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Aus der Stadt Traumjob Dachdecker: Sören und Wiktor sind auch nach zehn Wochen noch begeistert
Hannover Aus der Stadt

Ausbildung 2019: Die HAZ begleitet die Dachdeckerlehrlinge Sören und Wiktor

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17:03 15.10.2019
Man lernt nur noch, was einem im Beruf etwas nützt: Sören (r.) und Wiktor (zweiter v. r.) im Unterricht in der Berufsbildenden Schule 3. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Die ersten zehn Wochen liegen hinter ihnen, und von ihrer Entscheidung, eine Dachdeckerlehre zu machen, sind sie nach wie vor überzeugt: „Das macht immer noch richtig Laune“, sagt Sören (17). Die Arbeit auf dem Dach mache ihm Spaß, der Blick von oben auf die Welt habe irgendwie etwas Erhebendes. Auch das Gefühl, selbst mit seinen eigenen Händen etwas fertiggestellt zu haben, gefällt ihm. Insgesamt fühle er sich jetzt reifer als noch vor drei Monaten, meint Sören. Er hat sogar schon in seiner alten Schule, der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Neustadt, wo er in diesem Sommer seinen Realschulabschluss gemacht hat, bei einer Ausbildungsmesse für den Traumjob Dachdecker geworben: „Letztes Mal saß ich noch auf der anderen Seite als Schüler.“

Bei einer Berufsorientierungsmesse in der KGS Neustadt werben die Lehrlinge für ihren Job. Quelle: Petra Dammann

Lehrlinge sind erwachsener geworden

„Ich bin erwachsener geworden“, pflichtet ihm auch Wiktor (18) bei, „Man steht auf, geht zur Arbeit, kommt nach Hause, vorher war man Schüler, jetzt gehört man zur arbeitenden Bevölkerung.“ Jeder Tag sei anders. Mal geht es um Flachdächer, mal um Sattel- oder Stelzendächer, mal ist die Baustelle ein Neubau, dann um die Sanierung eines Hauses aus dem 16. Jahrhundert.

„Man muss seinen eigenen Nachwuchs ausbilden“

Gleich am ersten Tag der Lehre haben sie ihr eigenes Werkzeug bekommen, das sie hüten wie ihre Augäpfel. Die richtig heißen Tage haben sie gut überstanden: „Dann trinkt man eben ein bisschen mehr“, sagt Sören. Und auch vor der kalten Witterung ist ihnen nicht bange: „Wir bekommen noch richtig warme Dienstkleidung“, sagt Wiktor. „Ich würde auch bei Schneefall aufs Dach gehen“, sagt Sören enthusiastisch, und muss von seinem Chef, Mario Dammann, ein bisschen eingebremst werden: „Wenn es zu nass und rutschig ist, geht bei mir gar keiner aufs Dach.“

Der Neustädter Dachdeckermeister Dammann bildet seit Jahren seinen eigenen Nachwuchs aus und hält ihn auch: „Anders geht es gar nicht“, sagt der Innungs-Obermeister, „Bewerber auf offene Stellen gibt es nicht, der Markt ist leer gefegt.“ Seine Auszubildenden lernen den Betrieb schon vor dem offiziellen Beginn ihrer Lehre kennen. Sören und Wiktor haben beide bereits ein mehrwöchiges Schulpraktikum bei Dammann absolviert, der 17-Jährige sogar gleich zweimal. Sie kennen ihre Kollegen, haben Paten, ältere Azubis oder junge Gesellen, die ihnen beim Start ins Berufsleben helfen.

Im Betrieb duzt man sich und redet auf Augenhöhe miteinander. Es sei wichtig, die Lehrlinge voll mit einzubeziehen, sagt Dammann, und sie nicht mit sinnlosen Aufgaben wie Nägel sammeln abzuspeisen.

Unterstützung auch in der Berufsschule

Von seinen Lehrlingen Sören und Wiktor ist er sichtlich angetan: „Die Jungs sind klasse“, sagt er. Sie kämen immer pünktlich und gut gelaunt in die Firma. Wiktor komme jeden Morgen mit einem breiten Lächeln in die Tür. Jeden Tag müssen die Azubis einen Tagesbericht schreiben, dazu kommt ein Wochenbericht. „Auch das klappt reibungslos“, sagt Mario Dammann.

Regelmäßig geben die Azubis ihre Berichtsbögen ab, Chefin Petra Dammann lobt sie dafür auch schriftlich. Quelle: Saskia Döhner

Seine Frau Petra gibt den Nachwuchskräften dazu regelmäßig Feedback. „Toll gemacht“, steht dann schon mal auf einem ihrer Klebezettel.

Sören und Wiktor bei der Sicherheitsunterweisung. Quelle: Petra Dammann

Drei Tage sind Wiktor und Sören im Betrieb, zwei Tage in der Berufsschule in Hannover. Auch der Unterricht sagt ihnen zu: „Man hat nicht mehr alle Fächer, sondern nur die, die wirklich etwas mit dem eigenen Beruf zu tun haben“, sagt Wiktor. Sören findet den Lernstoff bislang auch nicht sonderlich schwierig. Sollte es doch irgendwann mal haken, würden Mario und Petra Dammann auch unkompliziert Nachhilfeunterricht anbieten. „Wir wollen, dass unsere Jungs gut durchkommen“, sagt Mario Dammann, „dazu gehört nicht nur das Praktische im Betrieb, sondern auch der Unterricht in der Schule.“

Wiktor kommt jeden Morgen mit einem Lächeln in die Firma, sagt sein Chef. Quelle: Saskia Döhner

Im Dezember steht die erste Woche überbetriebliche Ausbildung in der Dachdeckerschule in St. Andreasberg an. Darauf freuen sich die beiden Jungen nach eigenem Bekunden schon sehr.

Sören mag den Blick von oben auf die Welt. Quelle: Saskia Döhner

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Von Saskia Döhner

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