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Aus der Stadt Reichstagsbrand: Zweifel an Aussage eines SA-Manns aus Hannover
Hannover Aus der Stadt

Aussage von SA-Mann Hans-Martin Lennings zu Reichstagsbrand: Der "Spiegel" zweifelt

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01:08 30.11.2019
Am 27. Februar 1933 brannte der Reichstag, hingerichtet wurde dafür ein einzelner Mann. Wer wirklich hinter der inszenierten Brandstiftung steckte, ist bis heute umstritten. Quelle: dpa
Hannover

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ veröffentlicht Zweifel an der Geschichte des ehemaligen SA-Manns Hans-Martin Lennings, der 1933 den später verurteilten Reichstagsbrandstifter Marinus van der Lubbe in den Reichstag gebracht haben will, als es dort bereits brannte. Demnach liegen dem „Spiegel“-Autoren Klaus Wiegrefe Informationen über psychiatrische Gutachten von 1936/37 vor, die dem Zeugen Lennings Erinnerungsverlust, epileptische Anfälle und Angststörungen als Folge von Kopfverletzungen diagnostizieren.

Erklärung zum Reichstagsbrand im Amtsgericht Hannover

In diesem Haus in der Hartwigstraße 6 (früher: Nummer 7) hat Hans-Martin Lennings seine Kindheit verbracht. Sein Vater unterrichtete ab 1907 an der Oberrealschule an der Lutherkirche in Hannover. Quelle: Conrad von Meding

Lennings, der in Hannover der Hartwigstraße aufgewachsen ist, hatte die eidesstattliche Versicherung 1955 vor einem hannoverschen Notar abgegeben. Sie fand sich im Sommer 2019 im Archiv des Amtsgerichts Hannover, die HAZ hat sie erstmals publiziert. Sie gilt als erste offizielle Aussage eines SA-Manns, die die Mittäterschaft der Nazis zu belegen scheint – was seit 1933 Gegenstand eines bis heute andauernden Geschichtsstreits ist.

Historiker müssen urteilen

Gegenüber der HAZ hatten Historiker wie der amerikanische Buchautor Benjamin Carter Hett die Lennings-Erklärung als Indiz dafür gewertet, dass die vom „Spiegel“ jahrzehntelang verbreitete These von der Alleintäterschaft van der Lubbes eine Irreführung sei.

Was sind die Gutachten von 1936/37 wert?

In seinem aktuellen Bericht beruft sich der „Spiegel“ auf Nachforschungen des Schweizer Historikers Rainer Orth, der die psychiatrischen Gutachten über den SA-Mann Lennings in Archiven gefunden hat. Lennings, der gute Kontakte zum 1934 hingerichteten SA-Stabschef Ernst Röhm und zum ebenfalls getöteten SA-Führer Karl Ernst hatte, geriet 1936 verstärkt ins Visier der Gestapo und wurde mehrfach verhaftet. Bei der Gelegenheit ist er vom Erbgesundheitsgericht beim Amtsgericht Leipzig begutachtet worden, dessen Mediziner ihn schließlich als Psychopath einstuften.

„Spiegel“-Autor Wiegrefe hat die Gutachten nach eigenen Angaben dem Düsseldorfer Psychiatrie-Professor Frank Schneider vorgelegt. Der sei zu einem unklaren Ergebnis gekommen: Man könne Lennings Aussagen wegen der unter den Nazis erstellten Diagnosen nicht grundsätzlich als Lügen abtun, angesichts der Gutachten rate er aber zu „ganz extremer Vorsicht“. Gepaart damit, dass auch die Familie von Lennings Bruder nach dem Krieg Zweifel an seinen Erzählungen geäußert habe, kommt „Spiegel“-Autor Wiegrefe zu dem Schluss, dass das Geständnis des SA-Manns zur Brandnacht „wohl nur wenig wert“ sei.

Über die Authentizität der Darstellung werden in den nächsten Jahren Historiker urteilen müssen.

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Von Conrad von Meding

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