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Aus der Stadt Prozessauftakt: Kinderarzt Harry S. erneut vor Gericht
Hannover Aus der Stadt Prozessauftakt: Kinderarzt Harry S. erneut vor Gericht
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00:23 15.11.2018
Nachdem der Bundesgerichtshof das Urteil gegen den bereits zu dreizehneinhalb Jahren Haft verurteilten Mediziner aufgehoben hat wird der Fall neu verhandelt. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Augsburg/Hannover

Harry S. muss sich seit Montag vor dem Landgericht Augsburg erneut wegen des Missbrauchs von 21 Jungen verantworten. Der Kinderarzt, der auch in Hannover tätig war, wurde bereits 2016 zu 13 Jahren und sechs Monaten Gefängnis samt Sicherungsverwahrung sowie lebenslangem Berufsverbot verurteilt, doch der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das Urteil in Teilen wieder aufgehoben. S. hatte im August 2014 auch einen fünfjährigen Jungen aus Garbsen-Berenbostel misshandelt. Die weiteren Taten geschahen in Augsburg, Nürnberg und München.

Der Prozess begann mit dem Verlesen der bislang gefällten Gerichtsentscheidungen. Im aktuellen Verfahren soll nun geklärt werden, ob der inzwischen 43-jährige Kinderarzt voll schuldfähig war – der BGH hatte das alte Urteil genau deshalb gekippt. Die Augsburger Richter hatten damals eine mögliche verminderte Schuldunfähigkeit aufgrund der Pädophilie des Angeklagten nicht berücksichtigt. Nun wurde ein neues Sachverständigengutachten eingeholt, außerdem müssen alle Opfer erneut aussagen. Die Verteidiger stellten zudem einen Befangenheitsantrag gegen den forensischen Psychiater, der bereits am ersten Prozess beteiligt war.

Die Verschleppung und Misshandlung des Fünfjährigen aus Garbsen brachte die Taten damals ans Licht. S. hatte den Jungen im August 2014 in seinen Wagen gelockt und in die Wohnung in der List verschleppt. Nachdem sich der Angeklagte an dem Kind vergangen hatte, setzte er den Fünfjährigen zwei Stunden später an der Weimarer Allee in Vahrenheide aus und überließ den hilflosen Jungen sich selbst. S. kam im September 2013 nach Hannover und nahm seine Arbeit an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) auf. Doch die Klinik entließ den 43-Jährigen bereits nach kurzer Zeit wieder.

Im Rahmen der Untersuchungen stieß die 20-köpfige Ermittlungsgruppe der Polizei auf ähnlich geartete Fälle in Bayern. Vor seiner Zeit an der MHH war der Angeklagte in Krankenhäusern in München und Augsburg tätig. Dort sprach er Kinder auf der Straße und Spielplätzen an, außerdem nutzte er seinen Beruf als Notarzt aus. An Grundschulen warb er ohne das Wissen der Arbeitgeber für kostenlose Ausflüge für benachteiligte Kinder, auf den Fahrten verging sich S. dann an ihnen.

Für den Prozess sind 18 weitere Verhandlungstage anberaumt, doch schon jetzt stehen zwei Sachen fest: S. muss zum einen nicht mit einer höheren Strafe rechnen, bei ihm gilt das sogenannte Verschlechterungsverbot. Gleichzeitig stellte der BGH klar, dass die Schuldfähigkeit nicht gänzlich aufgehoben war – entscheidend sind daher nun die neuen Gutachten. Auf dem Prüfstand stehen auch die Sicherungsverfahrung und das lebenslange Berufsverbot. Letzteres wollen die Verteidiger von S. ebenfalls abmildern. Zwar wolle der Angeklagte nicht mehr als Kinderarzt tätig sein, stattdessen aber in der Pathologie oder Geriatrie. Das Urteil wird am 29. Januar erwartet.

Von Peer Hellerling

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