiert, ein neues Bad bauen zu wollen. Und der Aufzug am S-Bahnhof (für den die Stadt nichts kann) soll ja auch im Sommer wieder nutzbar sein. Es ist ja durchaus möglich, dass auch mal etwas von der langen Bank verschwindet. Es sei denn ...

Von Bernd Haase

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